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Stephanie Schulze zur Wiesch, CEO von Dertour Suisse, äussert sich zur Zukunft von Kuoni und Hotelplan unter einem Dach. Bild: TN

10 Fragen zur gemeinsamen Zukunft von Dertour und Hotelplan

Reto Suter

Stellenabbau, Filialschliessungen, Markenentscheide: Dertour Suisse hat nach der Hotelplan-Übernahme die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Travelnews zeigt exklusiv, was der Umbau konkret bedeutet – für Mitarbeitende, Reisebüros und Kunden.

Es war ein Paukenschlag für die Schweizer Reisebranche: Am 2. Dezember 2025 legte Dertour Suisse erstmals offen, wie die Organisation nach der Übernahme der Hotelplan Group künftig aussehen soll. Die Dimensionen des Umbaus sind beträchtlich: Bis Ende 2027 sollen rund 250 Stellen wegfallen. Zudem ist die Zusammenlegung von 15 Filialen vorgesehen.

Seither war einiges in Bewegung: Bis zum 17. Dezember lief das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren, in dem die Belegschaft ihre Rückmeldungen, Fragen und Vorschläge einbringen konnte.

Ein solcher Prozess ist bei angekündigten Stellenstreichungen obligatorisch. Er soll sicherstellen, dass Mitarbeitende angehört werden und mögliche Alternativen oder sozialverträgliche Lösungen geprüft werden, bevor definitive Entscheide fallen.

Am 18. Dezember folgte nun der nächste wichtige Schritt: Die Mitarbeitenden wurden über die Ergebnisse dieses Verfahrens informiert. Damit sind die zentralen Eckpunkte der neuen Struktur bekannt, offene Fragen geklärt und die Rahmenbedingungen für die Zukunft festgelegt.

Was bedeutet die Übernahme konkret für Standorte, Marken, Teams und Arbeitsplätze? Wie sieht die neue Organisation aus, und welche Entscheide sind bereits definitiv? Travelnews ordnet die Entwicklungen ein und beantwortet die zehn wichtigsten Fragen rund um den Deal.

Wie lief das Konsultationsverfahren ab?

Im Konsultationsverfahren ging es darum, die künftige Struktur von Dertour Suisse nach der Übernahme der Hotelplan Group zu prüfen und mit den Mitarbeitenden zu besprechen. Die neue Organisation soll ab Januar 2026 schrittweise eingeführt werden. Bereits früh wurden den Mitarbeitenden voraussichtliche Zielbilder und geplante Organigramme für sämtliche Bereiche vorgestellt.

Mitarbeitende sowie die Personalkommission hatten in der Folge die Möglichkeit, Rückmeldungen einzubringen und Fragen zu stellen. Diese wurden am 18. Dezember im Rahmen der Mitarbeitenden-Information beantwortet. Im Verlauf des Prozesses wurden verschiedene Doppelspurigkeiten identifiziert, was schliesslich in den angekündigten Abbau von rund 250 Stellen mündete.

Dertour Suisse plant, den Stellenabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten. Vorgesehen ist, Pensionierungen und natürliche Abgänge zu nutzen, um Kündigungen zu vermeiden. Zudem wird geprüft, ob Mitarbeitenden wenn möglich alternative Positionen innerhalb der Dertour Group angeboten werden können. «Wir versuchen, die Zahl der Kündigungen so gering wie möglich zu halten», sagt CEO Stephanie Schulze zur Wiesch gegenüber Travelnews.

Welche Bereiche sind betroffen?

Insbesondere trifft der Stellenabbau die IT. Künftig setzt Dertour Suisse vollständig auf die konzernweite Plattform der Dertour Group. Auch im Einkauf und in verschiedenen Backoffice-Funktionen entfallen Stellen, da diese Aufgaben zentral innerhalb der Gruppe gebündelt werden. Marketing, Sales und Retail hingegen bleiben grundsätzlich bestehen und sollen in einzelnen Bereichen sogar ausgebaut werden.

Warum wurde der Stellenabbau ausgerechnet vor Weihnachten kommuniziert?

Diese Frage wurde im Führungsteam intensiv diskutiert. Soll man die Information um Wochen oder gar Monate zurückhalten – oder offen und zeitnah kommunizieren? In die Entscheidungsfindung wurden bewusst verschiedene Stellen einbezogen, darunter die Personalkommission von Hotelplan, die Personalabteilung sowie das so genannte Change-Team, in dem Mitarbeitende von Dertour und Hotelplan vertreten sind. Das Fazit fiel eindeutig aus: Die Mitarbeitenden sollten nicht länger im Ungewissen gelassen werden.

CEO Stephanie Schulze zur Wiesch bringt es auf den Punkt: «Die Mitarbeitenden unwissend in die Festtage zu schicken, wäre viel schlimmer gewesen, als jetzt – wenige Tage vor Weihnachten – Klarheit zu schaffen.» Sie betont zudem, dass es sich zum jetzigen Zeitpunkt um eine Ankündigung handelt: Noch sei niemand entlassen worden.

Wie viele Mitarbeitende arbeiten im neuen Konstrukt?

Aktuell beschäftigt Dertour Suisse schweizweit 1850 Mitarbeitende. Sollte der angekündigte Abbau von bis zu 250 Stellen bis Ende 2027 umgesetzt werden, entspricht dies einem Rückgang von rund 13 Prozent der Arbeitsplätze. Wie viele Kündigungen es am Ende tatsächlich geben wird, ist weiterhin offen – auch weil Pensionierungen, natürliche Fluktuation und interne Wechsel innerhalb der Gruppe eine wichtige Rolle spielen sollen.

Wie viele Filialen zählen Dertour und Hotelplan aktuell?

Im Zusammenhang mit der Übernahme von Hotelplan durch die Dertour Group war stets von rund 150 Reisebüro-Filialen die Rede. Konkret umfasste das Netz ursprünglich 82 Standorte der Hotelplan Group (ohne Business-Standorte) sowie knapp 70 Kuoni-Filialen (inklusive Business-Travel-Standorten). 2025 wurden vier Hotelplan-Filialen geschlossen (Wädenswil, Locarno, Visp und Winterthur Rosenberg). Diese Massnahme stand laut Dertour Suisse in keinem direkten Zusammenhang mit der Übernahme. Aktuell betreibt das neue Konstrukt schweizweit noch 137 Filialen von Hotelplan und Kuoni für Freizeitreisende.

Stephanie Schulze zur Wiesch vor der Hotelplan-Filiale am Zürcher Löwenplatz. Bild: TN

Welche Filialen müssen schliessen?

Bis Ende 2027 sollen 15 Filialen geschlossen werden. Offiziell ist bisher einzig die Schliessung der Hotelplan-Filiale am Flughafen Zürich. Gerüchteweise sollen auch die Standorte von Kuoni und Hotelplan im Glattzentrum in Wallisellen ZH zusammengelegt werden. Hierzu gibt es aber noch keine Bestätigung.

Die geplanten Filialschliessungen haben unterschiedliche Ursachen: In einigen Fällen laufen Mietverträge aus, andernorts sind die Teams in den vergangenen Jahren geschrumpft oder ein Standort rechnet sich wirtschaftlich nicht mehr.

Laut Dertour Suisse stehen die betroffenen Filialen bereits fest, die Mitarbeitenden wurden entsprechend informiert. Nach aussen will das Unternehmen die einzelnen Schliessungen jedoch erst kommunizieren, wenn sämtliche Details geklärt sind. In vielen Situationen sei es sinnvoller, Kräfte zu bündeln und Teams zusammenzuführen, als kleine Standorte isoliert weiterzuführen, sagt Schulze zur Wiesch.

Warum verschwindet die Marke Travelhouse?

Laut Stephanie Schulze zur Wiesch war der Bekanntheitsgrad der Marke Travelhouse bei Kundinnen und Kunden deutlich geringer als die Bekanntheit von Kuoni und der Kuoni Specialists. In den vergangenen Monaten habe man das Markenportfolio intensiv geprüft. «Nach sorgfältiger Analyse sind wir zur Überzeugung gelangt, dass ein einzelner, übergeordneter Brand nicht der beste Weg ist, um unsere weltweite Destinations-Expertise zu bündeln», so Schulze zur Wiesch. Entscheidend seien nicht Markennamen, sondern die Expertise dahinter. Wichtig: Die Marke verschwindet, die Produkte bleiben – und sind weiter über die Kuoni Specialists und Kuoni buchbar.

Entstehen neue Brands bei den Kuoni Specialists?

Nein, die Angebote für Nordamerika und Ozeanien werden künftig direkt in das Kuoni-Portfolio integriert. Ausschlaggebend dafür sei die Art der Reisegestaltung, die sich in diesen Regionen deutlich von jener in Asien oder Südamerika unterscheidet, so Dertour Suisse: Reisen würden hier wesentlich individueller, modularer und stärker im Baukastenprinzip zusammengestellt. Eine Reaktivierung früherer Marken aus der Reisebaumeister-Gruppe wurde geprüft, letztlich aber verworfen.

Wo wird künftig der Hauptsitz sein?

Das ist noch offen. Derzeit läuft eine umfassende Evaluation mit Unterstützung eines externen Immobilienexperten. Analysiert wurden unter anderem Pendelzeiten der Mitarbeitenden, Anbindung an den öffentlichen Verkehr, Kosten, Platzverhältnisse sowie Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung. Auch die Mitarbeitenden konnten sich einbringen. Die Entscheidungsgrundlage liegt vor – bewusst neutral, ohne Empfehlung. Die eigentliche Bewertung soll Anfang 2026 erfolgen. Einen konkreten Umzugstermin gibt es noch nicht.

Wie will Dertour Suisse bei den Kunden punkten?

Im Zentrum steht die so genannte Omnichannel-Strategie, bei der digitale und persönliche Kontaktpunkte nahtlos ineinandergreifen. Kundinnen und Kunden sollen ihre Reise dort planen können, wo es für sie am besten passt – vom ersten Online-Impuls über die Inspiration auf der Website bis hin zur persönlichen Beratung. Der Wechsel zwischen digitalen Kanälen, Filiale und Servicecenter soll jederzeit möglich sein, ohne Informationsverlust und ohne Brüche im Prozess. «Diese Stärke können wir dank unseres dichten Filialnetzes und moderner technischer Lösungen optimal ausspielen», sagt CEO Stephanie Schulze zur Wiesch.