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So erlebten die Afrikaspezialisten die Indaba in Durban
Gregor WaserWährend drei Tagen war Durban der Nabel der afrikanischen Tourismuswelt. An der diesjährigen Branchenmesse Indaba vom 12. bis 14. Mai 2026 waren wie jedes Jahr auch zahlreiche Schweizer Reiseveranstalter mit dabei.
Im Vorfeld standen einige Fragezeichen im Raum. Wie entwickelt sich der afrikanische Tourismus im Jahr der Nahost-Krise und den damit verbundenen Unsicherheiten auf den Langstrecken-Destinationen? Wie entwickelt sich das Preisgefüge in Zeiten des Treibstoff-Engpasses? Travelnews hat mit den Schweizer Afrika-Spezialisten gesprochen und sie nach den Indaba-Eindrücken und der Entwicklung des diesjährigen Afrika-Geschäftes befragt.
Claudio Nauli, Private Safaris
Auch in diesem Jahr hat Claudio Nauli, der Geschäftsführer von Private Safaris, zusammen mit drei Teamkolleginnen an der Indaba teilgenommen. «Mein Eindruck ist, dass die Messe in diesem Jahr weniger Buyers hat, dafür mehr Suppliers. Das dürfte wohl mit der Nahost-Krise zusammenhängen wie auch mit der späten Aufschaltung des Termin-Tools, auf dem Gespräche im Vorfeld abgemacht werden können.»
Ein Dauerthema seien die anstehenden Treibstoff-Zuschläge, die von lokalen Veranstaltern ab Mai für Inlandflüge verrechnet werden. «Wir absorbieren zwar einen gewissen Teil und übernehmen die Kosten im Mai und Juni, müssen aber für Juli und August Nachbelastungen in Rechnung stellen. Insbesondere Botswana-Veranstalter erheben die Zuschläge, auch Tansania dürfte folgen. Wir hoffen dabei auf den Goodwill der Reisebüros, im Wissen, dass die Weiterverrechnung unangenehm ist», sagt Claudio Nauli dazu. Bei den Langstrecken fallen keine Zuschläge an, wie dies Privat Safaris schon kommunziert habe.
Die Gespräche an der diesjährigen Indaba stimmen Nauli insgesamt zufrieden, «wir haben einige coole neue Sachen entdeckt, die wir in unser Portfolio aufnehmen werden und in den nächsten Monaten vorstellen können». Als derzeitige Gewinner bezeichnet er neben Südafrika kleinere Länder wie Sambia, Simbabwe, Uganda und Ruanda. Tansania sei nach den unruhigen letzten sechs, sieben Monaten ins Minus gerutscht, «ich bin aber zuversichtlich, dass das Tansania-Geschäft bald wieder zunimmt».
Petra Buller, Africa Design Travel
«Die Stimmung an der diesjährigen Indaba haben wir trotz der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten insgesamt als positiv erlebt», sagt Petra Buller, die im vergangenen Jahr von John Stewardson die Geschäftsführung von Africa Design Travel übernommen hat. «Gleichzeitig wurde aber auch sehr offen über die Herausforderungen gesprochen, welche die Branche derzeit beschäftigen».
Ein zentrales Thema seien die steigenden Treibstoffkosten infolge des Nahostkonflikts. «Entsprechend beschäftigen mögliche Fuel Surcharges derzeit viele Gespräche – insbesondere bei Airlines sowie Safari- und Charterfluggesellschaften. Teilweise haben wir bereits Nachbelastungen für Reisen bis in den November erhalten. Aus unserer Sicht ist es heute schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickelt. Deshalb sehen wir es kritisch, Kundinnen und Kunden bereits jetzt mit Zuschlägen für Reisen zu belasten, die erst in mehreren Monaten stattfinden».
Für nahe Abreisen im Mai und Juni hat sich Africa Design Travel bewusst entschieden, solche Zuschläge selbst zu absorbieren, anstatt diese kurzfristig an Kundinnen und Kunden weiterzugeben. «Gerade in einem volatilen Umfeld braucht es aus unserer Sicht Augenmass und Verhältnismässigkeit».
«Grundsätzlich nehmen wir an der Indaba aber eine positive Grundstimmung wahr. Themen wie Nachhaltigkeit, authentische Reiseerlebnisse und individuellere Angebote prägen viele Gespräche. Gleichzeitig hören wir von vielen Partnern, dass die Nachfrage aus Europa momentan teilweise etwas verhaltener ist, beziehungsweise Gäste längere Entscheidungswege haben, während sich der amerikanische Markt konstant zeigt.
Für Africa Design Travel zeigt sich das Afrika-Geschäft 2026 insgesamt zufriedenstellend. «Wir arbeiten intensiv an unserem neuen Katalog, der wiederum spannende Neuerungen beinhalten wird. Wir bauen insbesondere unsere beliebten Slow-Travel-Angebote weiter aus – darunter Wanderreisen, Reitsafaris, Kanutouren und weitere entschleunigte Reiseformen mit viel Natur- und Begegnungscharakter».
Angelika Gehring, Sundowner Travel
«Die Indaba war auch in diesem Jahr für uns ein voller Erfolg», sagt Angelika Gehring, Geschäftsführerin von Sundowner Travel. «Der persönliche Austausch mit unseren Partnern vor Ort ist für uns von grosser Bedeutung, auch um aktuelle Entwicklungen im Markt zu besprechen». Gerade in herausfordernden Zeiten mit Themen wie steigende Ölpreise sei ein enger Austausch besonders wertvoll.
«Wir haben die Messe als äusserst spannend und inspirierend erlebt und konnten zudem einige neue Produkte kennenlernen, die hervorragend in unser Portfolio passen». Die Indaba bleibe für Sundowner Travel eine wichtige Plattform für Networking, Marktbeobachtung und Produktentwicklung. Gleichzeitig komme auch der persönliche und gesellige Teil nicht zu kurz, «denn über die Jahre hinweg sind viele wertvolle Freundschaften entstanden».
Yannick Stampfli und Remo Strub, Knecht Reisen
«Die Auswirkungen der Nahost-Krise auf Afrika, damit verbundene Treibstoffzuschläge sowie Verfügbarkeitsengpässe in der Hochsaison waren bestimmende Themen», sagt Yannick Stampfli, Managing Tour Operating Südliches Afrika bei Knecht Reisen. Generell sei die Indaba in diesem Jahr ruhiger gewesen, grundsätzlich herrschte an der Fachmesse aber eine positive Stimmung bezüglich der aktuellen Geschäftslage. Dies sei in Anbetracht der geopolitischen Verwerfungen und deren Auswirkungen nicht selbstverständlich.
Nach Abschluss der Messe zieht Yannick Stampfli dieses Fazit: «Der Hauptfokus unseres Messebesuchs waren einerseits Meetings mit bestehenden Partnern. Dadurch stärken wir existierende Kooperation sehr effektiv.» Zu dieser Kontaktpflege gehören laut Stampfli auch das konkrete Verhandeln von Raten, Konditionen und Marketing-Vereinbarungen.
Product Manager Remo Strub sieht aber auch das Scouting an einer Fachmesse: «An der Indaba sondieren wir den Markt auch nach neuen, spannenden Produkten, die für unsere Kundschaft und unser Sortiment geeignet scheinen.» Die persönlichen Gespräche dienen dazu, möglichst umfassende Informationen zu neuen Produkten zu sammeln.
Laut Stampfli ist der aktuelle Geschäftsgang und die Nachfrage für Südafrika und Namibia sehr gut. «Es ist gut möglich, dass die Spannungen am Golf hierbei eine Rolle mitspielen. Erstaunlicherweise haben wir dieses Jahr bislang auch einiges an kurzfristigen Buchungen erhalten – die in den allermeisten Fällen erfolgreich umgesetzt werden konnten.» In Südafrika sind insbesondere die bekannten Regionen wie die Garden Route, Kapstadt und Krüger NP sehr gut nachgefragt. «Dazwischenliegende Regionen (z.B. Kwazulu-Natal, Drakensberge, Wild Coast) haben jedoch noch Luft nach oben» fasst Stampfli die Sichtweise von Knecht Reisen und die Rückmeldungen lokaler Partner vor Ort zusammen.
Die Aufnahme von Windhoek/Namibia ins Edelweiss-Streckennetz – ohne dass dies jemand vorhersehen konnte – sei genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. «Die mediale Präsenz des westafrikanischen Landes ist seit Wochen gross und stimuliert den Markt», sagt Remo Strub. In Namibia seien kurzfristige Buchungen jedoch eine Herausforderung, weil die Verfügbarkeiten generell deutlich limitierter sind als beispielsweise in Südafrika.