Mail aus... Lissabon – «Bom dia, como esta»

Von Verena Lobenwein
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Verena Lobenwein kam als Architektin beruflich nach Lissabon, verfiel umgehend diesem Ort, dem Meer, den Leuten und der Kultur… und blieb – heute ist sie Reiseleiterin für Baumeler Reisen.

Samstag, 9.30 Uhr, Frankfurt. Nach einer Reise bin ich auf dem Weg zum Gate für meinen Rückflug nach Portugal, wo ich seit sieben Jahren wohne und als Reiseleiterin tätig bin. Plötzlich bleibe ich stehen... «Gate 250: Flug Austrian Airlines nach Innsbruck». Ich höre, wie wartende Menschen in meinem Dialekt sprechen – Tirolerisch! – und sofort wird mir ganz warm ums Herz... Dann die Durchsage: «Boarding Lissabon», und ich laufe schnell weiter zu meinem Abfluggate. Schon erhasche ich Gesprächsfetzen auf Portugiesisch, man unterhält sich über Fussball.

Der Liebe wegen hab ich damals meine Heimat verlassen, inzwischen wurde daraus eine Liebe zum Land und den Menschen an einem neuen Ort, ganz im Westen von Europa. Besonders beeindruckt hat mich immer die Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Portugiesen. Oft nimmt man die Dinge nicht so genau, das Auto wird einfach mal in der zweiten Spur oder am Gehsteig stehen gelassen. Fussball ist eine Religion und Telenovela gibt‘s bereits zum Frühstück, man isst viel Fleisch und frischen Fisch, und ein guter Café wird in der Bar getrunken.

Der Landeanflug auf Lissabon ist wie immer ein Erlebnis. Blauer Himmel, das Meer blitzt, und der Pilot dreht die Maschine über die Küste Richtung Zentrum. Ich erkenne viele Orte. Lissabon ist eine faszinierende und aufregende Stadt. Schliesslich berühren wir den Boden. Wieder zu Hause...?

Meine Freundin Katrin holt mich ab. Sie kommt ursprünglich aus Deutschland und lebt seit vielen Jahren hier. Wie immer gibt es Stau, aber bald verlassen wir die Metropole gegen Westen, dem kleinen Städtchen Cascais, wo ich wohne. Endlich zu Hause angekommen, meine portugiesische Mitbewohnerin ist nicht da. Ich werfe den Koffer in die Ecke und schnapp mir mein Fahrrad.

Vor der Türe treffe ich meine Nachbarin, sie betreibt einen Krämerladen in unserer Gasse, dem kommunikativen Treffpunkt des Viertels. Ich rufe ihr nur ein kurzes „Bom dia, como esta“ zu und weg bin ich... durch die kleinen Gassen bin ich in ein paar Minuten an der Küstenstrasse. Eine frische Meeresbrise weht mir ins Gesicht. Ich stoppe am Dünenstrand Guincho, dort sind ein paar meiner Freunde beim Surfen, es gibt ein herzliches Bemvindo, willkommen daheim!

Aber ich will weiter, meine Tour soll zur Peninha führen, zum kleinen Kloster am Hügel der Serra de Sintra auf rund 500 Metern über dem Meer. Von dort hab ich einen weiten Blick über die gesamte Küste und mein Heimatstädtchen Cascais bis nach Lissabon. Die Sonne geht langsam unter. Das Licht ist einzigartig, und ich werde nachdenklich...

Wo ist nun mein Zuhause? Ich habe einmal den Satz gelesen „Home is, where your heart is.“ Was macht man, wenn man zwei Herzen in der Brust schlagen hat? Da klingelt das Telefon. Mein Freund Luis fragt, ob ich zum Essen kommen möchte. Ich setz mich auf mein Fahrrad und düse den Hang hinab zurück. Nach Hause!