Karriere

Daniela Maspoli kämpft dafür, dass die Schweizer Reisebranche langfristig wieder mehr Lernende ausbildet. Bilder: Adobe Stock / SRV

Lehrstellen in der Reisebranche: Der erhoffte Sprung bleibt aus

Reto Suter

Die Schweizer Reisebranche kann den jüngsten Rückgang bei den Lehrlingszahlen vorerst stoppen. Doch die Auswirkungen der Hotelplan-Übernahme durch Dertour sind in den 76 neu abgeschlossenen Lehrverträgen für 2026 noch nicht abgebildet.

Nach dem historischen Tiefpunkt mitten in der Corona-Pandemie zeigte die Kurve vorübergehend wieder nach oben. 2021 wurden schweizweit gerade einmal 38 Lehrverträge in der Reisebranche abgeschlossen. Bis 2024 stieg die Zahl auf 86 Lernende.

Damit blieb die Branche zwar noch weit von früheren Rekordwerten entfernt – 2005 starteten noch über 200 Jugendliche eine KV-Lehre in der Reisebranche –, sie rückte aber zumindest wieder näher an die Zielmarke des Schweizer Reise-Verbands (SRV) von 100 Lehrverträgen heran.

Im vergangenen Jahr folgte dann jedoch ein Rückschlag. Nur noch 75 Jugendliche begannen im Sommer 2025 ihre Ausbildung. Für 2026 gibt es nun zumindest eine kleine Entwarnung. Der Abwärtstrend ist gestoppt, auch wenn von einer eigentlichen Trendwende noch keine Rede sein kann.

Hotelplan-Übernahme noch nicht abgebildet

«Dieses Jahr starten 76 Jugendliche mit einer Lehre in der Reisebranche, 13 davon in der Westschweiz», sagt Daniela Maspoli, Leiterin Aus- und Weiterbildung beim, gegenüber Travelnews.

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings. Die Auswirkungen der Übernahme von Hotelplan durch Dertour spiegeln sich in den aktuellen Zahlen noch nicht wider. «Hotelplan hatte die Verträge für den Lehrstart im Sommer 2026 bereits vor der Übernahme abgeschlossen. All diese Jugendlichen dürfen ihre Lehre wie vereinbart beginnen», erklärt Maspoli.

Wie sich die Übernahme künftig auf die Zahl der Ausbildungsplätze auswirkt, ist noch offen. «Ich habe noch keine Signale, dass Lehrplätze verschwinden, befürchte aber einen leichten Rückgang», so die Aus- und Weiterbildungsverantwortliche des SRV.

Um eines Tages wieder die Marke von 100 Lernenden zu erreichen, setzt der SRV auf verschiedene Massnahmen. Im vergangenen Jahr lancierte der Verband eine Informations-Offensive für kleinere und mittlere Reisebüros, die als Ausbildungsbetriebe infrage kommen.

In diesem Sommer folgt eine Social-Media-Kampagne mit jungen Erwachsenen, die ihre Lehre in der Reisebranche im vergangenen Sommer abgeschlossen haben, als Botschafter. Ziel ist es, einerseits zusätzliche Reisebüros für die Ausbildung von Lernenden zu gewinnen und andererseits Jugendliche für eine Ausbildung in der Reisebranche zu motivieren.

Diskutiert werden auch ganz neue Optionen. So könnten sich künftig mehrere Reisebüros einen Lernenden teilen. Ein solches Sharing-Modell würde die Ausbildungsverantwortung laut Daniela Maspoli auf mehrere Schultern verteilen und kleinere Betriebe entlasten.

Weniger Arbeitsplätze, weniger Lehrstellen

Daniela Maspoli weiss, dass der Weg zurück zu dreistelligen Lehrlingszahlen anspruchsvoll bleibt. Viele Reisebüros würden den Nutzen einer Ausbildung zwar anerkennen, stünden im Alltag aber vor praktischen Hürden.

«Die Argumente der Reisebüros sind in den meisten Fällen nachvollziehbar: Im hektischen Arbeitsalltag fehlen oft die personellen Ressourcen, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung sicherzustellen. Viele Betriebe verfügen zudem nur über wenig Platz oder beschäftigen zahlreiche Teilzeitmitarbeitende, sodass den Lernenden häufig eine konstante Ansprechperson fehlt», sagt Maspoli.

Hinzu kommt eine strukturelle Entwicklung, die die Branche kaum beeinflussen kann. «Die Zahl der Arbeitsplätze ist insgesamt gesunken, das wirkt sich automatisch auch auf die Lehrstellen aus.»

Mit viel Herzblut engagiert sich Daniela Maspoli dafür, die Berufsbildung in der Reisebranche nachhaltig zu stärken. Auch wenn die Marke von 100 Lernenden derzeit ausser Reichweite liegt, setzt sie zusammen mit der SRV-Geschäftsstelle und dem SRV-Vorstand weiterhin auf kreative Ideen und Überzeugungsarbeit. Denn für sie ist klar: Nur wenn genügend Betriebe ausbilden, kann die Schweizer Reisebranche ihren Nachwuchs langfristig sichern.