Hotellerie
Ein Hilferuf der Schweizer Hotellerie
Die Anzahl Feriengäste in Schweizer Hotels ging in der vergangenen Wintersaison markant zurück. Vor allem Gäste aus den Nachbarländern Deutschland, Italien und Frankreich blieben der Schweiz fern. Aber der Sorgenkatalog der Hotelleriesuisse ist noch viel umfassender: Auch der starke Schweizer Franken, der Klimawandel und die strukturellen Veränderungen in der Ferienhotellerie, die verstärkte Digitalisierung mit neuen Vertriebsmodellen und Angebotsformen, die zunehmende Regulierungswut von Politikern und Behörden oder der verstärkte Wettbewerb um geeignete Nachwuchstalente bereiten der Hotellerie Probleme.
Anlässlich einer Medienkonferenz vom 7. Juni hat die Hotelleriesuisse Strategie und Forderungen im Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz und für einen liberalen Zugang zu Arbeitskräften aller Qualifikationsstufen aus dem Ausland präsentiert.
Der Verband fordert von der Politik die definitive Verankerung des Mehrwertsteueransatzes von 3,8 Prozent für die Beherbergung im Mehrwertsteuergesetz und einen Abbau von administrativen Hürden und Verordnungen auf allen politischen Ebenen. Die Zölle im Agrarbereich sollen abgebaut und ein Agrar-Freihandelsabkommen mit Europa geschlossen werden.
Neue Anbieter der Sharing Economy wie Airbnb würden derzeit in Bezug auf das Miet-, Arbeits- und Steuerrecht massiv bevorteilt. Hier fordert der Verband gleich lange Spiesse im Wettbewerb und die Gleichbehandlung bei Kurtaxen und Tourismusabgaben. Die Hotelleriesuisse wird sich auch für die geplante Volksinitiative «für faire Importpreise» einsetzen.
Unflexible Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative wäre ein Konkurrenznachteil
In den kommenden Jahren rechnet die Schweizer Hotellerie mit einer deutlichen Veränderung der Gästestruktur: Das Durchschnittsalter der Gäste wird zunehmen und sie sollen vermehrt aus fernen Ländern anreisen. Die Anforderungen an die Qualität von Dienstleistungen und an die Infrastruktur wird somit weiter steigen. Spezialisierung, Innovation und Flexibilität sind seitens der Hotels gefragt.
Der liberale Zugang zu Arbeitskräften aller Qualifikationsstufen aus dem Ausland müsse deshalb sichergestetllt werden. Eine branchendiskriminierende und unflexible Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative – zum Beispiel durch eine Kontingentierung ausländischer Arbeitskräfte – würde den Schweizer Hoteliers einen weiteren massiven Konkurrenznachteil einbringen.
«Mit unseren Leistungen unterstützen wir die Hotels gezielt auf den unterschiedlichsten Gebieten. Zudem bieten wir eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und den Know-how-Transfer», sagt Andreas Züllig, der Präsident der Hotelleriesuisse.
An ihrer Versammlung vom 7. Juni haben die Delegierten von Hotelleriesuisse zudem dem neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV) zugestimmt. Bis Ende Juni werden alle Sozialpartner den Vertrag ratifiziert haben. Anschliessend wird die Allgemeinverbindlichkeits-Erklärung beim Bundesrat beantragt.