Here & There
Abenteuer in Tofino: Zwischen Bären, Walen und Wellenreiten
Elisabeth ZirkSchon die Anreise zeigt, wie abgeschieden Tofino liegt. Von der kanadischen Metropole Vancouver führt der Weg über das Wasser: Mit dem Mietwagen geht es nach Horseshoe Bay und von dort mit BC Ferries in knapp zwei Stunden nach Nanaimo auf Vancouver Island. Danach sind es nochmals drei Stunden Fahrt bis nach Tofino. Wer es schneller und etwas spektakulärer mag, kann Vancouver Island auch aus der Luft erreichen: Wasserflugzeuge fliegen direkt von Vancouver nach Tofino.
Mit einer Fläche von 31’285 Quadratkilometern ist Vancouver Island riesig. Wer die gesamte Insel erkunden möchte, sollte entsprechend viel Zeit mitbringen. Besonders die Westküste rund um Tofino und Ucluelet gehört jedoch für viele zu den Höhepunkten der Gegend. Hier treffen der Pacific Rim National Park Reserve, dichter Regenwald und der offene Pazifik aufeinander. Endlose Natur, die einen geschützten Lebensraum für Wildtiere bietet, denen man sonst nur selten begegnet – darunter Schwarzbären, Wölfe und Pumas.
Surfen zwischen Regenwald und Pazifik
Tofino ist nicht nur für seine Natur, sondern auch als Surf-Hotspot bekannt. Das ganze Jahr über rollen die Wellen des Pazifiks an die Westküste Vancouver Islands. An Stränden wie Cox Bay, Chesterman Beach oder Long Beach gehören Menschen in Neoprenanzügen und mit Surfboards unter dem Arm deshalb ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild.
Cox Bay ist für seine meterhohen Wellen bekannt und Austragungsort von Surfwettbewerben. Wer noch nie auf einem Brett gestanden hat, findet rund um Tofino zahlreiche Surfschulen und Verleihe. Neoprenanzug ist dabei Pflicht: Auch im Sommer bleibt der Pazifik ziemlich frisch.
Wer lieber zuschaut, kann es sich am Strand gemütlich machen und die atemberaubende Kulisse bestaunen. Hinter dem hellen Sand beginnt der dicht bewachsene Wald, während sich auf der anderen Seite der endlose Pazifik erstreckt und die Gischt wie Nebel über dem Strand liegt. Wer diese Aussicht länger geniessen will, bucht ein Strandhaus im Pacific Sands Resort.
Auf den Spuren der Schwarzbären
Dass man sich hier mitten in der Wildnis befindet, wird spätestens auf den Wanderwegen rund um Tofino deutlich. Immer wieder weisen Schilder darauf hin, dass Schwarzbären, Wölfe und Pumas in den Wäldern leben und erklären, wie man sich bei einer Begegnung verhalten soll. Tatsächlich einem der Tiere beim Wandern gegenüberzustehen, ist jedoch selten. Wer Schwarzbären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchte, hat vom Wasser aus bessere Chancen.
Von Tofino starten verschiedene Bear-Watching-Touren in den Clayoquot Sound. Besonders bei Ebbe kommen Schwarzbären an die Küste und suchen zwischen Felsen und Tang nach Krebsen und Fischrogen. Vom Boot aus lassen sich die Tiere mit respektvollem Abstand beobachten.
Wale, Seeotter und Seelöwen vor der Küste
Mindestens genauso eindrücklich ist ein Ausflug weiter hinaus auf den Pazifik. Tofino gehört zu den bekanntesten Orten für Whale Watching an Kanadas Westküste. Vor allem Grauwale sind regelmässig in den Gewässern des Clayoquot Sound zu beobachten. Zwischen Juni und September kommen Buckelwale hinzu und mit etwas Glück ziehen sogar Orcas durch die Region.
Doch auch abseits der Wale gibt es auf einer Bootstour von Anbietern wie viel zu entdecken. Seeotter treiben auf dem Rücken durchs Wasser, Seelöwen sonnen sich auf den Felsen und Weisskopfseeadler kreisen über der Küste. Eine Whale-Watching-Tour dauert in der Regel zweieinhalb bis drei Stunden und gehört zu den absoluten Highlights eines Aufenthalts in Tofino.
Wandern durch Kanadas Regenwald
Wer wieder festen Boden unter den Füssen haben möchte, findet zwischen Tofino und Ucluelet zahlreiche Wanderwege. Im Pacific Rim National Park Reserve führen etwa die Rainforest Trails über Holzstege und Treppen mitten durch den gemässigten Regenwald. Riesige Rotzedern und Hemlocktannen ragen in die Höhe, während Moose und Farne nahezu jeden freien Platz bedecken.
Eine besonders schöne Möglichkeit, die wilde Küstenlandschaft zu Fuss zu entdecken, ist der Wild Pacific Trail bei Ucluelet. Der Wanderweg führt durch den Regenwald und immer wieder direkt an die zerklüftete Pazifikküste. Aussichtspunkte geben den Blick auf kleine Inseln, schwarze Felsen und die Brandung frei. Je nach Abschnitt kann man eine kurze Runde oder eine längere Wanderung daraus machen.
Wo die Uhren langsamer ticken
Nach all den Abenteuern lohnt es sich, auch Tofino selbst etwas Zeit zu widmen. Das kleine Dorf ist überschaubar und lässt sich schnell erkunden. Surfshops, kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants prägen das Ortsbild. Das Leben scheint hier etwas langsamer zu laufen. Viele Einheimische sind eng mit dem Meer und der Natur verbunden. Am Hafen legen kleine Boote ab, Surfbretter werden auf Autodächer geschnallt und Hektik scheint ein Fremdwort zu sein.
Auch kulinarisch hat Tofino einiges zu bieten. Frischer Fisch und Seafood stehen in vielen Restaurants wie dem Shelter auf der Karte – mit etwas Glück kann man vom Fenster aus Robben beobachten, die in der Bucht spielen und Fische fangen.
In Tofino ist die Natur allgegenwärtig. Zwischen all den Abenteuern lohnt es sich, auch einmal keinen Plan zu haben: einen Kaffee trinken, am Hafen entlangschlendern oder einfach noch einmal an den Strand fahren. Kein Wunder also, dass das Leben hier etwas langsamer zu laufen scheint. Wer sich darauf einlässt, versteht schnell, warum viele kommen – und am liebsten bleiben würden.