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Traumstrände, tropische Landschaften und günstige Ferien: Thailand hat touristisch viel zu bieten. Trotzdem kämpft das Land mit sinkenden Gästezahlen und wachsender Konkurrenz. Bild: Unsplash / Evan Krause

Thailand steckt in der Tourismusfalle

Klaus Oegerli

Über Jahre war Thailand einer der grossen Gewinner des internationalen Reisebooms. Nun ist die Rückkehr zu alten Rekorden allerdings in weite Ferne gerückt. Sicherheitsbedenken im wichtigen China-Markt, hohe Kosten und erstarkte Konkurrenten setzen dem Ferienparadies zu.

Thailand galt zwei Jahrzehnte lang als Selbstläufer der asiatischen Reisebranche. 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie, reisten knapp 40 Millionen internationale Gäste ins Land, die Einnahmen lagen bei rund drei Billionen Baht, umgerechnet fast 100 Milliarden Franken.

Dieses Niveau ist heute weiter entfernt, als es die offiziellen Sprachregelungen der letzten Jahre vermuten liessen. Die thailändische Tourismusbehörde TAT hat ihre Prognose für 2026 auf 30 bis 34 Millionen internationale Ankünfte gesenkt, ein Rückgang von rund 18 Prozent gegenüber dem ursprünglichen Ziel.

Die erwarteten Gesamteinnahmen liegen bei knapp 2,58 Billionen Baht (rund 63 Milliarden Franken), auch der Inlandstourismus wird mit rund 206 Millionen Reisen leicht tiefer veranschlagt als ursprünglich geplant. Tourismusminister Surasak Phancharoenworakul rechnet frühestens ab 2030 mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Vier verlorene Jahre, mitten in einer Boom-Branche.

Der wichtige China-Markt wackelt

Der eigentliche Bruch datiert auf Anfang 2025. Die Entführung des chinesischen Schauspielers Wang Xing, verschleppt in eine Betrugszentrale nahe der Grenze zu Myanmar, verbreitete sich innerhalb weniger Tage über die chinesischen sozialen Netzwerke.

Die Folge war messbar und schnell: Flugstornierungen von China nach Thailand stiegen laut Datenanalyse-Unternehmen Forward Keys binnen eines Wochenendes um 155 Prozent, allein im Januar 2025 wurden rund 10'000 Flüge und 12'400 Hotelbuchungen storniert.

Thailands Tourismus steht seit anderthalb Jahren unter Druck. Bild: Unsplash / Worachat Sodsri

Der Fall blieb kein Einzelereignis. Im Mai 2026 wurde bekannt, dass thailändische Polizisten chinesische Staatsangehörige entführt und erpresst haben sollen, sechs Beamte stehen inzwischen vor Gericht. Der Aktienindex der thailändischen Tourismus- und Freizeitbranche gab daraufhin um neun Prozent nach. Branchenvertreter warnten damals vor einem möglichen Rückgang von 20 bis 30 Prozent bei anhaltend negativer Aufmerksamkeit.

Was sich hier zeigt, ist kein einmaliger Reputationsschaden, sondern ein wiederkehrendes Muster: Sicherheitsvorfälle in der Grenzregion zu Myanmar treffen ausgerechnet jenen Markt am härtesten, von dem Thailand am meisten abhängt.

China bleibt mit weitem Abstand die grösste Herkunftsnation, mit 2,15 Millionen Ankünften zwischen Januar und Mai 2026, einem Plus von knapp 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber weit entfernt von den elf Millionen chinesischen Besucherinnen und Besuchern des Rekordjahrs 2019.

Ölpreis und Nahost-Konflikt als externer Schock

Zum strukturellen Vertrauensproblem kam Anfang 2026 ein externer Schock hinzu. Nach den amerikanischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar wurde die Strasse von Hormus zeitweise blockiert, rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots fiel aus.

Brent Crude durchbrach die Marke von 100 US-Dollar pro Fass, der Dieselpreis in Thailand zog allein im März um sechs Baht pro Liter an, an den Zapfsäulen werden seither knapp 40 Baht fällig. Für Fluggesellschaften, deren grösster Kostenblock der Treibstoff ist, bedeutet das weniger Kapazität und höhere Ticketpreise.

Die Zahlen des ersten Halbjahrs bestätigen das Bild. In den ersten vier Monaten 2026 sanken die internationalen Ankünfte um 3,45 Prozent auf knapp 12 Millionen, die Einnahmen fielen im gleichen Zeitraum um 3,28 Prozent auf 584 Milliarden Baht (rund 14 Milliarden Franken).

Besonders deutlich zeigte sich der Einbruch bei Reisenden aus dem Nahen Osten: Ohne Israel und Iran gerechnet, sanken die Ankünfte aus dieser Region um 32,17 Prozent auf 103'053 Gäste. In den ersten fünf Monaten 2026 kamen insgesamt 14,03 Millionen internationale Gäste nach Thailand, 2025 waren es im gleichen Zeitraum noch 14,36 Millionen, 2024 sogar 14,76 Millionen. Eine Branche im Rückwärtsgang, während die Kostenseite gleichzeitig steigt.

Wie sich die verschärften Einreisebestimmungen der Regierung – darunter die Verkürzung der visumfreien Aufenthaltsdauer auf 30 Tage und die elektronische Einreisegenehmigung – auf die Besucherzahlen auswirken werden, ist noch offen. Zusätzliche Hürden dürften der touristischen Nachfrage allerdings kaum förderlich sein.

Konkurrenz legt zu

Während Bangkok mit Vertrauens- und Kostenproblemen ringt, wachsen konkurrierende Destinationen ungebremst weiter. Spanien meldet ein Ankunftsplus von 3,4 Prozent, Griechenland gar von 27,1 Prozent, bei einem Einnahmenzuwachs von 36,8 Prozent.

Auch innerhalb Asiens verliert Thailand an relativer Anziehungskraft: Vietnam und Japan punkten mit aggressiverem Marketing und einer schwächeren Landeswährung, während der starke Baht Thailand für preissensible Reisegruppen zusätzlich verteuert. Der Vergleich ist unbequem, aber eindeutig. Der globale Reisemarkt wächst, Thailand nimmt daran derzeit unterdurchschnittlich teil.

Bangkok gehört zu den touristischen Zugpferden Thailands. Bild: Adobe Stock

Bangkok reagiert mit einem Kurswechsel weg von der reinen Ankunftszahl hin zu einem Modell des sogenannten Qualitätstourismus. Im Fokus stehen künftig Fernmärkte wie Grossbritannien, Deutschland und die USA, von denen sich die TAT höhere Ausgaben pro Aufenthalt verspricht. Der durchschnittliche Aufenthalt liegt laut Tourismusministerium derzeit bei neun Tagen.

Parallel dazu werden Sicherheitsmassnahmen an den Grenzregionen zu Myanmar verstärkt und die Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden intensiviert, ein Eingeständnis, dass Marketingbudgets allein das Vertrauensproblem nicht lösen.

Ob der Ansatz aufgeht, bleibt offen. Chinesische Gäste, nach wie vor der grösste Einzelmarkt, gelten im Branchenvergleich als deutlich weniger ausgabefreudig als europäische oder nordamerikanische Reisende. Ein reiner Fokus auf zahlungskräftiges Publikum löst also nicht automatisch das strukturelle Abhängigkeitsproblem vom China-Markt. Und ein Sicherheitsimage lässt sich nicht per Kampagne zurückkaufen, es muss über Monate durch das Ausbleiben neuer Vorfälle erarbeitet werden.

Thailands Tourismus steckt damit in einer doppelten Umbauphase. Er muss gleichzeitig ein Vertrauensproblem beim wichtigsten Herkunftsmarkt lösen, sich gegen eine im Aufwind befindliche Konkurrenz behaupten und ein neues, ertragsorientiertes Geschäftsmodell etablieren, ohne dabei die Basis von vier Millionen Arbeitsplätzen zu gefährden, die direkt an der Branche hängen. Das ist kein Marketingproblem. Das ist ein Strukturproblem, und Strukturprobleme lassen sich nicht in einer Saison lösen.