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Reger Besuch im Dubai World Trade Centre: Der Arabian Travel Market dauert noch bis am 17. September. Bilder: TN

Das sagen die Schweizer Besucher zum ATM '26 und der Situation am Golf

Gregor Waser, Dubai

Erholung spürbar, aber verhaltene Erwartungen: Am Arabian Travel Market in Dubai berichten Schweizer Arabien-Spezialisten von ergiebigen Verhandlungen – blicken jedoch vorsichtig auf die anstehende Hauptsaison.

Der Durchgang zu den Ständen von Dubai und Abu Dhabi ist verstopft. Die Besucherinnen und Besucher des Arabian Travel Market zwängen sich durch die Halle 2 zum nächsten Termin. Andere Hallen, auch jene mit Ausstellern aus Europa und Südostasien, sind weniger gut besucht. Die ganze Welt ist vertreten, Einkäufer aus Ostasien und Indien sind in der Mehrheit, aus Westeuropa sind nur vereinzelte Buyers angereist.

Nachdem am 28. Februar die Iran-Eskalation ausgebrochen ist, wurde der ATM vom Mai in den September verschoben. Zwar ist der Konflikt noch nicht ausgestanden und schreckt gerade Gäste aus dem Westen noch ab, doch im Dubai World Trade Centre herrscht Business as usual. Auch in vielen Hotels in Dubai ist die Auslastung im September auf 60 Prozent angestiegen.

Nun beginnt von Oktober bis Mai die Hauptsaison und Dubai setzt alles daran, das wichtige Tourismusgeschäft wie auch die Investitionsbereitschaft hochzuhalten. Das gelingt der Regierung und dem Privatsektor gut. Seit April ist Dubai von Angriffen verschont geblieben. Gleichzeitig wurden viele Unterstützungsmassnahmen eingeleitet, etwa Belohnungen und Discounts für die aus 200 Nationen bestehende Lokalbevölkerung, wenn sie aktuell Gäste mobilisieren können.

Geringe Schweizer ATM-Präsenz

Besuchten in anderen Jahren über ein Dutzend Schweizer Einkäuferinnen und Einkäufer den ATM, sind die Teilnehmenden in diesem Jahr an einer Hand abzuzählen. Kuoni, Hotelplan, TUI, Let's go Tours oder Amin Travel haben auf eine Teilnahme verzichtet. Einzig Holiday Maker Tours, zu zweit, sowie Bischofberger Reisen sind in Dubai präsent – wie auch Travelnews.

Philippe Raselli, Geschäftsführer von Holiday Maker Tours, feiert mit seiner Firma in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum und hat hier in Dubai eine volle Agenda. Im Halbstunden-Rhythmus bewegt er sich durch die vier Messehallen von Termin zu Termin. Travelnews fängt ihn ab für eine Einschätzung: «Ich habe bisher einen postiven Eindruck erhalten. Die Gespräche mit Hotels, Partnern und Agenten sind ergiebig, unsere Präsenz wird sehr geschätzt.»

Raselli selber weilt seit Samstag in Dubai und er habe sich keine Sekunde unsicher gefühlt. «Für Touristen ist hier alles offen und zugänglich – und günstig. Preislich ist eine Reise in die GCC-Region sehr attraktiv. Auch hier an der Messe können wir attraktive Preise verhandeln, auch was Ausflüge und Transfers betrifft.»

Philippe Raselli (Holiday Maker Tours) und Romy Obrist (Bischofberger Reisen), trafen sich am Vorabend des ATM im Atlantis The Palm.

Zum diesjährigen ATM sagt Romy Obrist, die Geschäftsführerin von Bischofberger Reisen: «Es ist ruhiger als sonst. Zudem sind einige Aussteller wie Saudi-Arabien oder Oman gar nicht gekommen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass der WTM in London bald stattfindet und vor einigen Wochen ein WTM in Saudi Arabien stattfand. Doch die Aussteller haben mehr Zeit, was positiv ist. Die Stimmung ist teilweise etwas verhalten, da man einfach nicht weiss, wann sich die Situation ändert». Trotzdem sei es interessant, mit den Leistungsträgern zu sprechen und deren Meinung zu hören.

Weiter sagt sie: «Die Hotels in Dubai hatten einen verhältnismässig guten Sommer. Die Staycation der 'Locals' haben geholfen. Es kamen und kommen auch viele Briten, Russen und Israelis. Dass viele Airlines mit Beginn des Winterflugplans Ende Oktober wieder nach Dubai fliegen, hilft sicher, um Vertrauen aufzubauen. Trotzdem wird es noch etwas dauern, bis die Schweizer wieder in die Region reisen.» Solange die Situation nicht klar sei, werden sich die Kunden zurückhalten und Alternativen buchen. Sie rechne daher weiterhin nicht damit, dass die Buchungen anziehen.

Verhaltene Aussichten für das Wintergeschäft

Im Gespräch über die nun beginnende Hochsaison, zeigt sich auch Philippe Raselli noch eher skeptisch. Zwar herrsche in der Schweiz ein grosser Nachholbedarf, was Reisen an den Golf betrifft. «In den kommenden Wochen und Monaten rechne ich aber eher mit Last-Minute-Buchungen, insgesamt werden die nächsten Monate wegen der Unsicherheit und der Frage, wie es weitergeht, eher schwierig.»

Doch der ATM-Besuch und die Gespräche mit Partnern seien sehr wichtig und werden überaus geschätzt, sagen beide Arabien-Spezialisten. «Dass man auch in schwierigeren Zeiten an einer Destination festhält, wird von den Partnern sehr wohl registriert», sagt Philippe Raselli.

Freut sich über das geringere Gedränge am ATM: Daniel Berhausen (Holiday Maker Tours).

Ebenso in den Messehallen anzutreffen ist Daniel Berhausen, der Stellvertretende Geschäftsführer von Holiday Maker Tours. Im letzten Jahr habe es noch mehr Besucher gehabt, stellt er fest, «in diesem Jahr ist das Durchkommen in den Hallen einfacher und angenehmer, um zum nächsten Termin zu gelangen».

Berhausen freut sich, dass das Business in der Schweiz langsam wieder anzieht. Zur Frage von Travelnews, ob er bisher viele gute Preise aushandeln konnte, sagt er: «Wir probieren es und können vereinzelt gute Deals abschliessen. Weil die Nachfrage aus anderen Märkten bereits wieder gross ist, sind aber nicht alle Hotels und Anbieter angewiesen, Discounts auszusprechen. Aus welchem Markt ein Gast stammt, hat für einen Hotelier keine grosse Priorität.»

Die Abwesenheit zahlreicher Mitbewerber wundert ihn. Der einst jahrelang für Travelhouse tätige Berhausen sieht in der ATM-Präsenz von Holiday Maker Tours auch Chancen, um im Schweizer Markt und bei Schweizer Reisebüros künftig noch eine grössere Rolle zu spielen.

Einschätzung eines Insider-Expats

Am Rande des ATM trifft Travelnews auf den früheren Kommunikationschef von Kuoni, Peter Brun. Er lebt seit zehn Jahren in Dubai und arbeitete noch bis vor vier Jahren für die einstige Kuoni-Firma VFS Global. Nun ist er selbständiger Kommunikationsberater, wohnt in der Dubai Marina und hatte schon am Tag nach dem Ausbruch der kriegerischen Auseinandersetzung von seinem Balkon aus einen Situationsbericht für Travelnews abgegeben.

Nun sitzen wir in einer der schönsten Hotellobbys der Welt, im Atlantis The Royal, und Brun blickt zurück: «Der März war mit den Drohnen- und Raketen-Angriffen sicherlich heftig. Seit anfangs April ist hier alles normal. Ich konnte im Juni und später im August problemlos in die Schweiz fliegen». Zwar haben Ende August nochmals einige Scharmützel stattgefunden, bei denen Schiffe beschädigt wurden, ansonsten war hier keine Ausnahmesituation. «Man fragt sich hier halt, was kommt als nächstes, denn das Problem ist noch nicht gelöst.» Er blicke nun gespannt auf die US-Midterm-Wahlen und mögliche Auswirkungen.

Fühlt sich weiterhin sicher in Dubai: Kommunikationsberater Peter Brun im Gespräch mit Travelnews in der Lobby des Atlantis The Royal.

Er habe sich aber zu keinem Moment unsicher gefühlt. Im Sommer sei es in Dubai, wie immer, sehr ruhig gewesen. «Nun zieht auch der Verkehr wieder an, weil viele Emirati und Expats aus den Sommerferien zurück sind und es wieder mehr Touristen hat.»

Was dies nun alles für die anstehende Hochsaison bedeute? «Das ist schwierig abzuschätzen. Touristen aus den Arabischen Staaten, aus Indien und Pakistan kommen wieder häufiger, sie haben ein anderes Level an Unsicherheitsgefühl. Bei den Europäern weiss ich es nicht. Auch meine privaten Freunde, die ansonstern gerne mein Gästezimmer im November beanspruchen, zeigen sich noch abwartend und wollen erst kurzfristig entscheiden».

Was die mittel- und langfristigen Aussichten betrifft, hat Peter Brun keine Zweifel am touristischen Erfolg der Vereinigten Arabischen Emirate, «die Destination wird auch in Zukunft anziehend bleiben. Gerade hier in Dubai wird weiterhin sehr viel gebaut, die Hotels sind sehr attraktiv, Dubai ist ein tolles Erlebnis.» Er ist überzeugt, dass das Problem gelöst wird.