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Hierhin müssen Sie reisen, um Ihre Nase zu verschönern
Marilin Leuthard«Schon in der Antike überquerten die alten Griechen das Meer, um zum Heiligtum Äskulaps, des Gottes der Heilkunst, in Epidaurus zu gehen», ist auf der Webseite von Novacorpus, einem Genfer Vermittlungsunternehmen für Operationen im Ausland, zu lesen. Heute nennt sich dieses Phänomen Medizintourismus und wird auch für die weltweite Reisebranche immer bedeutender.
Sich im meist deutlich billigeren Ausland einem medizinischen Eingriff zu unterziehen, ist ein Trend, der nach der Jahrtausendwende so richtig Fahrt aufnahm. Der Markt wächst rasant. Schätzungen des Marktforschungsinstituts Fortune Business Insights zufolge setzt die Branche 2025 weltweit rund 40 Milliarden Dollar um, dies mit einem jährlichen Wachstum von bis zu 23 Prozent. Der Markt dürfte sich in den kommenden Jahren mehr als vervierfachen und bis im Jahr 2032 auf rund 163 Milliarden steigen.
Ob Schönheitsoperationen wie Nasenkorrekturen, Fettabsaugung, Haartransplantation oder Zahnbehandlungen: Bei unserer Gesundheitsversorgung müssten wir eigentlich nicht ins Ausland ausweichen, auch nicht für Schönheitseingriffe. Dennoch zieht es immer mehr Schweizerinnen und Schweizer ins Ausland, um sich unters Messer zu legen. Neben den finanziellen Aspekten sind auch die qualitativ hochwertigen Behandlungen spezialisierter Kliniken, die kürzeren Wartezeiten und die Möglichkeit, die Operation mit Ferien zu verbinden, treibende Kräfte bei diesem Entschluss.
Schönheitsferien am Bosporus
Die Türkei gehört zu den absoluten Spitzenreitern in Sachen Medizintourismus, insbesondere für Kundinnen und Kunden aus Europa. In den vergangenen Jahren hat das Schönheits-Mekka massiv in die Modernisierung des Gesundheitswesens investiert. Allein im Jahr 2024 haben sich laut dem SRF rund 1,5 Millionen Personen in der Türkei operieren lassen.
Rund die Hälfte aller Patienten liess sich dabei die Haare transplantieren. Istanbul wird mit mehreren hundert Kliniken auch die «Haartransplantations-Hauptstadt der Welt» genannt. Die Fluggesellschaft Turkish Airlines wird scherzhaft auch als «Turkish Hairlines» bezeichnet, da sie jährlich hunderttausende Männer aus aller Welt für diesen Eingriff einfliegt.
Aber die Türkei kann nicht nur für eine neue Haarpracht sorgen, sie bietet das volle Programm: Augen- und Zahnbehandlungen, plastische Eingriffe, metabolische Chirurgie sowie Onkologie, Fruchtbarkeitsbehandlungen (IVF) und orthopädische Eingriffe. Schweizerinnen und Schweizer reisen vor allem für Schönheitsoperationen und Zahnbehandlungen an den Bosporus. Die meisten Eingriffe in der plastischen Chirurgie betreffen Fettabsaugen, Nasenoperationen und Brustvergrösserung.
Ein Eingriff in der Türkei kostet bis zu 70 Prozent weniger als in Europa oder den USA und das scheinbar ohne grössere Sicherheits- und Qualitätseinbussen. Die Türkei zählt zu den zehn Ländern mit den meisten JCI-akkreditierten (Joint Commission International) Spitälern – eine Zertifizierung, die weltweit als Goldstandard für die Qualität der Gesundheitsversorgung gilt.
Dabei ist der Medizintourismus in der Türkei als Fünf-Sterne-Erlebnis konzipiert. Vom Moment ihrer Ankunft werden die Patienten mit VIP-Flughafentransfers, privaten Spitalsuiten und persönlichen Assistenten umsorgt, die den Aufenthalt zu einem einzigartigen Erlebnis machen.
Eine der bekanntesten Kliniken in Istanbul ist die «Smile Hair Clinic». Auf der Webseite der renommierten Klinik für Haartransplantationen sind die Kosten ersichtlich: Die Diamant-Behandlung gibt es für 5790 Euro. Dabei wird man am Flughafen abgeholt, von den besten Ärzten betreut und hat zusätzliche Massnahmen wie eine Exosomen-Therapie inklusive. Hinzu kommen drei Nächte in einem 5-Sterne-Hotel mit Frühstück. Die ein wenig abgespecktere Platin-Behandlung kostet 3290 Euro und bietet eine Übernachtung weniger, sowie keine zusätzlichen Therapien.
Top-Ziele in Südostasien und Mittelamerika
Der Medizintourismus hat sich in den letzten Jahren zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte im Gesundheitssektor entwickelt. Neben der Türkei zählen auch Thailand, Malaysia und Mexiko zu den führenden Destinationen und behandeln jährlich mehrere Millionen internationale Patientinnen und Patienten.
Mexiko ist besonders bei den US-Amerikanern und den Kanadiern beliebt, die sich die horrenden Preise in den USA oder Kanada nicht leisten wollen oder können. Die besonders gefragten Adipositas-Operationen, Zahnbehandlungen, Schönheitsoperationen, Stammzelltherapien und orthopädischen Behandlungen kosten im Land der Azteken bis zu 70 Prozent weniger als in den USA. Zudem sind zahlreiche Spitäler und Kliniken international anerkannt und bieten modernste Technologien und hochqualifiziertes medizinisches Personal.
Dank der Förderung der Regierung hat sich Malaysia in Sachen Medizintourismus in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Zentren Asiens entwickelt. Das Land hat massiv in Gesundheitsinfrastruktur investiert und gilt als eines der weltweit besten Länder für Medizintourismus. Qualitativ hochwertige Behandlungen in den Bereichen Kardiologie, Fertilität, Orthopädie, Onkologie und kosmetische Chirurgie kosten meist nur halb so viel wie in Europa.
Thailand ist weltweit führend darin, medizinische Behandlungen und Wellnesstourismus zu verbinden. Auch hier sind die Behandlungen einiges billiger als in anderen Teilen der Welt, wobei sie durch die internationale Nachfrage meist über dem Preisniveau von Malaysia liegen. Ein Facelift gibt es in der Zürcher Clinic Utoquai ab 27'000 Franken, während ein kombiniertes Facelift und eine Halsstraffung im Bangkok Hospital in Thailand für 282'000 Baht (rund 6900 Franken) durchgeführt werden.
Viele thailändische Spitäler sind mit der neuesten Medizintechnik ausgestattet und können daher Behandlungs- und Diagnoseverfahren auf höchstem Stand anbieten. Zudem weist gerade die Hauptstadt Bangkok eine enorme Dichte an JCI-akkreditierten medizinischen Einrichtungen auf. Nebst kosmetischer Chirurgie, Zahnmedizin und orthopädischen Behandlungen ist das Land die absolute Nummer eins in Sachen geschlechtsangleichende Operationen.
Nicht immer ohne Risiko
Für einen qualitativ hochwertigen Eingriff muss aber nicht zwingend eine weite Reise angetreten werden. Schweizer Unternehmen wie «Novacorpus» oder «Travel Beauty» vermitteln genau solche Beauty-Reisen im europäischen Raum. Neben Istanbul stehen die bulgarischen Städte Sofia und Plovdiv für qualitativ hochwertige Nasenkorrekturen, Brustvergrösserungen oder Bauchdeckenstraffungen. Die serbische Stadt Belgrad ist in Sachen Gesichtschirurgie, Zahnbehandlungen oder Body Tite ein führendes Ziel in Europa.
Auch Belgien ist eine gute Wahl: Schönheitsoperationen kosten dort deutlich weniger als in der Schweiz, die Standards sind aber mit den hiesigen zu vergleichen. Viele Schweizer Chirurgen wurden in belgischen Spitälern ausgebildet, die dortige Ausbildungsqualität ist international anerkannt. Die belgische Regierung ist zudem eine der wenigen, die offiziell ausländische Patienten ermutigt, für Eingriffe nach Belgien zu kommen.
Ungarn ist ebenso ein beliebtes Ziel, insbesondere für Zahnbehandlungen. Das Land hat europaweit die grösste Dichte an Zahnarztpraxen. Mit der hohen Qualität und den günstigen Preisen mauserte sich Ungarn zu einer der populärsten Destinationen für Zahnbehandlungen in Europa.
Wer jedoch eine solche Reise ohne professionelle Hilfe plant, sollte sich der Risiken bewusst sein. Ganz so risikolos ist ein Gesundheitstrip ins Ausland nämlich nicht. Immer wieder landen Patienten in dubiosen Kliniken, die nicht professionell arbeiten, wie «Nau.ch» kürzlich festhielt. Das Risiko für Entzündungen oder andere Komplikationen sei dabei deutlich grösser.
Was Sie bei einer Beauty-Reise beachten sollten, finden Sie in diesem Artikel.