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Tolle Sicht, intensiver Duft, abwechslungsreiche Wege: Frühlingswanderungen entlang des Mittelmeers haben einen grossen Reiz. Bild: sitoruiz

Die schönsten Inseln für Frühlingswanderer

Sabine Metzger

Korfus Steilküste erkunden, die Gipfel Sardiniens erklimmen, Korsikas Felsnadeln bestaunen oder sich dem Kratergipfel des Ätna nähern – jetzt beginnt die schönste Zeit zum Wandern mit Meerblick.

Die Hitze und der Trubel des Sommers sind noch fern, die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht und zieht ihr schönstes Kleid an. Der Frühling ist die beste Zeit für Wanderungen zwischen duftender Macchia, bizarrer Felsformationen, spektakulärer Steilküsten und traumhafter Ausblicke aufs Meer. Wir entführen Sie zu den Wander-Highlights Korfus, Cres/Lošinjs, Siziliens, Sardiniens, Korsikas und Mallorcas.

Korfu: Gipfeltour mit Badestopp

Wälder aus Olivenhainen, bunte Blumenwiesen, mediterrane Macchia und ein Urwald aus alten Erdbeerbäumen: Korfu ist ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderbegeisterte – ganz besonders im Frühling. An den wildromantischen Steilküsten fallen leuchtend weisse Sandsteinklippen ins Meer ab und geben versteckte Traumbuchten frei.

Gipfelstürmer zieht es auf den 911 Meter hohen Pantokrátors im Norden der Insel. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf das albanische Festland und die Diapontischen Inseln. Ein besonderes Erlebnis ist auch die Umrundung der Südspitze entlang der wilden Steilküste. Und wer das azurblaue Meer nicht nur von oben bewundern möchte, der wandert zu einem der schönsten Plätze der Insel, der Zwillingsbucht bei Afiónas im Nordwesten, und wagt schon mal ein Bad.

Ein kontrastreiches Erlebnis bietet die Umrundung der Südspitze am Kap Arkoudilas. Hier wandert man hoch über der Brandung entlang der wilden Steilküste, wo der Wind die salzige Gischt heranträgt. Wer das azurblaue Meer nicht nur von oben bewundern möchte, sollte den Abstieg zur berühmten Zwillingsbucht von Afiónas (Porto Timoni) im Nordwesten nicht scheuen. Der schmale Pfad schlängelt sich durch dichtes Grün hinunter zu zwei spiegelverkehrten Buchten, die zum ersten Bad der Saison einladen.

Cres-Lošinj: Weitwandern an der Adria

Kroatiens Inselwelt ist nicht nur ein Traumrevier für Segler, sondern auch ein Dorado für Wanderer. Freunde von Langstrecken-Trails sind in der Region Kvarner im nördlichen Kroatien bestens aufgehoben. Sie birgt eine der eindrucksvollsten Fernwanderungen der Adria: die Via Apsyrtides. Diese führt über 149 Kilometer und elf Etappen über die zwei Inseln Cres und Lošinj.

Der typische Duft der Macchia, Kroatisch Makija, nach wildem Salbei, Thymian und Wacholderbüschen ist ein häufiger Begleiter durch eine ursprüngliche Landschaft aus Karstfelsen, uralten Olivenhainen und stillen Buchten. Der Name Via Apsyrtides verweist auf die antike griechische Bezeichnung der Inseln, eng verknüpft mit der Argonautensage. Vor allem die Insel Cres ist erstaunlich unberührt geblieben. Gänsegeier kreisen über ihre Hochebenen, Dörfer ruhen im Mittagslicht, und das Meer glitzert immer in Sichtweite.

Sizilien: Dem Ätna ganz nah

Der Frühling ist die schönste Zeit für Sizilien. Die Luft ist angenehm lau für eine kulturelle Zeitreise von der Antike über den Barock bis hin zur Neuzeit. Jetzt ist auch die beste Zeit für eine Ätna-Tour, mit rund 3350 Metern Europas höchster, aktiver Vulkan. Während auf der Südseite des Berges eine Seilbahn und Geländebusse täglich Tausende Besucher zu den Kratergipfeln transportieren, ruht die touristisch deutlich weniger erschlossene Nordseite noch in einem Dornröschenschlaf.

Um über die Nordroute bis nach oben zu den Gipfelkratern zu wandern, benötigt man einen Guide. Schon die Fahrt bis zum Wanderstartpunkt ist spektakulär, die Strasse führt über beeindruckende, alte Lavaströme. Der Aufstieg ist weniger steil, relativ einfach und mit wenig Geröll. Bei gutem Wetter hat man einen perfekten Ausblick zu den Äolischen Inseln (Stromboli und Co.) und der Küste bei Taormina.

Sardinien: Wildes Gebirg-Duo

Die Berge Sardiniens sind zwar nicht so hoch wie auf der Nachbarinsel Korsika, machen dies jedoch durch Einsamkeit, Unberührtheit und faszinierende Wildnis mehr als wett. Man entdeckt völlig neue Wege und Sehenswürdigkeiten sowie seltene Exemplare aus Flora und Fauna. Eine der schönsten und wildesten Wanderregionen Sardiniens ist das stark zerklüftete Kalksteinmassiv Supramonte, das sich von Nuoro bis Baunei an der Ostküste hinzieht.

Sanfter geht es in den Waldhügeln des Gennargentu Gebirges zu. Allerdings ragt hier Sardiniens höchste Bergspitze, die Punta La Marmora 1834 Meter in den tiefblauen Himmel. Superlativ geht es auch in die Tiefe. Im Gennargentu befindet sich mit der Gola di Gorropu eine der tiefsten Karstschluchten Europas. Mit etwas Glück trifft man hier auf Mufflons und Steinadler.

Korsika: Verlockend zackiger Granit

Verlockend recken sich die Zacken des Bavella-Massivs, den Dolomiten ähnlich, in den blauen Himmel über Korsika. Schon die Autofahrt von Porto Vecchio über die D368 ist ein Erlebnis. Die Strasse schlängelt sich die Hänge des Massif de L'Ospedale mit seinen Korkeichen, Schwarzkiefern und Granitfelsen entlang. In Zonza, dem Bergdorf zu Füssen des Col de Bavella, kann man sich mit Wildschweinschinken, duftendem Brot und Wein für die anstehende Wanderung eindecken.

Nur noch einige Serpentinen und die Passhöhe Col de Bavella ist erreicht. Lariciokiefern umrahmen die hoch aufragenden Felsnadeln und weiten Hochwiesen. Eine Wandertour für Jedermann führt zur spektakulären Felsformation «Trou de la bombe», das Bombenloch. Kletterer zieht es zu den Haken in den Aiguilles de Bavella, den markanten Kletternadeln.

Mallorca: Beste Weit- und Rundblicke

Milde Temperaturen, bezaubernde Blütenpracht, leere Strände: Jetzt bietet die beliebte Baleareninsel ein ganz anderes Bild, als man es aus den Sommerurlauben kennt.

Bunte Felder mit Margeriten, Klatschmohn, wilden Orchideen … Ein Highlight ist das weisse, duftende Blütenmeer der Orangenfelder von Sóller. Nicht weit davon, in Fornalutx in der Serra de Tramuntana, startet die aussichtsreiche Gipfeltour auf den Puig de sa Bassa. Auf alten Karrenwegen wandert man mit Ausblicken auf den höchsten Gipfel Mallorcas, den Puig Major, bis zum Aussichtspunkt Sa Corbatera. Ein schmaler und steiniger Bergpfad führt schliesslich hinauf auf den 819 Meter hohen Gipfel Puig de sa Bassa. Grosses Kino: Das Tal von Sóller, das Meer und das berühmte Tramuntana Gebirge breiten sich aus.

Tipp Numer zwei: Beeindruckende Landschaften und reiches Kulturerbe locken auf der im Februar eröffneten Fernwanderroute GR 226. Sie verbindet in vier Etappen die Gemeinden Manacor, Sant Llorenç des Cardassar, Son Servera, Artà und Capdepera im Osten der Insel.