Future
Wie die Reisebranche die Dekarbonisierung anpackt
Die Climate Week Zurich (CWZ) findet vom 4. bis 9. Mai 2026 zum ersten Mal statt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Zürich in eine zentrale Plattform für Klimaschutz und Innovation zu verwandeln, indem sie Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vernetzt.
Die Woche ist in 12 Themenblöcke unterteilt, die Lösungen für den Alltag und die Wirtschaft aufzeigen sollen. Zu den zentralen Schwerpunkten gehören Netto-Null & Dekarbonisierung, Sustainable Finance, Innovation & Technologie sowie Gesellschaft & Kommunikation. Bei den total 250 Veranstaltungen werden 10'000 Teilnehmende und 244 Partnerorganisationen erwartet.
Die Dekarbonisierung von Gruppenreisen
Am Mittwochabend kam es am EF (Education First) Hauptsitz an der Selnaustrasse zu einer spannenden Veranstaltung mit Reisebezug. «Die Dekarbonisierung von Gruppenreisen: Wo stehen wir auf diesem Weg, und wo liegt das Ziel?», lautete der Titel der Paneldiskussion.
Mit dabei auf dem Podium waren die in der Reisebranche bestens bekannten Martin Fehrlin (Geschäftsführer Imbach Reisen) sowie Pascal Wieser (heute Co-Geschäftsführer MyClimate, ehemals u.a. Kaleidos, Vögele Reisen, Privat Safaris) wie auch Jennie Jouvenaar (Head of Sustainability, EF Education First) und Matts Stenbäck (Senior Sustainability Advisor).
Moderiert von Tim Fairhurst, Director General of ETOA (European tourism association), drehte sich das gut einstündige Gespräch über Wege zur Dekarbonisierung von Gruppenreisen – wie eine Zusammenarbeit in der Reisebranche aussehen kann, welche politischen Massnahmen anstehen und wie der Weg zur Nachhaltigkeit beschleunigt werden kann.
Pascal Wieser räumte ein, dass es der Klimatschutz aktuell nicht ganz einfach habe, angesichts anderer Herausforderungen auf der Welt. Gleichwohl werde weiterhin viel für die Dekarbonsierung getan, «angefangen vom Emissionsausgleich und dem Reduktionsprogramm für die internationale Zivilluftfahrt Corsia bis hin zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG)».
Verlorenes Momentum
Nachhaltigkeitsexperte Matts Stenbäck bedauerte das verlorene Momentum. «Vor der Pandemie waren die Bemühungen der Reiseindustrie intensiver und wahrnehmbarer. Aktuell nimmt dieser Drive aber wieder zu». Erfreulich sei, dass ein gewisser Konkurrenzdruck dafür sorge, dass auch Firmen, die bisher noch wenig fürs Klima getan haben, sich nun verstärkt um Massnahmen bemühen.
«Just do it», warf Martin Fehrlin ein und erläuterte das Vorgehen von Imbach Reisen und der gesamten Twerenbold Reisen Gruppe: «2022 haben wir uns dafür entschieden, gruppenweit den CO2-Klimaschutzbeitrag für jede Reise in den Reisepreis zu inkludieren». Oft geäusserte Bedenken, dass Kunden damit abgeschreckt würden, hätten sich nicht bewahrheitet – «im Gegenteil, Kunden sind froh, wenn fürs Klima etwas getan wird und dies bereits inkludiert ist». 80 Prozent der generierten Mittel fliessen bei Imbach einem Wasserreinigungsprojekt in Uganda zu, 20 Prozent für Sustainable Aviation Fuel bei der Lufthansa Group.
Grösste Herausforderung liegt in der Lieferkette
Dass die Pandemie das Momentum beim Klimaschutz gestoppt hat, erlebte Jennie Jouvenaar, Head of Sustainability, EF Education First, nicht. «Ehrlich gesagt war es bei EF genau umgekehrt» blickt sie zurück. «Wir haben die Corona-Pandemie als Chance genutzt, um uns ganz bewusst auf Nachhaltigkeit zu konzentrieren». Sie habe im März 2021 begonnen, sich vollzeitlich mit diesem Thema zu befassen, und den ersten EF Impact Report veröffentlicht, aus dem sich die Impact-Website entwickelt hat: https://impact.ef.com.
«2025 war natürlich ein turbulentes Jahr für die Nachhaltigkeit, bedingt durch geopolitische Neuausrichtungen und die sich wandelnde Regulierungslandschaft in der EU», fügt sie weiter an. «Aber als privat geführtes Familienunternehmen haben wir uns nie aufgrund von regulatorischem Druck auf diese Themen konzentriert, daher glaube ich, dass dies weniger Einfluss auf unser Engagement hatte.»
«Ich denke, dass die grösste Herausforderung und Chance für Nachhaltigkeit in unserer Branche in der Lieferkette liegt, was eine intensive Zusammenarbeit innerhalb der Branche erfordert. Wir stehen alle vor denselben Herausforderungen und verfügen über dieselben Hebel zur Dekarbonisierung», sagt Jennie Jouvenaar. «Ausserdem agieren wir in einer Zeit enormer geopolitischer Unsicherheit. Deshalb glaube ich, dass Nachhaltigkeit nichts ist, worum wir konkurrieren sollten, sondern etwas, woran wir gemeinsam arbeiten sollten».
Die kurzweilige, animierte Diskussion zeigte spannende Entwicklungen und Vorgehensweisen auf. Und Pascal Wieser sorgte für ein provokatives Schlusswort in Bezug auf das Netto-Null-Ziel 2050. Mit den heutigen Tiefpreisen in der Billigfliegerei sei dieses kaum zu erreichen, «Billigflüge sind kein Menschenrecht, im Gegensatz zu den Menschenrechten auf Gesundheit und auf eine gesunde Umwelt», das Fliegen müsse teurer werden.
(Diesen Artikel haben wir aktualisiert.)