Flug
Je enger das Kostüm, desto grösser das Gehalt
Mitarbeitende der russischen Aeroflot werfen ihrem Arbeitgeber Sexismus vor. Rund 600 Mitarbeiterinnen sollen betroffen sein, zwei davon haben die Airline im Februar dieses Jahres deshalb verklagt. Sie werfen ihrem Arbeitgeber vor, dass Flugbegleiterinnen, die älter als 40 Jahre alt sind und/oder mehr als eine europäische Grösse 42 tragen, nur noch auf den schlechter bezahlten Inlandsflügen eingesetzt werden.
Laut einer der Klägerinnen soll die Airline seit letztem Sommer sogar alle Flugbegleiterinnen vermessen, fotografieren und teilweise wiegen. Dieses Prozedere sei unter dem Vorwand einer neuen Marketingstrategie und der Bestellung neuer Uniformen durchgeführt worden – in der Folge seien aber dann systematisch ältere und rundlichere Flight Attendants von den Auslandsflugplänen gestrichen worden sein. Aeroflot bezeichnete die Diskriminierungsvorwürfe als haltlos.
An einer Pressekonferenz in Moskau haben nun aber Vertreter der Airline die umstrittene Praxis erstmals indirekt bestätigt. Einer sagte, dass 92 Prozent der Passagiere gemäss einer Umfrage gerne Flight Attendants in gut sitzender Kleidung sehen wolle. Ein anderer Vertreter soll gesagt haben, dass das Unternehmen um die Gesundheit der Angestellten besorgt sei und sich die Mitarbeiterinnen freuen sollen, da das niedrige Einkommen ein Anreiz zum Abnehmen sei. Ausserdem verstehe er nicht, was das Problem sei, wenn man eine bestimmte Kleidergrösse fordere. Er selber habe schliesslich auch erst kürzlich problemlos über 20 Kilogramm abgespeckt. Aeroflot selber krebste sofort zurück und gab an, dass die Vertreter auf eigene Initiative der Pressekonferenz beigewohnt und lediglich ihre persönliche Meinung geäussert hätten.
Bezahlt wird nach Flugstunden
Schuld an der Misere soll eine im letzten Jahr erfolgte Asien-Reise von Witali Saweljew, Generaldirektor von Aeroflot, sein: Die Anmut der dortigen Flugbegleiterinnen soll ihn so tief beeindruckt haben, dass er sofort die umstrittenen Regelungen bei Aeroflot einführte. Diese sind laut den Flugbegleiterinnen zwar nirgendwo niedergeschrieben, aber würden dennoch hart umgesetzt werden. Laut russischem Arbeitsrecht darf niemand wegen seines Aussehens oder aufgrund des Alters im Beruf diskriminiert werden.
Die Bezahlung der Flugbegleiterinnen richtet sich bei Aeroflot nach der Anzahl Flugstunden – auf Inlandflügen würden auch Zuschläge wegfallen, weshalb die Inlandflüge weniger lukrativ seien.