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Ob Botswana, Namibia oder Südafrika: Auf geführten Game Drives erleben Reisende die faszinierende Tierwelt des südlichen Afrikas hautnah. Bild: Adobe Stock

Tipps für Safari-Neulinge: Weite, Wein und wilde Tiere

Christian Haas

Wer noch nie in Namibia, Botswana oder Südafrika war, hat vor der Safari-Premiere meist viele Fragen. Wo lassen sich die Big Five blicken? Wie steht es um die Sicherheit? Und warum sind die Reisemonate Juni bis September so beliebt? Wir geben Antworten.

Eigentlich verbietet es sich ja, das Südliche Afrika, zu dem laut UN-Definition neben den touristischen Dauerlieblingen Südafrika, Namibia und Botswana auch die Mini-Staaten Eswatini und Lesotho gehören, über einen Kamm zu scheren. Zu gross ist die Region, zu vielseitig sind Klima, Kulturen und Kulissen. Und doch bestehen Gemeinsamkeiten, von der englischen Amtssprache bis hin zu einer Tierwelt, die sich in weiten Teilen ähnelt – und den Hauptgrund darstellt, warum (wieder) mehr Urlauber in diese Region reisen.

Rund zwölf Millionen ausländische Gäste kamen 2024, die Tendenz war auch 2025 weiter steigend. Kein Wunder, nirgendwo sonst lassen sich, von Kenia und Tansania abgesehen, derart viele und grosse Tieren beobachten wie hier. Impalas, Giraffen, Zebras, Gnus und Co. begegnet man quasi ständig, insbesondere in so berühmten Arealen wie dem Kruger-Nationalpark in Südafrika, dem Etosha-Nationalpark in Namibia sowie dem Okavangodelta in Botswana, wo praktisch die komplette Tierwelt des Südlichen Afrikas wohnt.

Mit 20.000 Quadratkilometern gehört das riesige Binnendelta zur 2012 initiierten Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (Kaza). Vereinfacht gesagt entsteht das grösste Schutzgebiet der Erde, etwa zwölf Mal so gross wie die Schweiz, durch den grossflächigen Abbau von Zäunen und die Verbindung bestehender Naturreservate in Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Ein grenzenloses Spektakel!

Wie unterscheiden sich die Reiseziele?

Klar kann man auf seiner Reise durchs Südliche Afrika mehrere Länder kombinieren, wobei vor allem beim ersten Mal eines reicht. Nur welches? Das ist freilich Geschmackssache. Südafrika als grösstes und einwohnerstärkstes Land der Region verzeichnet vermutlich auch deshalb die meisten Touristen, da sich zu den Naturerlebnissen in den 25 Nationalparks noch andere Aspekte gesellen: viele Bade- und Wassersportaktivitäten insbesondere im Osten, Wandermöglichkeiten in den Drakensbergen, Kulturhighlights in Grossstädten wie Kapstadt, Durban und Johannesburg.

Das Okavangodelta in Botswana ist das grösste Binnendelta der Welt und zählt zu den spektakulärsten Naturlandschaften Afrikas. Bild: Adobe Stock

In diesen Bereichen müssen die Nachbarn eindeutig Abstriche machen, dafür punktet insbesondere das extrem dünn besiedelte Namibia mit einer noch grösseren Tiervielfalt und weiten, fabelhaften Landschaften wie etwa der Namib-Wüste, den Naukluftbergen und grossen Salzpfannen. Im generell sehr flachen Botswana sind diese noch häufiger anzutreffen. Die dortige Kalahari, Vorzeigesavanne und Heimat der wunderschönen Oryx, reicht indessen auch weit nach Namibia und Südafrika hinein.

Eine Besonderheit Botswanas ist noch, dass Wildtiere prinzipiell überall anzutreffen sind, auch auf der Strasse und in Orten ausserhalb von Parks. Das gilt insbesondere für die hier stark vertretenen Elefanten, Teil der legendären Big Five. Wer alle fünf, also auch Löwe, Leopard, Büffel und Nashorn geballt antreffen will, hat gute Chancen im Moremi oder in Pilanesberg in Südafrika.

Was erwartet Reisende?

Abgesehen von einer Flower Safari, die etwa im ungemein pflanzenreichen Grootbos Private Nature Reserve angeboten wird, dreht sich auf einer Safari alles um Tiersichtungen. Sie bestimmen den Rhythmus der Reise. Das schliesst von Haus aus grosse Unterkünfte aus. Unter Entertainment versteht man in den Lodges und auf den Campingplätzen ohnehin in der Regel Lagerfeuer, Weingenuss (insbesondere Südafrika bringt grossartige Tropfen hervor) und den Blick aufs Wasserloch.

Musikbeschallung ist Mangelware, um zehn Uhr abends meist Zapfenstreich. Um die Mittagshitze zu vermeiden, finden Aktivitäten eben schon früh am Tag statt, und dann wieder am späteren Nachmittag. Das betrifft vor allem die Game Drives, sprich Pirschfahrten, bei denen mit Pkws oder offenen Jeeps herumgecruist wird. Mal findet der Guide einen dösenden Leopard oder ein Spitzmaulnashorn (Jackpot!), selten «nur» ein paar Strausse oder Springböcke. Was fast garantiert werden kann: ein fantastischer Sternenhimmel. Namibia wurde von der International Dark Sky Association gar mit dem Goldstatus für beste Bedingungen geadelt.

Für wen ist diese Art Urlaub geeignet?

Natur statt Kultur, Ruhe statt Party: Dieses Konzept spricht vor allem Paare und kleine Gruppen an (und ja, auch Jagdtouristen), die sich derartige Reisen auch leisten können – eine zweiwöchige Rundreise kostet ohne Flug ab 3000 Franken pro Person. Zwar sind Familien mit Kindern prinzipiell sehr willkommen, doch wer viel vom Land sehen will, legt weite Distanzen zurück – Gift für den quirligen Nachwuchs.

Die Düne Big Daddy im Sossusvlei gehört mit rund 325 Metern zu den höchsten Sanddünen der Welt und ist eines der Wahrzeichen Namibias. Bild. Adobe Stock

Zumal auch bei den Game Drives Sitzfleisch gefragt ist. Bis auf kurze Pausen ist das Aussteigen in Nationalparks nämlich meist streng verboten. Dieses Setting kann auch bewegungsliebende Erwachsene stressen. Abhilfe schaffen einige Lodges und Reiseveranstalter mit verstärktem Bike- und Wanderangebot. Der Wanderspezialist Hauser Exkursionen etwa baut in sein Programm explizit längere Touren zu Fuss ein.

Was sind die Vorteile gegenüber anderen Fernreisezielen?

Im Südlichen Afrika herrscht höchstens eine Stunde Zeitverschiebung gegenüber Deutschland. Das erleichtert das Ankommen ebenso wie das Englische, das in allen drei Ländern als Amtssprache fungiert. In Namibia sprechen manche sogar Deutsch. Die koloniale Vergangenheit macht sich auch auf Land- und Speisekarten bemerkbar. Orte wie Mariental und Hohenstein findet man ebenso wie Spätzle und Schwarzwälder Kirschtorte. Dass jemand gar nicht mit dem (sehr fleischlastigen) Essen zurechtkommt, hört man aber kaum – dafür viel Lob für die allgemein gute touristische Infrastruktur.

Wie steht es um die Sicherheit?

Grusellektüre gefällig? Einfach die Kriminalitäts-Rubriken des deutschen Auswärtigen Amtes oder des Eidgenössischen Departments für auswärtige Angelegenheiten studieren. Das gilt für viele Ziele weltweit, doch die Einträge bei Südafrika sind extralang. Deswegen das Land zu meiden, wäre völlig übertrieben, nicht jedoch eine besondere Vorsicht, vor allem in Grossstädten und insbesondere in und um Johannesburg.

Khayelitsha ist eines der grössten Townships Südafrikas und liegt am Stadtrand von Kapstadt. Aus Sicherheitsgründen sollten Besuche nur mit einem Guide erfolgen. Bild: Adobe Stock

In der Dämmerung oder gar im Dunkeln zu Fuss unterwegs sein? Nie eine gute Idee, ebenso wenig wie ohne Guides durch Townships zu fahren, sich am Geldautomaten «beraten» zu lassen oder seine Kreditkarte aus der Hand zu geben. Generell sollte man in der Stadt auf auffällige Touri-Insignien wie XXL-Handtaschen, Kameras und Rucksäcke verzichten. Ausserhalb der Ballungsgebiete geht es gleich viel entspannter zu, also in Namibia und Botswana quasi überall. Das belegt auch die Travel Risk Map 2025, wo die beiden Staaten dasselbe Sicherheitslevel wie Deutschland geniessen. Südafrika wird eine Stufe schlechter bewertet, die Schweiz eine Stufe besser (von insgesamt fünf).

Was gilt es in puncto Gesundheit zu beachten?

Impfvorschriften gibt es keine, höchstens Empfehlungen, insbesondere gegen Hepatitis A. Noch besser: Bis auf den Nordosten besteht in Südafrika so gut wie keine Malariagefahr, was auch für den Grossteil Namibias gilt. Erst im Norden und Nordosten, etwa im tropischen Caprivi-Streifen, beginnt das Malaria-Hochrisikogebiet, das sich dann auch über den Grossteil Botswanas erstreckt. Die Vermeidung von Mückenstichen hat dort oberste Priorität, was durch Moskitonetze, Tragen langer Kleidung in der (ohnehin kurzen) Dämmerung und die Verwendung von Mückenschutzmitteln gelingt. Zur Sicherheit helfen die mittlerweile gut verträglichen Prophylaxe-Tabletten à la Malarone.

Wie kommt man unter?

Mit dem Dachzelt von Campingplatz zu Campingplatz verspricht ein rustikales und abenteuerliches Reisen, das vor Ort günstig ist, aber die idealerweise frühzeitige Buchung eines nicht ganz billigen Mobils voraussetzt. Mehr Komfort bieten Lodges, Gästefarmen und BnBs, die es in grosser Zahl gibt. Variante Nummer drei, im ohnehin teureren Botswana stark vertreten, stellen Luxuslodges und private Wildreservate dar.

Lodges bieten in Südafrika, Namibia und Botswana oft spektakuläre Ausblicke – wie hier in den Drakensbergen in Südafrika. Bild: Adobe Stock

Wichtiger aber ist die Frage: Selbstfahrer, sprich Eigenorganisation, oder Gruppenreise, bei der Programm und Tourverlauf festgelegt sind? Dazu muss man wissen: Die meisten Reiseveranstalter haben deutschsprachige Guides und eine maximale Gruppenstärke von zwölf Personen, einige bieten auch Hybride an. Bei den organisierten Selbstfahrerrouten sind die Gäste individuell mit dem Mietwagen unterwegs, aber auf einer ausgeklügelten Route, bei der die Übernachtungen vorab reserviert sind. Einmal die Reise gebucht, alles geklärt. Gut zu wissen: In allen drei Ländern herrscht Linksverkehr und es bedarf eines internationalen Führerscheins.

Wann ist die ideale Reisezeit?

Die Staaten des Südlichen Afrikas sind Ganzjahresdestination mit viel Sonne und überwiegend warmen bis heissen Temperaturen. In Südafrika kann es im europäischen Sommer, vor Ort als Winter bezeichnet, schon mal frischer, morgens und abends gar kalt werden. Als Hauptsaison gilt dort die Zeit ab Oktober, in Namibia und Botswana jedoch von Juni bis September, wenn es mit 20 bis 30 Grad nicht ganz so heiss ist. Aufgrund der Trockenheit sind dann auch die Wasserstellen meist gut besucht. Und noch ein Plus bietet dann Botswana: Im Juli und August verzeichnet das Okavangodelta am meisten Wasser – und damit einhergehend das höchste Tier- und Pflanzenreichtum.

Weitere Informationen: southafrica.net, namibia-tourism.com, botswanatourism.co.bw