Ferienland Schweiz
So bewertet Schweiz Tourismus das Juni-Minus
Nachdem das Jahr 2026 in den ersten beiden Monaten noch vielversprechend an die historischen Höchstwerte des Vorjahres anknüpfen konnte, hat sich das Blatt seit dem Frühjahr gewendet. Auch der Juni, der traditionell den Auftakt der Sommersaison markiert, bringt ernüchternde Zahlen.
Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Mittwoch mitteilte, sank die Zahl der Logiernächte im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um insgesamt 2,4 Prozent. Die Ursache für dieses Minus ist schnell ausgemacht: Es ist primär die schwächere Nachfrage aus dem Ausland. Während die einheimischen Gäste mit einem minimalen Rückgang von 0,1 Prozent der Hotellerie nahezu die Treue hielten, brachen die Logiernächte bei den ausländischen Besuchern um deutliche 4,4 Prozent ein. Aus Sicht von Schweiz Tourismus (ST) kommt die aktuelle Entwicklung indes wenig überraschend. Der Juni war weiterhin stark von der geopolitischen Grosswetterlage überschattet.
Europa bleibt der Fels in der Brandung
Die Nachfrage aus den meisten europäischen Märkten – allen voran Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich und die skandinavischen Länder – präsentiert sich stabil. Einzig in den Benelux-Staaten dämpfen Inflation, Preissteigerungen und Unsicherheiten die Buchungsfreude.
Asien schwächelt spürbar: In China dämpfen stark gestiegene Reisekosten die Erwartungen für den Sommer erheblich. Auch in Südkorea hat sich das Tempo bei den Neubuchungen für den Spätsommer drastisch verlangsamt, wenngleich bestehende Buchungen für den Hochsommer meist bestätigt werden. Trotz der regionalen Spannungen hält sich die Nachfrage aus Saudi-Arabien derzeit auf Vorjahresniveau. Aus den übrigen Golfstaaten (GCC) ist das Buchungsvolumen zuletzt jedoch drastisch eingebrochen.
In Nordamerika wird dieses Jahr deutlich kurzfristiger gebucht als gewohnt. Das margenstarke Premiumsegment in den USA zeigt sich jedoch weiterhin krisenresistent. Sehr positiv präsentieren sich zudem die Aussichten für den Markt Brasilien.
Resilienz durch Diversifizierung
Trotz der Delle im ersten Halbjahr zeigt sich, dass die strategische Neuausrichtung des Schweizer Tourismus Früchte trägt. Man ist den Krisen nicht mehr schutzlos ausgeliefert.
«Die Schweizer Tourismusbranche hat sich wegen der gehäuften Krisen der vergangenen Jahre resilienter denn je aufgestellt», erklärt Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus.
«Dazu beigetragen haben die zunehmende Diversifizierung der Herkunftsmärkte – unterstützt durch das breite internationale Niederlassungsnetz von Schweiz Tourismus – sowie die konsequente Umsetzung der Travel-Better-Strategie. Diese stärkt den Ganzjahrestourismus, die Nachhaltigkeit und die Tourismusakzeptanz, lenkt die Gästeströme gezielt und trägt zur Verlängerung der Aufenthaltsdauer bei.»
Statt auf reines Mengenwachstum setzt die Branche vermehrt auf Qualität, längere Verweildauern und eine breitere Verteilung der Gäste über das ganze Jahr und alle Regionen hinweg. Diese Strategie schützt die Schweizer Hoteliers zwar nicht vor globalen Wirtschaftskrisen oder geopolitischen Konflikten, fängt die Ausschläge nach unten jedoch spürbar ab. Der Schweizer Tourismus geht somit zwar gefordert, aber mit einem robusten Fundament in die zweite Hälfte des Sommers 2026.