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Berlin kriegt wieder eine Mauer
Berlin-Fans, aufgepasst: Die deutsche Bundeshauptstadt wird, zumindest temporär, wieder eine «Berliner Mauer» erhalten. Wie das? Es geht um das Kunstprojekt DAU, welches gestern vorgestellt wurde. Dieses sieht vor, dass zwischen dem 12. Oktober und dem 9. November 2018 ein Areal entlang der Berliner Prachtstrasse Unter den Linden inklusive der Staatsoper, der Bauakademie und dem Schinkelplatz «eingemauert» wird – mit einem künstlichen Schutzwall aus Beton. Für den Zutritt in dieses abgeriegelte Areal braucht es ein Visum, welches für 15 Euro gekauft werden kann. Darüber hinaus muss man sein Handy abgeben und erhält im Gegenzug ein Smartphone, welche Informationen zu Performances, Ausstellungen und Konzerte gibt. Denn dazu gibt es sonst keine Informationen im Vorfeld.
Klar ist nur, dass innerhalb der Mauern nicht irgendeine romantisierte DDR gezeigt wird, sondern Auftritte etwa von Performance-Künstlerin Marina Abramovic oder Filmemacher Tom Tykwer, dazu Kunstwerke von Banksy sowie Filme des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky, der auch Initiant des Projekts ist. Diese Filme wurden in der Ukraine gedreht, wo Khrzhanovsky im Rahmen eines ähnlichen Projekts eine Stadt kreierte, in welcher der Stalinismus nachempfunden wurde. Darüber hinaus wird es Aussichtsplattformen geben, von wo aus man nach Westberlin sehen kann – eine Umkehrung der früheren Plattformen in Westberlin, von wo aus man nach Ostberlin gaffen konnte.
Die Idee bei DAU: Besucher sollen immersiv in eine Diktatur eintauchen können. Deshalb die Mauer, welche bekanntlich Berlin von 1961 bis 1989 in Ost und West bzw. in zwei Weltanschauungen trennte. Das Kunstwerk mitsamt den Auftritten und Filmen soll beklemmend wirken und zum Nachdenken anregen. Dass die Performance am 9. Oktober endet, ist übrigens auch kein Zufall: An jenem Datum vor 29 Jahren fiel die Berliner Mauer. Bei DAU wird dann auch die Mauer eingerissen.
Die Initanten hoffen auf bis zu 3000 Besucher pro Tag. Aber Achtung: Die letzten Genehmigungen der Stadt Berlin stehen noch aus. Es ist aber davon auszugehen, dass das Projekt durchgeführt werden kann, zumal DAU auch in Paris und London – dort aber ohne Mauer – gezeigt werden soll.