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Erich Gysling befürchtet weitere Anschläge

Gregor Waser

Der Nahostexperte schätzt die Sicherheitslage gegenüber travelnews.ch ein. Die Schweizer Reisebranche reagiert kulant bei Paris-Reisenden. Sicherheitsmassnahmen an verschiedenen Flughäfen verschärft.

Die Nachricht von der Terrorattacken erreichte die rund 150 Vertreter der Schweizer Reisebranche in Abu Dhabi, wo der Schweizer Reise-Verband (SRV) seit Mittwoch die 88. Generalversammlung durchführte. Als Gastreferent weilte auch Nahostexperte Erich Gysling im Emirat. Gegenüber travelnews.ch äusserte er sich zu den Anschlägen: "Ich bin entsetzt gewesen, als ich das ganz früh am Morgen gelesen habe. Meine Befürchtung ist, dass das nicht das Ende ist, es kann nochmals etwas passieren."

Auf der anderen Seite könne man hoffen, sagt Gysling, dass die Sicherheitsmassnahmen wieder verstärkt werden: "Nur: wo passiert etwas? Wir wissen das schlicht und einfach nicht. Es sieht so aus, dass Frankreich gezielt ausgewählt wurde, weil Frankreich seit längerer Zeit an den Attacken gegen IS und Al-Kaida innerhalb Syrien beteiligt ist. Möglicherweise ist auch das russische Flugzeug gezielt ausgewählt worden." Gysling geht davon aus, dass die, die sich im Kampf engagieren, im Visier stehen. Neben Russland und Frankreich seien dies die USA, Grossbritannien würde sich lediglich logistisch beteiligen.

Um 150 Schweizer Touristen, die während den Anschlägen in Paris weilten, sind via Railtour-Frantour gebucht. Mike Jakob, Key Account Manager beim Städtereisenspezialisten sagt: "84 Dossiers sind betroffen. Die meisten Passagiere konnten wir am Samstagmorgen erreichen und sie bei der Organisation einer frühzeitigen Heimreise unterstützen. Das öffentliche Leben findet nicht mehr statt, Cafés, Museen oder das Disneyland sind vorerst geschlossen." Die Anschläge von Paris seien eine Katastophe, das Ausmass sei tragisch, sagt Jakob. Im Moment weile — etwa im Vergleich zu Ostern — nur eine kleine Zahl von Schweizer Touristen in Paris.

Andy Keller, Leiter Tourismus bei Allianz Global Assistance, sagt: "Viele Anfragen haben wir nicht, Im November ist Nebensaison in Paris. Das EDA habe das Wording zwar leicht verschärft, rate aber nicht von Paris-Reisen ab. Entsprechend würden wir bei Annullationen die Kosten nicht übernehmen. Aber in diesem Fall haben wir zusammen mit den Veranstaltern entschieden, dass alle Abreisen bis am Montag gratis annulliert werden können." Am Montag sässen sie nochmals zusammen. Keller geht davon aus, dass die Frist verlängert wird, schliesslich sei nun bis am Dienstag Staatstrauer in Frankreich und in Paris vieles geschlossen. "Bisher hatten wir 30 Anfragen bezüglich Annullierungen", sagt Keller. Er schätzt, dass rund 80 Prozent der Schweizer Städtereisenden über eine Annullationskostenversicherung verfügen — 50 Prozent über eine Jahresversicherung, weitere 30 Prozent schliessen kurzfristig ein Versicherung ab.

Hotelplan-Suisse-CEO Kurt Eberhard sagt: "Wir sind tief betroffen über die Anschläge in Paris." Und auf die Auswirkungen angesprochen, sagt er: "Es könne schon sein, dass die Verunsicherung für Städtereisen wächst. Ich hoffe es nicht, aber es ist zu befürchten. Es ist ja nicht der erste Zwischenfall, das kann die Gedanken bei den Leuten schon nachhaltig prägen."

Sicherheitsmassnahmen auf Flughäfen verschärft

Von den Terrorangriffen war auch der Flugverkehr ab Paris zwischenzeitlich betroffen. Am Freitagabend wurde der Flughafen Paris Orly geschlossen und alle Flüge annulliert. Auf dem Flughafen Charles de Gaulle kam es zu Verspätungen. Auf beiden Flughäfen wurden die Sicherheitsmassnahmen erhöht und für alle Flüge Grenzkontrollen eingeführt. Erschwert wurde vor allem auch die Anreise zu den Flughäfen, weil mehrere Metro-Stationen nicht bedient wurden.

Zu spüren waren die Folgen der Attacken aber nicht nur in Paris selbst. Auf mehreren Flughäfen wurde umgehend die Alarmbereitschaft erhöht. Auf dem Londoner Flughafen Gatwick ist am Samstag ein Franzose, der eine Waffe bei sich trug, festgenommen worden. Ein weiterer Mann, der ein verdächtigen Koffer abstellt hatte, wurde ebenfalls Polizeigewahrsam genommen.

In Amsterdam Schiphol wurde zudem ein Flugzeug mit Ziel Paris evakuiert, weil auf Twitter eine Drohung aufgetaucht war.