Destinationen

Frankreichs Trümpfe: Bordeaux, Korsika und die Fussball-EM

Gregor Waser

Das Reiseland Frankreich zählt weiterhin auf eine grosse Nachfrage aus der Schweiz. Atout France Schweiz-Direktor Emmanuel Marcinkowski hofft auf ein Plus von 5 Prozent in seinem letzten Jahr in Zürich.

Frankreich gehört zusammen mit Deutschland zum beliebtesten Reiseland für Schweizerinnen und Schweizer. Auch aus französischer Sicht hat die Schweiz eine grosse Bedeutung: die Schweiz als fünftgrösster Quellmarkt beschert Frankreich 6,5 Millionen Gäste. Bezüglich den 32 Millionen Übernachtungen rangiert die Schweiz auf dem sechsten Platz. Und was die Ausgaben betrifft — Schweizer geben in Frankreich 3,8 Milliarden Euro im Jahr aus — liegt die Schweiz sogar auf dem 4. Rang.  Das sich die Rangierungen beim Übernachtungs- und Ausgaben-Ranking unterscheiden, liegt daran, dass Frankreich eben auch auf viele Tagesgäste aus der Schweiz zählen kann.

Vier Monate nach den Anschlägen von Paris, sagt Emmanuel Marcinkowski, der Schweiz-Direktor von Atout France in Zürich: „Die Ereignisse haben Frankreich zunächst einen Rückgang bei den Übernachtungen von 15 bis 20 Prozent beschert“. Entsprechend schwierig sei nun eine Prognose fürs laufende Jahr. „Doch ich bin optimistisch und rechne mit einem Plus von fünf Prozent in diesem Jahr“. Und er zeigt sich froh darüber, dass wenige Tage nach den Anschlägen die UN-Klimakonferenz mit mehreren tausend Besuchern reibungslos durchgeführt werden konnte.

Paris dürfte auch in diesem Jahr bei Schweizern das Top-Ziel in Frankreich sein. Eine grosse Nachfrage registriert Marcinkowski bei Korsika und Aquitanien, der südwestlichsten Region Frankreichs, aus der er selber stammt. „Wir begrüssen die verbesserte Anbindung von Bordeaux mit Flügen ab Zürich und Genf“, sagt er und bald käme auch noch eine neue, schnellere TGV-Verbindung Paris-Bordeaux hinzu, von der auch Schweizer profitieren.

Erlebniswelt für Weinliebhaber

Ein Highlight in Aquitanien in diesem Jahr ist die Eröffnung eines Universums, das sich ganz dem Wein widmet: La Cité du Vin. Ab Anfang Juni wird das Museum, das eine eigentlice  Erlebniswelt ist, zu einer der wichtigsten touristischen Hauptattraktionen von Bordeaux avancieren.

Korsika wiederum ist zum sicheren Wert geworden, mit einer anhaltend guten Nachfrage aus der Schweiz. Interessant für Deutschschweizer sind die von Rhomberg Reisen und Germania durchgeführten Direktflüge ab Zürich und Bern nach Calvi. Und Korsika kann bei Familien und Aktivsportlern genauso punkte, wie bei einem jüngeren Publikum: zum Beispiel mit dem Festival Calvi on the Rocks, das vom 8. bis 13. Juli mit Elektro-Beats aufwartet.

Als Dauerbrenner bei Schweizer Gästen nennt Emmanuel Marcinkowski die Bretagne. Und als zunehmend beliebte Destination erwähnt er neben Bordeaux auch Marseille: „Die Stadt wird in kultureller Hinsicht immer interessanter und wartet auch mit einer verbesserten Verkehrsinfrastruktur auf — die umliegende Landschaft mit den Bergen und dem Meer ist ohnehin einmalig.“

Auf die Fussball-Europameisterschaft angesprochen, die vom 10. Juni bis 10. Juli stattfindet, sagt der Atout-France-Direktor: „Die EM ist gut für unseren Tourismus, sie bringt Frankreich, insbesondere auch den weniger bekannten Städten, viel Aufmerksamkeit“. Die Schweiz spielt ihre Vorrdundenspiele übrigens in Lens, Lille und Paris.

Von Zürich aus betreut Atout France die ganze Schweiz, mit einem starken Fokus aufs Publikum, aber auch der Trade ist gross geschrieben. In den einzelnen Kampagnen von Atout France sind Veranstalter oder Transport-Anbieter involviert. Neben der Organisation von Presse- und Studienreisen betreut das Büro auch Medien- und Plakat-Kampagnen, Online-Aktivitäten oder Events, etwa ein Treffen mit Wellness-Partnern in Lausanne oder das Golf-Turnier in Crans-Montana, bei dem Atout France mit vier französischen Destinationen zusammen präsent sein wird. Seit einigen Jahren nicht mehr dabei ist die französische Zentrale für Tourismus an den Schweizer Ferienmessen, der Entscheid sei aus strategischen Gründen am Head-Office in Paris gefallen.

Noch gut eineinhalb Jahre wird Emmanuel Marcinkowskis Engagement in Zürich dauern. Er steht in seinem fünften Amtsjahr und sagt: „In der Regel ist nach sechs Jahren ein Standort-Wechsel vorgesehen“. Wohin es ihn 2017 ziehen wird, werde erst im Herbst bekannt. Vorerst hat er noch ein spannendes Jahr vor sich, um die Gunst der Destination Frankreich bei Schweizer Reisenden weiterhin hoch zu halten.

Weitere Infos: www.france.fr