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Das freie Bereisen der Welt bleibt vorerst wohl noch eher ein Scrabble-Thema als Realität. Bild: Priscilla du Preez

Einwurf «CH+60» löst die Probleme der Branche noch nicht

Heute Nachmittag informiert der Bundesrat über weitere Massnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Eine davon dürfte die Erstellung der Risikoländerliste betreffen - wäre aber auch noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Am vergangenen Freitag blieb die neue Version der «Risikoländerliste» des Bundesamts für Gesundheit (BAG) erstmals seit mehreren Wochen aus. Diesmal aber nicht besonders überraschend: Da aufgrund der massiv gestiegenen Corona-Fallzahlen in der Schweiz der Bundesrat für heute Mittwoch (28. Oktober) neue Massnahmen in den Raum stellte und Bundesrat Alain Berset schon zuvor angedeutet hatte, dass die BAG-Liste in dieser Form angesichts der neuen Situation wenig Sinn macht, wurde deutlich, dass das BAG wohl auch bis heute Mittwoch mit der Publikation einer neuen Liste - sofern es denn überhaupt noch eine gibt - zuwartet.

Inzwischen hat der «Blick» Wind davon bekommen, wie der konkrete Vorschlag von Berset für Reisen in Risikogebiete aussieht: Konkret soll der Grenzwert zur Bestimmung von Risikogebieten angepasst werden. Bisher mussten Personen, die aus Ländern zurückkehrten, welche mehr als 60 Corona-Fälle auf 100'000 Einwohner innert 14 Tagen verzeichnen, in Quarantäne. Der Wert war vor einigen Monaten im Vergleich zu anderen Ländern gar relativ hoch angesiedelt. Inzwischen überschreitet die Schweiz selber diesen Grenzwert seit Mitte September um ein Vielfaches. Der Vorschlag von Berset lautet nun, dass künftig nur jene Gebiete auf der Risikoliste landen, deren 14-Tage-Wert pro 100'000 Einwohner um 60 höher liegt als jener der Schweiz. Die neue Formel würde demnach lauten «CH+60».

Bereits frohlocken einige Reiseunternehmer in sozialen Medien. Denn klar: Angesichts dessen, dass die Schweiz bei dieser Inzidenz sich mittlerweile im 600er-Bereich bewegt und damit weltweit zu den am meisten betroffenen Staaten zählt, gibt es nur noch wenige Länder, welche somit auf einer neuen Risikoländerliste landen würden. Nach aktuellem Stand wären das allenfalls noch die Benelux-Staaten sowie einige osteuropäische Länder und ganz wenige Überseeziele.

Freie Fahrt also für reisehungrige Schweizer? Mitnichten. Zum einen dürfte es mittlerweile so sein, dass immer mehr Staaten keine Schweizer mehr wollen, also dass die Schweiz auf deren Risikoländerlisten liegen und somit Reisende aus der Schweiz bzw. eigene Rückkehrende von Reisen in die Schweiz mit Einreiseverboten oder einer Quarantänepflicht belegt werden. Deutschland hat ja bereits vorgemacht, wie das geht. Zum anderen bietet diese Lösung auch keine langfristige Planungssicherheit. Denn die Werte in der Schweiz wie auch in anderen Ländern verändern sich ständig. Will heissen, dass man weiterhin dem rund zweiwöchigen Rhythmus einer sich verändernden Liste unterliegen würde. Das verunmöglicht die Planung von Reisen über einen relativ kurzfristigen Horizont hinaus ungemein. Das Damoklesschwert der Quarantäne und damit verbunden grosse Unsicherheit bei Reisenden bliebe bestehen.

In wenigen Stunden werden wir mehr wissen. Wir hoffen weiterhin, dass es künftig Lösungen mit Tests gibt statt einer, wenn auch etwas anders gearteten, Quarantänepflicht.    

(JCR)