Trips & Travellers
Tested Delfintour vor Mallorca – Warum der Ausflug anders war als erwartet
Reto SuterIn den touristischen Regionen Mallorcas buhlen längst nicht mehr nur Hotels, Restaurants oder Mietwagenfirmen um Feriengäste. Auch der Markt für Ausflüge boomt. Jeep-Safaris, Heissluftballonfahrten, Weinverkostungen oder Katamaran-Touren: Die Auswahl scheint jedes Jahr grösser zu werden.
Auch wir möchten unseren klassischen Familien-Strandferien in Paguera etwas Abwechslung verleihen. Ein kompletter Tagesausflug kommt bei Temperaturen von fast 40 Grad allerdings nicht infrage. Gesucht ist etwas Kürzeres, das wir so noch nie erlebt haben.
Auf dem Boulevard von Paguera dauert es nicht lange, bis wir in Gespräche mit verschiedenen Anbietern verwickelt sind. Jeder verspricht das besondere Erlebnis, jeder wirbt mit den schönsten Bildern und den besten Argumenten. Für meine Frau, unsere beiden Kinder (11 und 14 Jahre) und mich steht bald fest: Es soll aufs Wasser gehen. Nur wohin?
Die Wahl fällt schliesslich auf eine knapp zweistündige Delfinbeobachtung. Der Preis: 125 Euro für die ganze Familie. Kein Schnäppchen, aber für ein mögliches Highlight der Ferien durchaus vertretbar.
Natürlich versichert uns der Verkäufer, die Chancen auf Delfine seien sehr hoch. Falls wir keine zu Gesicht bekämen, dürften wir am nächsten Tag kostenlos nochmals mitfahren. Cleveres Marketing, aber noch keine Garantie. Entsprechend bleiben wir skeptisch.
Eine kurze Internetrecherche bestätigt, was viele vermuten: Frühmorgens sind die Chancen auf eine Sichtung am grössten. Also klingelt der Wecker in den Ferien ungewohnt früh. Statt gemütlichem Frühstück gibt es Kaffee und Brötchen im Schnelldurchlauf, damit wir pünktlich um 8 Uhr am Steg stehen.
Zur richtigen Zeit unterwegs
Aufgrund der Hochsaison rechnen wir mit langen Warteschlangen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nach kaum zwei Minuten sind wir bereits an Bord. Rund 35 Passagiere verteilen sich auf dem Schiff. Platz hätte es für deutlich mehr. Die Stimmung ist entspannt, sämtliche Passagiere finden problemlos einen Sitzplatz.
Pünktlich legt das Boot ab. Das Meer ist ruhig, die Morgensonne angenehm und nach rund einer halben Stunde erreichen wir den angeblichen Delfin-Hotspot. Der Guide liefert seine Erklärungen in sechs Sprachen – nicht immer perfekt, dafür charmant und mit einer guten Portion Humor.
Dann geht plötzlich alles ganz schnell. Vor dem Boot taucht der erste Delfin auf. Wenige Sekunden später ein weiterer. «Links! Rechts! Hinter dem Boot!», ruft der Guide. Man weiss kaum, wohin zuerst schauen. Einzelne Tiere gleiten elegant durchs Wasser, kurz darauf erscheint eine Delfinmutter mit ihrem Jungtier. Über dem Boot kreisen Möwen, unter uns spielt sich ein Naturschauspiel ab, das alle Passagiere sofort packt.
Delfinbeobachtungen gelten dann als vertretbar, wenn lizenzierte Anbieter die spanischen Schutzvorschriften einhalten, den Tieren nicht nachstellen und ausreichend Abstand wahren. Das ist hier der Fall.
Besonders angenehm fällt auf, wie rücksichtsvoll die Stimmung an Bord bleibt. Niemand drängelt, niemand versperrt anderen die Sicht. Alle scheinen den Moment gemeinsam geniessen zu wollen. Das eigentliche Highlight folgt allerdings erst wenig später.
Mehrmals springen Delfine vollständig aus dem Wasser – genau so, wie man es aus Naturfilmen kennt. Fast ein bisschen kitschig. Es fehlt eigentlich nur noch der legendäre Soundtrack aus der Fernsehserie «Flipper». Der Guide meint begeistert, einen derart eindrücklichen Morgen habe er auf seinen Touren noch nie erlebt. Ob er diesen Satz häufiger sagt, bleibt offen. Seine Freude wirkt jedenfalls ehrlich.
Entspannt zurück nach Paguera
Nach rund 45 Minuten zwischen den Delfinen nimmt das Boot Kurs zurück auf Paguera. Der Rückweg verläuft ruhig, das Meer glitzert, und die Temperaturen sind selbst noch erstaunlich angenehm.
Als wir wieder im Hafen anlegen, wartet bereits die nächste Gruppe. Vor dem Steg hat sich für die 10-Uhr-Tour eine rund 30 Meter lange Schlange gebildet. Spätestens jetzt sind wir froh, uns für die frühe Abfahrt entschieden zu haben. Weniger Menschen an Bord, angenehmere Temperaturen – und vielleicht tatsächlich etwas bessere Chancen auf Delfine.
Unser Fazit: Der frühe Wecker zahlt sich aus. Dolphin Watching vor Mallorca ist zwar keine günstige Ferienaktivität, bietet aber ein eindrückliches Naturerlebnis, das Gross und Klein in Erinnerung bleibt. Wer die Tour bucht, sollte möglichst die erste Abfahrt des Tages wählen und die Erwartungen realistisch halten. Eine Delfingarantie gibt es nicht. Für uns hat sich der Ausflug jedoch rundum gelohnt.