Trips & Travellers

Walter Kunz, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, äussert sich im «Travel News Talk» zu aktuellen Fragen rund um den Iran-Krieg. Bild: TN

Walter Kunz: «Würden Sie bei einem Sizilien-Konflikt die Skandinavien-Reise absagen?»

Der Iran-Krieg fordert die Ombudsstelle der Schweizer Reisebranche stark. Ombudsman Walter Kunz spricht im aktuellen «Travel News Talk» über Sorgen, Streitfälle und Empfehlungen, bei denen er die Welt nicht mehr versteht.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist Walter Kunz Ombudsman der Schweizer Reisebranche – und derzeit so gefordert wie noch nie. Der Iran-Krieg bringt eine Flut von Anfragen mit sich: Per Ende März 2026 hat die Ombudsstelle bereits weit über 500 Fälle abgeschlossen, im gesamten Jahr 2025 waren es rund 1200.

Entsprechend intensiv ist der Arbeitsalltag geworden, wie auch für viele andere in der Reisebranche. «10-stündige Arbeitstage sind an der Tagesordnung», sagt Kunz in der neusten Ausgabe des «Travel News Talk». Stolz macht ihn dabei, dass die Antwortzeiten der Ombudsstelle trotz der vielen Fälle nach wie vor sehr kurz sind.

Die meisten Anfragen stammen derzeit von verunsicherten Reisenden mit bevorstehenden Ferien. Im Zentrum steht fast immer dieselbe Frage: Unter welchen Bedingungen lässt sich eine Reise kostenlos stornieren? «Das liegt letztlich im Ermessen des Reiseveranstalters oder des Versicherers», erklärt Kunz. Aus Sicht der Ombudsstelle seien Fristen von 10 bis 14 Tagen vor der Abreise zumutbar.

Dass es in der Branche auch problematische Fälle gibt, zeigt ein besonders stossendes Beispiel: «Ein Reiseveranstalter riet einer Kundin kurz nach Kriegsausbruch, einfach zum Flughafen zu fahren und zu schauen, ob das Flugzeug abhebt», erzählt Kunz. «Wenn ja, könne sie reisen – wenn nicht, müsse sie zu Hause bleiben.»

Zwischen Verunsicherung und Verantwortung

Grundsätzlich stellt Kunz fest, dass Reisen seit dem 28. Februar 2026 mit deutlich mehr Sorgen verbunden ist. Selbst Menschen, die gar nicht in die betroffene Region reisen, melden sich verunsichert. In solchen Gesprächen versucht er, die Lage einzuordnen. «Würden Sie bei einem Sizilien-Konflikt die Skandinavien-Reise absagen?», fragt er dann, um die geografische Distanz zwischen Krisenherd und Reiseziel zu verdeutlichen.

Der Branche stellt er im Grossen und Ganzen ein gutes Zeugnis aus. Gerade in der aktuellen Situation sei der Austausch eng und konstruktiv. Gleichzeitig beobachtet er, dass manche Kundinnen und Kunden versuchen, die Ombudsstelle gegen die Reiseveranstalter auszuspielen. Schwierigkeiten bereiten zudem vereinzelt Reisebüros, die Reisen selbst zusammenstellen und als sogenannte Micro-Tour-Operator auftreten. «Die erschrecken dann, wenn sie merken, welche Verantwortung und welches Risiko sie tragen», so Kunz.

Im Podcast spricht der Ombudsman zudem darüber, ob er EDA-Sonderflüge unmittelbar nach Kriegsausbruch begrüsst hätte, warum Reisende ihre Rechte oft überschätzen und ihre Pflichten unterschätzen – und ob er über das bald erreichte Pensionsalter hinaus im Amt bleiben wird.

(RSU)