Services
Gute Frage Welche Stempel im Pass können Probleme verursachen?
Ein voller Reisepass ist für viele Menschen mehr als nur ein Dokument. Er ist ein persönliches Reisetagebuch. Jeder Stempel erzählt von vergangenen Abenteuern, fernen Kulturen und unvergesslichen Momenten.
Was auf den ersten Blick wie eine schöne Erinnerung wirkt, kann bei der nächsten Reise allerdings plötzlich zum Stolperstein werden. Denn nicht jeder Eintrag im Pass ist aus Sicht der Behörden unproblematisch.
Politisch heikle Stempel
Besonders heikel sind Einträge aus Ländern mit angespannten diplomatischen Beziehungen. Ein klassisches Beispiel ist Israel: Wer einen israelischen Stempel im Pass hat, muss damit rechnen, in Ländern wie Iran, Libanon, Syrien oder Kuwait an der Grenze abgewiesen zu werden. Um solche Situationen zu vermeiden, stellen die israelischen Behörden am Flughafen Tel Aviv oft eine separate Einreisekarte («Blue Slip») aus, die nicht im Pass landet.
Auch ein Besuch in Kuba kann Folgen haben. Wer seit dem 12. Januar 2021 nach Kuba gereist ist, kann nicht mehr visumfrei über das ESTA-System in die USA einreisen. Stattdessen ist ein reguläres Visum erforderlich, was den Reiseaufwand deutlich erhöht.
Komplex wird es auch in geopolitisch sensiblen Regionen Europas. Wer etwa über Nordzypern einreist, darf nicht ohne Weiteres in den südlichen, international anerkannten Teil Zyperns weiterreisen. Ein entsprechender Stempel kann zudem bei der Einreise nach Griechenland zu Verzögerungen führen.
Ähnliche Stolpersteine gibt es auf dem Balkan: Wer zuerst in den Kosovo reist und danach auf dem Landweg nach Serbien weiter möchte, kann auf Schwierigkeiten stossen, da Serbien die kosovarische Unabhängigkeit nicht anerkennt.
Auch im Kaukasus und darüber hinaus gelten spezielle Regeln. Die Regionen Abchasien und Südossetien gelten aus Sicht Georgiens als illegal betreten, wenn die Einreise über Russland erfolgt.
Wenn Souvenirs zum Risiko werden
Nicht nur politische Faktoren spielen eine Rolle – auch scheinbar harmlose Erinnerungsstücke können laut «Tages-Anzeiger» problematisch sein. Souvenirstempel, etwa aus Machu Picchu, Ushuaia oder Liechtenstein, sind bei Reisenden beliebt. Doch sie stammen nicht von offiziellen Behörden und können deshalb als unzulässige Einträge gelten.
Einige Länder – darunter die USA, Grossbritannien oder Deutschland – vertreten die Ansicht, dass ein Reisepass ausschliesslich von autorisierten Stellen bearbeitet werden darf. Zusätzliche Stempel können im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Dokument als ungültig eingestuft wird. Auch Fluggesellschaften kontrollieren Pässe genau, da sie bei Problemen am Zielort haften.
Wer auf Reisen also Stempel sammelt, sollte dies mit Bedacht tun. Denn so schön die Erinnerungen im Pass auch sind: Im Zweifel zählt weniger die Geschichte dahinter als die Frage, ob das Dokument den internationalen Einreisebestimmungen entspricht.