Trips & Travellers
Sparhammer soll Brand USA treffen
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: Am Samstag beginnt in Chicago der IPW, die wichtigste US-Tourismusmesse, organisiert von Brand USA und der US Travel Association. Über 5000 Touristikerinnen und Touristiker aus der ganzen Welt werden erwartet.
Und doch dominieren kurz vor Messestart schlechte Nachrichten: Der Senatsausschuss für Handel, Wissenschaft und Verkehr hat einen Antrag eingebracht, das Jahresbudget von Brand USA von 100 Millionen auf nur noch 20 Millionen US-Dollar zu kürzen, wie das Branchenportal «FVW» (Abo) berichtet.
Offiziell begründet wird die Massnahme mit den Bemühungen, das Haushaltsdefizit der USA einzudämmen. Der republikanische Senator Ted Cruz verweist in dem Antrag auf das Ziel, in zehn Jahren über 40 Milliarden Dollar einzusparen. Dabei sollen unter anderem auch «verschwenderische Ausgaben» wie das Tourismusmarketing gestrichen werden.
Reisebranche warnt vor massiven Folgen
Die Reaktionen der US-Reisebranche liessen nicht lange auf sich warten – und sie fallen eindeutig aus. Die US Travel Association zeigte sich «zutiefst besorgt» und warnte vor «erheblichen Auswirkungen auf alle Bereiche der Branche». Man könne es sich schlicht nicht leisten, auf eine starke Tourismusvermarktung zu verzichten: Die Reisebranche in den USA erwirtschafte 2,9 Billionen Dollar pro Jahr (umgerechnet knapp 2,4 Billionen Franken) und sichere über 15 Millionen Arbeitsplätze.
Auch die Travel Tech Association warnt vor einem «gefährlichen Signal» – gerade mit Blick auf kommende Grossereignisse wie die Fussball-Weltmeisterschaft 2026, das 250-Jahr-Jubiläum der Vereinigten Staaten sowie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Die Kürzungen könnten in einem Moment kommen, in dem die USA eigentlich ihre Sichtbarkeit als Reisedestination ausbauen müssten.
Dass die USA derzeit stärker auf Tourismusförderung angewiesen sind denn je, zeigt auch die jüngste Marktentwicklung. Laut Tourism Economics liegt das Inbound-Wachstum im ersten Drittel 2025 deutlich unter den Erwartungen: Statt des ursprünglich prognostizierten Anstiegs um neun Prozent wird nun mit einem Rückgang von fünf Prozent gerechnet.
Brand USA finanziert sich vor allem aus einem Teil der ESTA-Gebühren, die internationale Reisende bei der elektronischen Einreisegenehmigung bezahlen. Ob und wann der Budgetentwurf tatsächlich Gesetzeskraft erlangt, ist derzeit noch offen. Klar ist aber: Der Signalwert – auch in Richtung internationaler Partner – ist bereits jetzt spürbar. Und er könnte sich just zu einem Zeitpunkt entfalten, an dem die USA eigentlich dringend Rückenwind bräuchten.