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Äthiopien fordert Dubai und Doha heraus
Daniel TschudyLängst hat sich die Masse der Geschäftsreisenden und Feriensuchenden daran gewöhnt, bei aussergewöhnlichen Ereignissen zu stoppen, neue Umwege zu finden oder alternative Destinationen anzupeilen. So 2010, als die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull den europäischen Flugverkehr massiv störte, während der Pandemie natürlich auch oder mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges seit vier Jahren. Die Nachfrage ändert sich, und das Angebot passt sich immer schneller wieder an. Wie jetzt eben beim Iran-Konflikt, der die Hubs in Doha, Dubai und Abu Dhabi umfliegen lässt.
Dann bricht der unmittelbare Tourismus ein, mindestens vorübergehend und bis neue Ideen auf den Markt kommen. Dann passt man sich aber an, verschiebt, storniert oder findet eine neue Destination in einer anderen Richtung. Aber es gibt auch viele Reisende, die nach wie vor ihre ursprünglichen Ziele erreichen müssen. Familienangehörige, Geschäftsleute, Künstler, Politiker, usw. Sie müssen ihre Appointments erreichen, über welche Wege auch immer.
Addis Abeba, Afrikas Drehkreuz
Eine noch wenig bekannte Transitdestination drängt sich jetzt – während dem Konflikt im Mittleren Osten – mit sehr viel Energie auf den globalen Flugmarkt: Addis Abeba. Und Ethiopian Airlines spielt plötzlich ganz vorne mit und nimmt etwa Emirates ziemlich viel Transitverkehr ab.
Zwar ist die 10-Millionen-Einwohner-Metropole Addis Abeba selbst mit einem Bürgerkrieg im Norden des Landes beschäftigt, aber die Hauptstadt ist ruhig, pulsiert und entwickelt sich stetig. Dabei profitiert jetzt der Bole International Airport, gerade mal 6 km südöstlich des Stadtzentrums.
«ADD» ist Äthiopiens wichtigstes Luftfahrt-Drehkreuz und einer der am schnellsten wachsenden Flughäfen Afrikas. Und Ethiopian Airlines, die 1945 gegründete staatliche Fluggesellschaft, zählt zu einer der modernsten und jüngsten Flotten Afrikas; Boeing 787 Dreamliner und den Airbus A350 einsetzend. Als Mitglied der Star Alliance bedient sie weltweit über einhundertfünfzig Passagier- und Frachtziele.
90 Ziele alleine in Afrika
Für Schweizer Kunden sind vor allem die Destinationen im zentralen und südlichen Afrika interessant. Dabei sind die Flugrouten über Addis Abeba teilweise mehrere Stunden kürzer als via Dubai oder Doha. Für Südafrika haben Swiss (allnächtliche Flüge nach Johannesburg) und Edelweiss mit Direktverbindung nach Kapstadt, weiterhin die stärksten Argumente.
Aber für alle anderen afrikanischen Länder – sowie Asien – bietet Ethiopian Airlines attraktive Verbindungen an. Auf dem eigenen Kontinent sind es rund 90 Städte. Neben Johannesburg und Kapstadt beispielsweise Abidjan, Dar-es-Salaam, Kigali, Kilimanjaro, Kinshasa, Lagos oder Nairobi. Dazu kommen viele inner-äthiopische Destinationen. Die Kabinenkonfiguration umfasst meistens zwei Klassen, die Economy sowie «Cloud Nine» als Business Class. In der Economy wartet ET mit einiges günstigeren Tarifen auf als ihre europäischen oder arabischen Mitanbieter.
Dienstleistungsqualität und Zuverlässigkeit der Airline werden mittlerweile auch in der globalen Airline-Branche geschätzt; so wurde ET anfangs Jahr von der Airline Passenger Experience Association (APEX) als Four Star Global Airline ausgezeichnet. So erstaunt es nicht, dass die Fluggesellschaft im Geschäftsjahr 2024/2025 (August bis Juli) mit rund 19 Millionen Fluggästen (15 davon sind internationale Passagiere) einen Konzernumsatz von 7,6 Milliarden US$ erwirtschaftete. Und eben meldete die Airline einen rekordträchtigen Halbjahresumsatz von 4,4 Milliarden Dollar. Derzeit umfasst die Flotte, laut der Konzern-Website, rund 160 Maschinen; über 100 weitere Flugzeuge seien bestellt.
Seit vier Jahren nach Zürich
Addis Abeba steht im Moment mit Verbindungen nach Frankfurt, Wien, London, Paris, Rom, Mailand, Brüssel und Stockholm im Angebot. Zürich wird bereits seit vier Jahren angeflogen, meist mit einem Airbus A350-900 via Mailand-Malpensa. Auch Genf liegt im Angebot: Ab dem 2. Juli 2026 gibt es drei wöchentliche Verbindungen von Lyon über Genf nach Addis Abeba.
Auch wenn EDA (das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) aufgrund bewaffneter Konflikte derzeit von Reisen in die nördlichen Grenzgebiete Äthiopiens abrät, die Lage in der Hauptstadt ist ruhig und unaufgeregt. Deshalb kann man durchaus auch einen ein- oder zweitätigen Zwischenstopp einbauen. Eine passende Unterkunft gibt es gleich ausserhalb des Flughafens: das Ethiopian Skylight Hotel, mit rund eintausend Zimmern, ist ein exzellentes Geschäftshotel, nur wenige Fahrminuten vom Geschäftszentrum entfernt. Der Autor selbst benutzte kürzlich Ethiopian Airlines sowie das besagte Hotel und kann beide Anbieter durchaus empfehlen.
In diesem Frühjahr begannen übrigens die Arbeiten für einen neuen 12,5 Milliarden US-Dollar teuren internationalen Flughafen. Bishoftu Airport, rund 40 km südöstlich der Hauptstadt, ist als grösster Flughafen Afrikas konzipiert; ein gigantischer Bau, der 2030 in Betrieb genommen werden soll.