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Für viele Menschen werden Ferienaufenthalte zunehmend zu einem bewussten Gegenpol zum Alltag. Bild: Amadeus

Sehnsucht nach Ruhe – wohin sich das Reisen 2026 entwickelt

Reisen dient immer häufiger der mentalen Erholung statt nur der Freizeitgestaltung. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Komfort, Personalisierung und Nachhaltigkeit. Die neue Studie «Travel Dreams 2026» von Amadeus zeigt, wie sich die Erwartungen von Reisenden verändern.

Reisen ist längst mehr als ein blosser Tapetenwechsel. Für viele Menschen werden Ferienaufenthalte zunehmend zu einem bewussten Gegenpol zum Alltag – ein Mittel, um Stress abzubauen, neue Energie zu tanken und das eigene Wohlbefinden zu stärken. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie «Travel Dreams 2026: From data to delight» des Technologieanbieters Amadeus, für die weltweit 6000 Reisende und 500 Hoteliers befragt wurden.

Die Ergebnisse zeigen deutlich auf, wohin sich die Branche entwickelt: Mehr als die Hälfte der befragten Reisenden wünscht sich, von einer Reise mit einem «ausgeglichenen Nervensystem» zurückzukehren. Für ein Drittel ist ein ideales Reiseziel eines, das bewusst zum digitalen Abschalten einlädt.

Personalisierung wird zum Geschäftstreiber

Parallel zum Wunsch nach Erholung steigen die Erwartungen an individualisierte Erlebnisse. Reisende sind zunehmend bereit, für massgeschneiderte Angebote mehr zu bezahlen – ohne dass Hotels zusätzliche Kapazitäten schaffen müssen.

So würden rund 80 Prozent der befragten deutschen Gäste einen Aufpreis für bestimmte Zimmerlagen oder Ausblicke akzeptieren. Auch Zusatzangebote wie Wellness-Features im Zimmer oder verbesserte Luftqualität stossen auf Zahlungsbereitschaft. Insgesamt wünschen sich zwei Drittel personalisierte Reiseerlebnisse.

Für die Branche eröffnet das neue Umsatzpotenziale. Moderne Retailing-Ansätze, bei denen einzelne Zimmermerkmale gezielt vermarktet werden, gewinnen damit weiter an Bedeutung.

Reibungslose Abläufe als Standard

Der Anspruch an ein nahtloses Reiseerlebnis beginnt bereits vor der Anreise. Eine einfache Online-Buchung, transparente Informationen und eine starke digitale Präsenz sind für die grosse Mehrheit der Reisenden entscheidend.

Ebenso wichtig: Sauberkeit und glaubwürdige Bewertungen. Diese Faktoren sind längst keine Differenzierungsmerkmale mehr, sondern Grundvoraussetzung. Hotels, die hier nicht überzeugen, fallen schnell aus dem Raster.

Technologisch setzt die Branche stark auf Künstliche Intelligenz. Weltweit planen nahezu alle befragten Hoteliers Investitionen in entsprechende Systeme – im Schnitt rund 320’000 US-Dollar pro Betrieb im Jahr 2026. Einsatzgebiete reichen von dynamischer Preisgestaltung über Prognosen bis hin zu Automatisierung und Chatbots.

Gleichzeitig zeigt sich: Reisende stehen KI zurückhaltender gegenüber als im globalen Durchschnitt. Zwar wird sie bei der Planung durchaus genutzt, doch während der Reise bleibt der Wunsch nach menschlicher Interaktion zentral.

Die Studie legt nahe, dass KI vor allem dann überzeugt, wenn sie unsichtbar im Hintergrund arbeitet – etwa durch personalisierte Angebote, kürzere Wartezeiten oder effizientere Abläufe. Der persönliche Kontakt bleibt jedoch ein entscheidender Bestandteil des Reiseerlebnisses.

Nachhaltigkeit wird zum Pflichtprogramm

Neben Komfort und Personalisierung gewinnt auch Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Für viele Reisende ist sie mittlerweile ein entscheidender Faktor bei der Hotelwahl, lautet eine weitere Erkenntis in der Amadeus-Studie. Ein grosser Teil ist zudem bereit, für umweltfreundlichere Angebote mehr zu bezahlen.

Auch auf Anbieterseite ist der Trend klar: Sämtliche befragten Hoteliers planen Investitionen in Nachhaltigkeitsmassnahmen. Für mehr als ein Drittel ist sie bereits heute ein zentraler Differenzierungsfaktor im Wettbewerb.

Die Ergebnisse der Studie zeigen ein klares Spannungsfeld: Auf der einen Seite stehen technologische Innovationen und datengetriebene Personalisierung, auf der anderen der Wunsch nach echter Gastfreundschaft und persönlicher Betreuung. Die Zukunft der Hotellerie wird somit nicht allein durch Innovation entschieden, sondern durch die Fähigkeit, Effizienz und Menschlichkeit miteinander zu verbinden.

(GWA)