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Nicole Pfammatter übernimmt ab Juni 2026 die Führung von TUI Suisse. Bilder: TUI Suisse / TN

Kommentar Das ist mehr als ein gewöhnlicher Chefwechsel

Reto Suter

Mit Nicole Pfammatter holt sich TUI Suisse nicht einfach nur eine neue Chefin, sondern eine der bekanntesten und bestvernetzten Persönlichkeiten der Schweizer Reisebranche. Der überraschende Wechsel könnte für TUI genau zur richtigen Zeit kommen.

Monatelang wurde in der Schweizer Reisebranche spekuliert, wann und wo Nicole Pfammatter nach ihrem Abgang bei Hotelplan Suisse wieder auftauchen würde. Jetzt ist klar: Sie übernimmt per Juni 2026 die Führung von TUI Suisse.

Dieser Schritt überrascht viele. Denn kaum etwas deutete darauf hin, dass der Chefsessel bei TUI Suisse bald frei werden könnte. Managing Director Philipp von Czapiewski hatte nicht den Eindruck erweckt, er suche eine neue Herausforderung.

Der Touristikmanager führte das Unternehmen erfolgreich durch die Pandemie und zurück auf Wachstumskurs. Zuletzt setzte er mit dem Umzug des Hauptsitzes vom Zürcher Friesenberg-Quartier in moderne Büros nach Oerlikon ein Zeichen für den Aufbruch. Trotzdem zieht es ihn nun weiter – zur DSR Hotel Holding der Dertour Group.

Damit wurde der Chefposten bei TUI Suisse frei. Man hätte sich gut vorstellen können, dass der Reiseveranstalter wieder auf eine konzerninterne Lösung hinarbeitet. Von Czapiewski war ein Manager mit langer Konzernvergangenheit und engem Draht in die Zentrale nach Hannover. Doch TUI entschied sich anders. Und genau das macht den Wechsel so spannend.

Ein cleverer Schachzug von TUI

Die Verpflichtung von Nicole Pfammatter ist ein Coup für TUI Suisse. Gerade jetzt. Denn mitten in der laufenden Integration von Hotelplan in Dertour Suisse bietet sich für TUI eine seltene Chance. Viele Reisebüros suchen Orientierung. Viele beobachten genau, wie sich der Markt verändert. Und viele fragen sich, wer künftig wofür steht.

Nicole Pfammatter kennt den Schweizer Reisemarkt wie kaum eine Zweite. Sie hat sich über Jahrzehnte nach oben gearbeitet – mit Fachwissen, Ehrgeiz und einem feinen Gespür für Menschen. Sie begegnet ihrem Gegenüber mit Respekt. Egal ob Reinigungskraft in einer Filiale oder CEO einer Airline. Genau diese Mischung könnte für TUI nun enorm wertvoll werden.

Denn Erfahrung allein reicht in der Reisebranche längst nicht mehr. Vertrauen, Nähe und Beziehungen werden immer wichtiger. Pfammatter bringt all das mit. Ihr Netzwerk ist riesig. Ihre Glaubwürdigkeit ebenso.

Das könnte TUI Suisse Türen öffnen, die bisher verschlossen blieben. Entscheidend wird allerdings sein, wie viele Freiheiten ihr die Konzernzentrale in Hannover tatsächlich gewährt. Wie viel Schweiz sie machen darf, wie viel Eigenständigkeit möglich ist.

Wobei: Wer Nicole Pfammatter kennt, weiss auch das. Einen Job als reine Befehlsempfängerin hätte sie kaum angenommen. Vielmehr dürfte sie die Zusicherung erhalten haben, aktiv gestalten zu können – und eigene, Schweiz-spezifische Akzente zu setzen.

Genau das macht diese Aufgabe für sie so reizvoll. Und genau deshalb könnte dieser Wechsel für TUI Suisse zu einem Glücksfall werden.