Engadin

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Auf Höhenwanderung von Muottas Muragl zur Alp Languard: Mit seinem 580 Kilometer langen Wanderwegnetz zählt Pontresina zu den beliebtesten Wanderorten der Schweiz. Bilder: Pontresina Tourismus

«Die Diavolezza ist ein ganzjähriges Juwel»

Seit anfangs Jahr leitet ein Einheimischer die Geschicke von Pontresina Tourismus – das sind die Pläne von Ursin Maissen.

Die Stimmung in Pontresina ist gut. Kunststück: nach diesem Winter mit top Verhältnissen können sich die touristischen Leistungsträger am Fusse des Piz Palü und Piz Bernina nicht beklagen. Und auch die Aussichten für den Sommer passen. Der letztjährige Hitzesommer war beste Werbung dafür, die Sommertage in alpiner Frische zu verbringen. Die Vorausbuchungen für den Sommer stimmen.

Aufs neue Jahr hin hat Ursin Maissen die Geschäftsführung von Pontresina Tourismus übernommen. Für den 31-Jährigen ist es eine Rückkehr in seine Heimat. In den letzten Jahren arbeitete der Kommunikationsprofi unter anderem bei Zürich Tourismus, für das Bürgenstock Resort und die Standortförderung des Kantons Aargau. Nun gestaltet er seit dem 1. Januar die touristische Entwicklung seiner Heimatgemeinde mit.

Auf die Schwerpunkte seiner Arbeit angesprochen, sagt Ursin Maissen zunächst, dass derzeit die Rollenfindung zwischen den einzelnen Gemeinden und der neu aufgestellten DMO Engadin St. Moritz sowie die Festsetzung der strategischen Agenda von Pontresina Tourismus vorangetrieben werde. Die Vermarktung obliegt gemäss Leistungsauftrag primär der regionalen DMO – sein Vorgänger Jan Steiner leitet dort das Brand-Team Engadin. Bei Pontresina Tourismus stehen demgegenüber die Erlebnisse vor Ort und die Produktgestaltung im Vordergrund: «Wir wollen Pontresina für den Gast noch attraktiver machen. Hierzu sind wir im engen Austausch mit allen Leistungsträgern.»

Leitet seit anfangs 2019 Pontresina Tourismus: Ursin Maissen – hier im Hotel Walther. Bild: TN

Was Maissen an seinem Job in Pontresina besonders freut: «Wohl kaum eine andere Gemeinde im Schweizer Alpentourismus kann auf einen 50-50-Mix zählen, rund die Hälfte der Gäste kommt im Winter, die andere im Sommer.» Und dabei sei der Anteil Schweizer Gäste mit bis zu 70 Prozent überaus hoch. «Dieses Klumpenrisiko nehmen wir gerne in Kauf», sagt er zu diesem hohen Anteil, im Wissen, dass in den letzten Jahren die fragile Nachfrage aus Deutschland oder Italien vielen Tourismusdestinationen zugesetzt hat.

Viele der 25 Hotels haben stetig investiert

Das traditionsreiche Pontresina sei nie stehen geblieben. Die Gemeinde und viele der rund 25 Hotels haben stetig investiert. Dass sich der Ort auch gastronomisch weiterentwickelt, beweisen zwei Neueröffnungen im Sommer 2019: Im Hotel Walther widmet sich das «La Trattoria» (ehemaliges La Stüva) authentischen italienischen Pastagerichten. Dies in einem stilvoll rustikalen Ambiente voller liebevoller Anspielungen an die italienische Kultur und Lebensart. Am anderen Dorfende wartet das «Giardin». Junge Engadiner verwandeln dort den Sportpavillon in ein kreatives Pop-up-Restaurant samt Weinbar und trendiger Gartenwirtschaft.

Als Trumpf nennt der Geschäftsführer von Pontresina Tourismus auch die sonnige und windgeschützte Flaniermeile, die man nach einer Wanderung oder nach der Steinbock-Beobachtung gerne erkundet und da für einen Apéro stoppt. Ab Sommer 2019 laden zudem der beliebte Laret Markt und das neukonzeptionierte Strassenfest «Viva la via» alternierend zum Besuch auf der Pontresiner Dorfpromenade ein (27. Juni bis 29. August, jeweils donnerstags ab 17.00 Uhr).

Immer donnerstags: der beliebte Laret Marktauf der Pontresiner Dorfpromenade.

Dank abwechslungsreichstem Eventkalender der Alpen, werde es Besuchern des Engadiner Hochtals ohnehin nie langweilig. Einst sozusagen vom Weinkeller des Pontresiner Grand Hotel Kronenhof aus lanciert, wartet ab 4. Juli 2019 beispielsweise das Festival da Jazz St. Moritz mit internationalen Musik-Highlights auf. In und rund um Pontresina sorgen, nebst dem Kongresszentrum, wiederum der Konzertplatz im Taiswald oder der nahegelegene Lej da Staz für eindrückliche Festivalambiente.

Themenwege, Gletschergarten, Hop-on-Hop-of-Vergnügen

Viel verspricht sich Maissen auch von der Zusammenarbeit mit dem italienischsprachigen Valposchiavo. Der gemeinsame Erlebnisraum Bernina Glaciers wartet fortlaufend mit zusätzlichen Angeboten auf, seien es Themenwege, die Erweiterung des Gletschergartens, zahllose Hop-on-Hop-of-Vergnügen mit der Rhätischen Bahn und Ausflüge zum Morteratschgletscher oder hinauf zur Diavolezza. Aktuell wird auf der Bernina-Passhöhe zudem ein 20 Meter hoher Besucherturm mit sogenannter Camera Obscura realisiert – dieses raffinierte Prinzip frühester Fotografietechnik projeziert die Landschaft dereinst als Panoramabild in die zuoberst gelegene Dunkelkammer.

Die Diavolezza, die Bündner Alternative zum Titlis oder dem Jungfraujoch, ist noch nicht überlaufen.

Ob denn die Pontresiner Diavolezza mit der Jungfrau oder dem Titlis mithalten könne und auch verstärkt Übersee-Gäste anziehe? Ursin Maissen gibt sich diplomatisch: «Ich sags mal so, wir sind die Bündner Alternative, die nicht überlaufen ist. Das hat auch seinen Charme. Zudem kostet der Bergbahnausflug hoch zu den Eisriesen bei uns bloss einen Bruchteil oder ist, für Gäste die mehr als eine Nacht bleiben, bei über 100 Hotels in der Region sogar inklusive.»

Dass bald mehr Gäste hinauf zur Aussichtsplattform auf 2978 Metern über Meer kommen werden, dürfte jedenfalls absehbar sein. Beim Berghaus Diavolezza wird konsequent in die Attraktivitätssteigerung investiert. Besucher dürfen sich, nebst Bereichen für «touch & feel the snow», Audio Tour oder hochalpinen Wander- und Klettersteigrouten, neu auch auf die kostenlose Swarovski-Fernglasleihe und das höchstgelegene Virtual-Reality-Kino der Welt freuen. Ein neuer Shop und weitere Attraktionen sollen folgen. Seit 11. Mai 2019 existiert zudem das Pauschalangebot «Bernina Diavolezza Express», wodurch auch Fahrgäste des Bernina Express die Gelegenheit zu einem Zwischenhalt, inmitten des grössten Gletschergebiets der Schweizer Ostalpen erhalten. «Wir und unsere Partner haben erkannt, dass die Diavolezza ein ganzjähriges Juwel ist».

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(GWA)