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Das Zurückstellen der Rückenlehne gehört zu den häufigsten Konfliktthemen an Bord eines Flugzeugs. Ist es angebracht oder schlicht egoistisch?. Bild: Pixabay

Gute Frage Ist es angebracht, im Flugzeug die Rückenlehne herunterzustellen?

Kaum ein Handgriff im Flugzeug verursacht derart viele Unstimmigkeiten wie das Zurückstellen der Rückenlehne. Ist es ein gutes Recht jedes Passagiers oder schlicht unhöflich gegenüber der Person dahinter? Travelnews klärt auf.

Kaum ist die Reiseflughöhe erreicht, beginnt in vielen Flugzeugkabinen das grosse Lehnen-Poker. Vorne drückt jemand entschlossen auf den Knopf, hinten klappt plötzlich der Laptop zu, der Kaffee schwappt gefährlich im Becher und die Knie geraten in akute Bedrängnis. Was für die einen zum guten Recht eines zahlenden Passagiers gehört, empfinden andere als rücksichtslosen Angriff auf ihre ohnehin knappe Privatsphäre.

Besonders in der Economy Class kann eine kleine Bewegung grosse Wirkung entfalten. Ein paar Zentimeter mehr Entspannung für den Vordermann bedeuten für die Person dahinter deutlich weniger Platz. Entsprechend emotional wird die Frage diskutiert: Darf man die Rückenlehne einfach zurückstellen – oder gehört es sich, sie aufrecht zu lassen?

Der richtige Moment entscheidet

«Die Rückenlehne im Flugzeug zu verstellen, ist grundsätzlich legitim», sagt Knigge-Expertin Catherine Tenger gegenüber Travelnews. Entscheidend seien jedoch der Zeitpunkt und die Umstände. Gerade in der Economy Class sei der persönliche Raum sehr begrenzt. «Deshalb wirkt jede Veränderung sofort auf die Person dahinter.»

In der Business Class falle das Zurücklehnen meist weniger ins Gewicht – ausser in Flugzeugen, in denen die Platzverhältnisse kaum grosszügiger seien als hinter dem Vorhang.

Auf Kurzstrecken empfiehlt die Knigge-Expertin Zurückhaltung. Auch während des Essens, bei Getränken auf dem Tisch oder wenn die Person dahinter sichtbar am Laptop arbeitet, sollte die Lehne besser aufrecht bleiben. Auf längeren Flügen und während ausgewiesener Ruhephasen sei das Zurücklehnen dagegen durchaus akzeptiert.

Der Schlüssel liegt laut Tenger in kleinen Gesten. Die Lehne sollte langsam und nicht ruckartig bewegt werden. Noch besser sei es, kurz nach hinten zu schauen oder freundlich zu fragen, ob es gerade passe. «Das gibt der anderen Person die Möglichkeit zu reagieren und zeigt, dass man die Situation mitbedenkt.»

Wer also mit etwas Fingerspitzengefühl an das Ganze herangeht, wird kaum für Ärger sorgen. Denn oft entscheidet nicht das Zurücklehnen selbst über die Stimmung an Bord, sondern die Art und Weise, wie man es tut.

(RSU)