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In Bolivien kommt es derzeit zu Protesten und Strassenblockaden. Besonders betroffen ist die Region rund um La Paz. Bild: Screenshot Youtube / The Guardian

Unruhen in Bolivien: Das müssen Reisende wissen

Proteste, Strassenblockaden und Bilder von Ausschreitungen verunsichern derzeit viele Bolivien-Reisende. Travelnews ordnet die aktuelle Lage ein.

Fernsehbilder mit Strassenblockaden, Demonstrationen und Zusammenstössen in La Paz prägen derzeit die Berichterstattung über Bolivien – und werfen bei Reisenden Fragen auf. Wie stark ist das Land tatsächlich betroffen? Können meine Ferien weiterhin stattfinden? Und was passiert, wenn einzelne Programmpunkte meiner geplanten Rundreise nicht mehr erreichbar sind? Travelnews beantwortet die vier wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation in Bolivien.

Wie präsentiert sich die Situation aktuell?

In und rund um die bolivianische Hauptstadt La Paz bleibt die Lage nach den jüngsten Protesten angespannt, auch wenn die Intensität zuletzt etwas nachgelassen hat. Demonstrationen und Strassenblockaden beeinträchtigten in den vergangenen Wochen wiederholt den Verkehr sowie die Versorgung mit Treibstoff und einzelnen Gütern. Besonders betroffen waren neben La Paz auch El Alto und wichtige Verkehrsachsen im Land. Hintergrund der Proteste sind wirtschaftliche Probleme wie Versorgungsengpässe und steigende Lebenshaltungskosten. Dazu kommen politische Spannungen und Forderungen an die Regierung. Die Behörden haben Massnahmen angekündigt, um Blockaden schneller aufzulösen. Für Reisende gilt derzeit: La Paz bleibt grundsätzlich erreichbar. Kurzfristige Einschränkungen sind jedoch möglich. Flüge funktionieren meist zuverlässiger als Überlandverbindungen.

Was rät das EDA?

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Reisehinweise für Bolivien kürzlich angepasst. Es rät derzeit von touristischen und nicht dringenden Reisen in das Departamento La Paz einschliesslich der Städte La Paz, El Alto und des Grossraums La Paz ab. Das EDA empfiehlt, die Lage vor und während der Reise laufend zu verfolgen, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden sowie Anweisungen der lokalen Behörden zu beachten. Strassenblockaden sollten keinesfalls passiert werden.

Wie reagieren Schweizer Lateinamerika-Spezialisten?

Die Schweizer Lateinamerika-Spezialisten zeigen sich flexibel. «La Paz ist in fast allen unseren Bolivien-Reisen enthalten. Aktuell müssen wir dafür Alternativrouten suchen», sagt Reto Kindlimann, Geschäftsführer von Brasa Reisen, auf Anfrage. Für Touristinnen und Touristen bestehe derzeit zwar keine direkte Gefahr. Die Strassenblockaden hätten aber Auswirkungen auf die Reiseplanung: So sei aktuell die Strecke vom Flughafen El Alto ins Zentrum von La Paz betroffen, ebenso der Grenzübergang nach Peru bei Copacabana. Einzelne Kundinnen und Kunden hätten ihre Reise abgesagt, die Mehrheit entscheide sich jedoch dafür, die Route anzupassen und betroffene Regionen zu umgehen.

Gabriela Stauffer, Geschäftsführerin von Dorado Latin Tours, sagt: «Nach der Veröffentlichung der Reisehinweise haben wir alle betroffenen Gäste mit Reisen nach La Paz beziehungsweise ins Departamento La Paz bis zum 31. Juli 2026 proaktiv kontaktiert. Gemeinsam prüfen wir alternative Reiseverläufe, beispielsweise mit zusätzlichen Aufenthalten in Peru.» Die Lage für Reisen nach dem 31. Juli 2026 werde laufend beobachtet und zu gegebener Zeit neu beurteilt. «Bislang haben sich keine unserer Kundinnen und Kunden aufgrund der aktuellen Reisehinweise für eine vollständige Annullation der Reise entschieden», so Stauffer.

Können Betroffene ihre Reise kostenlos stornieren?

Bis vor Kurzem galt in der Schweizer Reisebranche weitgehend das ungeschriebene Gesetz: Sprach das EDA eine Empfehlung gegen touristische Reisen aus, wurden kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen ermöglicht. Im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg wurde diese Praxis auf Empfehlung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) jedoch gelockert. Im Fall von Bolivien kommt hinzu, dass die Warnung nicht das ganze Land betrifft, sondern lediglich La Paz und Umgebung. Zudem befinden sich die meisten Schweizer Kundinnen und Kunden dort im Rahmen einer Rundreise und nicht für einen längeren Aufenthalt. Dadurch lassen sich Programme häufig anpassen, ohne die gesamte Südamerika-Reise absagen zu müssen. Schweizer Reiseveranstalter zeigen sich in solchen Situationen gesprächsbereit und suchen gemeinsam mit den Reisenden nach individuellen Lösungen. Sollte jemand die Reise nicht antreten wollen, weil zentrale Programmpunkte wie La Paz entfallen, dürfte eine Lösung gesucht werden, bei der die Kundinnen und Kunden nicht auf den gesamten Kosten sitzen bleiben.

(RSU)