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Krankheitsfälle auf den Malediven: Das müssen Reisende wissen
Reto SuterDie Malediven gelten als Inbegriff des tropischen Ferienparadieses – mit puderweissen Stränden, türkisblauem Wasser und luxuriösen Resorts. Aktuell rückt jedoch ein anderes Thema in den Fokus: Die Zahl der Dengue-Fälle ist zuletzt gestiegen, die Verunsicherung bei Reisenden wächst.
Die Bilder von Palmenstränden und Infinity-Pools bekommen damit plötzlich einen unangenehmen Beigeschmack. Zwar verlaufen viele Dengue-Infektionen mild. Doch die Krankheit kann hohes Fieber, starke Gliederschmerzen und in seltenen Fällen schwere Komplikationen verursachen.
Wie gross ist das Risiko für Feriengäste tatsächlich? Muss man sich Sorgen machen? Und wie schützt man sich am besten? Travelnews beantwortet die fünf wichtigsten Fragen rund um die Zunahme der Dengue-Fälle.
Wie gross ist das Gesundheitsrisiko auf den Malediven?
Seit September 2025 wird auf den Malediven im Vergleich zum Vorjahr eine kontinuierliche Zunahme der Dengue-Fälle beobachtet. Bis August 2025 waren die Zahlen gegenüber dem Vorjahr sogar noch rückläufig. Seither hat sich die Situation jedoch drastisch verändert: Insbesondere seit Ende letzten Jahres steigen die Fallzahlen überproportional an. «Mit 428 beziehungsweise 535 gemeldeten Dengue-Fällen in den Monaten Februar und März 2026 gab es sechs- bis fast neunmal so viele Fälle wie im Vorjahr zur gleichen Zeit», sagt Yvonne Schmiedel vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich gegenüber Travelnews. Der Anstieg betreffe mehrere Inseln gleichzeitig. «Selbstverständlich besteht dadurch auch für Reisende ein entsprechend erhöhtes Risiko.» Hinzu kommen aussergewöhnlich hohe Temperaturen von teilweise bis zu 40 Grad. Diese gelten zumindest teilweise als Mitursache für die steigenden Fallzahlen. Gleichzeitig erhöht die Hitze auch das Risiko für Hitzeschläge, Dehydrierung und Erschöpfung – insbesondere bei körperlicher Anstrengung.
Gibt es vermehrt Dengue-Fälle bei Schweizer Malediven-Reisenden?
«Nein. An unserem Institut beobachten wir bislang keine auffällige Häufung von Dengue-Fällen bei Schweizer Rückkehrern von den Malediven», sagt Infektiologin Yvonne Schmiedel.
Wie lässt sich das Ansteckungsrisiko reduzieren?
Schmiedel empfiehlt Reisenden auf die Malediven vor allem konsequenten Mückenschutz – und zwar nicht nur nachts. «Die Dengue-übertragenden Mücken sind vor allem tagsüber aktiv. Deshalb gilt der Schutz eigentlich rund um die Uhr», sagt sie. Empfohlen werden lange, möglichst helle Kleidungsstücke sowie bei Bedarf zusätzlich imprägnierte Kleidung, um Mückenstiche möglichst zu verhindern. Ebenso rät Schmiedel dazu, direkte Sonnenexposition zu meiden. Die derzeit aussergewöhnlich hohen Temperaturen erhöhten zusätzlich das Risiko für Hitzeschläge, Dehydrierung und Erschöpfung. Wer bereits früher möglicherweise eine Dengue-Infektion durchgemacht habe, sollte laut Schmiedel zudem eine Impfung prüfen. «Schwere Verläufe treten häufig im Rahmen einer Zweitinfektion auf. Eine Impfung kann hier zusätzlichen Schutz bieten», erklärt die Expertin.
In welchen Fällen sollten Reisende nach der Rückkehr zum Arzt?
Treten nach der Rückkehr Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Hautausschläge auf, sollte man aufmerksam bleiben. «Wenn solche Beschwerden innerhalb von bis zu 14 Tagen nach der Reise auftreten, ist eine ärztliche Abklärung mit Blick auf eine mögliche Dengue-Infektion sinnvoll», sagt Yvonne Schmiedel. Grundsätzlich empfiehlt die Expertin jedoch auch bei anderen ungewöhnlichen Beschwerden, nach einer Fernreise medizinischen Rat einzuholen. Dazu zählen etwa Durchfall, Bauchbeschwerden oder Bewusstseinsveränderungen. Je nachdem, wann die Symptome auftreten, würden sich zwar die wahrscheinlichen Ursachen verändern, eine Abklärung könne aber dennoch wichtig sein.
In welchen Reiseländern steigt das Dengue-Risiko derzeit ebenfalls?
In Sri Lanka wurden seit Jahresbeginn bereits zehntausende Dengue-Fälle registriert. Besonders betroffen sind laut dem Krisenwarndienst A3M unter anderem Colombo, Gampaha und Galle, also Regionen, die auch für Reisende relevant sein können. Auch in Thailand steigen die Dengue-Zahlen seit 2025 an. Betroffen sind unter anderem touristische Zentren wie Phuket und Krabi sowie die Hauptstadt Bangkok. In Indonesien, einschliesslich Bali, bleibt Dengue ebenfalls ein relevantes Thema. Dasselbe gilt für Vietnam, wo Reisende mückenübertragene Krankheiten wie Dengue ebenfalls im Blick haben sollten. Betroffen sind jedoch nicht nur asiatische Destinationen. Auch in der Karibik sowie in Teilen Lateinamerikas zirkuliert das Virus weiterhin stark. Besonders aus Brasilien, Mexiko, Peru und Kolumbien werden anhaltend hohe Dengue-Aktivitäten gemeldet.