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Wird am Reiseziel sommerzeitbedingt anders an der Uhr gedreht als zu Hause? Bild: Adobe Stock

Wer dreht wann an der Uhr?

Knapp 70 Länder weltweit haben eine «Daylight Saving Time», so der internationale Begriff. Das schafft viel Raum für Verwechslungen, Reiseärgernisse und verpasste Anschlussflüge. 

Von A wie Albanien bis Z wie Zypern: Je nach Zählung verschieben zwischen 65 und 68 Länder die Uhrzeit im Sommer um eine Stunde. Wer in den kommenden Tagen in andere Länder verreist, der tut gut daran, sich rechtzeitig sachkundig zu machen: Wird am Reiseziel sommerzeitbedingt anders an der Uhr gedreht als zu Hause – oder vielleicht gar nicht?

Viele Menschen kommen ja bereits daheim nicht klar mit der Zeitumstellung. Umso leichter lässt es sich auf weltweiten Reisen in die Zeitfalle tappen. Hier sind zehn Fakten, die es sich lohnt zu wissen.

1. Innerhalb der EU ist es einfach

Wer bei seinen Reisen innerhalb der Europäischen Union bleibt, der hat es einfach. Denn innerhalb der EU machen alle bei der Sommerzeit 2026 mit. Von Polen bis Portugal verschiebt sich die Zeit gleichzeitig am letzten März-Wochenende um eine Stunde vor. Das bedeutet aber nicht, dass überall die gleiche Zeit herrscht. Finnland, das Baltikum, Rumänien und Bulgarien eilen Deutschland eine Stunde voraus, Portugal (und das ausgetretene Grossbritannien) hinkt eine Stunde nach. Das tun diese Länder aber sommers wie winters, der Unterschied bleibt also gleich.

2. Hier gibt es keine Sommerzeit

Bereits rund ums Mittelmeer ändert sich die Situation. Einige wichtige Reiseländer sparen sich die Sommerzeit. Konkret sind das die Türkei und Tunesien. Das Ergebnis: Zur warmen Jahreszeit beträgt die Differenz der Türkei zu Deutschland eine Stunde, im Winter sind es zwei Stunden. Dass es durchgängig die südlichen Anrainerländer des Mittelmeers sind, die keine Lust aufs Drehen an der Uhr haben, ist kein Zufall. Je näher man dem Äquator kommt, desto weniger unterscheiden sich die Tageslängen übers Jahr. Am Äquator selbst geht die Sonne ganzjährig zur gleichen Zeit auf und unter, ein Uhrenwechsel wäre wenig sinnvoll.

3. Marokko stellt zum Ramadan um

Marokko hat keine Sommerzeit, aber eine Zeitumstellung. Die Uhr wird am Sonntag vor dem Ramadan um 3 Uhr eine Stunde zurück und am Sonntag nach dem Ramadan um 2 Uhr eine Stunde vorgestellt. Im Jahr 2026 war dies der 15. Februar und der 22. März. Das geschieht, weil gläubige Moslems im Ramadan bis zum Sonnenuntergang fasten. Auf diese Weise bekommen sie eine Stunde früher etwas zu essen.

4. Ägypten hat eine Sommerzeit

Eine Sonderrolle spielt Ägypten: Es ist das einzige afrikanische Land mit einer Sommerzeit. Dort werden die Uhren also ebenfalls umgestellt, aber einen Monat später als in der EU. Die Zeit wechselt am letzten Freitag im April und dann wieder am letzten Donnerstag im Oktober, jeweils um 24 Uhr. Warum am Freitag? Ägypten ist ein islamisches Land und dort ist der Freitag das, was bei uns der Sonntag ist.

5. Arizona und Hawaii bleiben bei Normalzeit

Auf Englisch heisst die Sommerzeit Daylight Saving Time. Es gibt sie auch in den USA, dort hat die Sommerzeit bereits am 8. März begonnen. Dadurch entsteht für drei Wochen eine andere Zeitdifferenz zu Europa. Das gleiche geschieht im Herbst: Die Vereinigten Staaten beenden die Sommerzeit erst am ersten Sonntag im November (wenn Präsident Trump nicht bis dahin etwas anderes einfällt). Für Fluggesellschaften ist das teuer, sie müssen zweimal zusätzlich die Flugpläne angleichen. Arizona und Hawaii verzichten auf die Zeitumstellung und bleiben ganzjährig bei der Normalzeit.

6. Kanada hat keine einheitliche Sommerzeit

Kanada richtet sich nach dem Nachbar USA. Ganz Kanada? Nein. Einige Gebiete widersetzen sich. Dazu gehören ganz Yukon, der grösste Teil von Saskatchewan, ein Stück im Nordosten von British Columbia sowie ein halbes Dutzend Einsprengsel quer übers Land. Warum? Die Hoheit über die Entscheidung liegt bei den Provinzen und Territorien – und einige wollen schon aus Prinzip nicht so sein wie alle anderen.

7. Mexiko hat regionale Ausnahmen

Mexiko hat 2022 den saisonalen Zeitwechsel aufgegeben und stellt die Uhren nicht mehr um - eigentlich. Einige Landesteile, die besonders nah an den USA liegen, tun es aber doch noch. Ausserdem halten die Baja California (ohne Baja California Sur) und die Isla Guadalupe an der Zeitumstellung fest. Im Takt mit den USA stellen auch die Bahamas und die Bermudas um, ausserdem Kuba, das sonst eigentlich wenig mit den USA zu tun haben will.

8. Australien hat bis zu fünf Zeitzonen

Auch Australien hat eine Sommerzeit – aber weil der Kontinent auf der Südhalbkugel liegt, beginnt am ersten Sonntag im April nicht der Sommer, sondern der Winter. Dann ist der Kontinent in drei Zeitzonen eingeteilt. Im australischen Sommer (ab dem ersten Oktobersonntag) führen die drei südlichen der sechs australischen Bundesstaaten dann die Sommerzeit ein und damit werden aus drei Zeitzonen fünf. Damit Australien-Reisende den Überblick behalten, hat Tourism Australia die Verhältnisse auf einer eigenen Website.

9. In Neuseeland beginnt die Sommerzeit im September

In Neuseeland beginnt die Sommerzeit eine Woche früher als in Australien, nämlich am letzten Sonntag im September, die Winterzeitumstellung ist dagegen gleichzeitig am ersten Sonntag im April. Die Zeitdifferenz zwischen Neuseeland und Australien differiert zwischen zwei (Auckland - Sydney) und fünf Stunden (Auckland - Perth in der Sommerzeit).

10. Chile ist Ausnahme in Südamerika

Das einzige Land in Südamerika, das (noch) an der Sommerzeitverschiebung festhält, ist Chile. Die Uhr wird im September um eine Stunde vorgestellt und im April wieder zurückgestellt. Die Sommerzeit endet am 5. April 2026. Die zu Chile gehörende Osterinsel hinkt dem Festland zwei Stunden hinterher. Punta Arenas und Feuerland im äußersten Süden des Kontinents koppeln sich ab und sparen sich die Sommerzeit. Das wundert nicht wirklich. Am Kap Hoorn geht die Sonne im Dezember bereits früh um 4:45 Uhr auf und senkt sich erst gegen 22:15 Uhr wieder hinter den Horizont - da gibt es nicht viel Tageslicht einzusparen.

(HWR/SRT)