Trips & Travellers

Die Scarlet Lady musste ihre Route kurzfristig ändern, nachdem die Türkei dem Kreuzfahrtschiff die Einfahrt in zwei Häfen verweigert hatte. Bild: Virgin Voyages

Türkei weist Kreuzfahrtschiff mit 2000 Gästen ab

Paukenschlag für knapp 2000 Kreuzfahrtgäste: Die Türkei hat einer queeren Kreuzfahrt kurzfristig die Einfahrt in ihre Häfen untersagt. Statt Istanbul und Kuşadası steuert das Schiff nun andere Ziele im Mittelmeer an.

Für die Passagiere der Scarlet Lady von Virgin Voyages endet die Reise anders als geplant. Das von Atlantis Events gecharterte Kreuzfahrtschiff sollte am 7. Juli 2026 zunächst die türkische Hafenstadt Kuşadası anlaufen und anschliessend zwei Tage in Istanbul verbringen. Kurz vor der Ankunft untersagten die türkischen Behörden jedoch die Einfahrt in beide Häfen. Als Ersatz steuert das Schiff nun Alexandria in Ägypten sowie Heraklion auf Kreta an, wie der «Spiegel» schreibt.

Atlantis Events ist auf Kreuzfahrten für die LGBTQ+-Community spezialisiert und organisiert seit vielen Jahren entsprechende Reisen. Unternehmenschef Rich Campbell erklärte gegenüber US-Medien, die türkischen Behörden hätten die Absage mit «moralischen Standards» und «familiären Werten» begründet. Dass allein die Zusammensetzung der Reisegruppe ausschlaggebend gewesen sein soll, habe ihn überrascht.

Nach seinen Angaben war die Kreuzfahrt bereits vor rund einem Jahr angekündigt worden. Zudem habe Atlantis Events Istanbul in den vergangenen 25 Jahren bereits 13-mal angelaufen. Auch Vermittlungsversuche, unter anderem mit Unterstützung der US-Botschaft, blieben erfolglos.

Teil einer grösseren Entwicklung

Die Behörden der Provinz Aydın bestätigten den Entscheid in einer Stellungnahme. Darin hiess es, der Besuch einer Gruppe, deren Lebensweise nach Ansicht der Behörden nicht mit den gesellschaftlichen und moralischen Werten des Landes vereinbar sei, komme nicht infrage.

Der Vorfall reiht sich in eine zunehmend restriktive Haltung der türkischen Regierung gegenüber der LGBTQ+-Community ein. Erst Ende Juni wurde die Pride-Parade in Istanbul untersagt, die Innenstadt weiträumig abgesperrt und Versammlungen von Aktivistinnen und Aktivisten verhindert.

(TN)