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Treibt innerhalb der Hotelplan-Gruppe die Innovation und Digitalisierung voran: Katja Altmann, CEO von bedfinder. Bild: TN

«Seit August ist Bedfinder mit Pauschalreisen live»

Von Gregor Waser

Nach reinen Hotelbuchungen in den ersten zwölf Monaten verzeichnet Bedfinder, das Startup innerhalb der Hotelplan Group, jetzt auch täglich Pauschalbuchungen. CEO Katja Altmann äussert sich im Interview mit travelnews.ch über das erste Jahr und die kommenden Pläne.

Frau Altmann, bedfinder.com ist vor gut einem Jahr an den Start gegangen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Katja Altmann: Wir sind zufrieden mit der Entwicklung. Was wir in einem Jahr erreicht haben, ist gut. Nicht, dass wir nur viele Länder ausgerollt haben und unsere Distribution über andere Kanäle erweitert haben – wir verzeichnen auch viele Learnings. Man tritt ja nicht einfach so in einen Markt ein und alles funktioniert.

In welchen Bereichen zeichnen sich Probleme ab?

Wir sind technologisch abhängig von unseren Sourcing-Partnern, im Hotelbereich von den Bettenbanken. Wenn die Qualität nicht up-to-date ist, hat das eine grosse Auswirkung auf unsere Performance. Weist man schlechte Verfügbarkeiten und Preisabweichungen auf, wird das von Google negativ bewertet, man wir weniger gut platziert, als wenn man mit guter Qualität aufwartet. Die eine Hoteldatenbank kann schneller und öfter liefern, als die andere, je nachdem was ein Providersystem in der Lage ist zu verarbeiten. Wir selber haben im Player-Hub-Bereich einen grossen Schritt gemacht, als Beispiel haben wir bei einer Hoteldatenbank neu die Data-Loadzeiten um das 8-fache reduziert. Das sind Verbesserungen, die merkt man in diesem Geschäft sofort.

Haben Sie sich auch schon von Bettendatenbanken, die eine schlechte Performance haben, abgewendet?

Wenn wir sehen, dass jemand über mehrere Tage die Qualität nicht bringt, schaut man das mit dem Partner genauer an. Wenn sich das nicht bessert, wird eine Bedbank auch mal deaktiviert. Es zeigt sich ganz klar, dass wir mit den Bedbanks, die ein stabiles System haben und eine gute Qualität liefern, das meiste Geschäft machen.

Wie erklären Sie, was bedfinder genau macht?

bedfinder ist ein Anbieter im E-Commerce, aktuell im Bereich Business-to-Customer. Wir fokussieren uns auf sogenannte Metasearch-Plattformen, die grosse Traffic-Ströme generieren im Travel-Bereich. Google zählt für uns auch dazu, weil mittlerweile auch Angebote zwischen verschiedenen Anbietern verglichen werden. Das sind Kanäle, die in Zukunft überleben können, die ein Standing im Markt haben wie die Priceline Group oder Tripadvisor. Wir glauben einfach, dass wir dort noch Umsätze generieren können. Book-on-Plattformen sind dabei entscheidend: der Kunde verlässt die Seite des Distributionskanals nicht mehr, um dort in den Buchungsablauf einzutauchen und dort auch die Buchung abzuschliessen – im Namen von bedfinder. Wir sind Ansprechpartner für den Kunden, wir übernehmen die Veranstalter- oder Vermittlertätigkeit, wenn wir uns im Hotel-only-Bereich bewegen. Das ist der Hauptfokus.

Gibt es weitere Bereiche, die Sie anpeilen?

Wir sind auch nicht abgeneigt, wenn Partner ein sogenanntes Link-out-Model fahren, insbesondere im Package-Bereich ist das noch verbreitet. Wenn der Kunde draufklickt, wird er auf die Webseite des Anbieters geführt. Im Hotel-only-Bereich fahren wir aktuell nur Book-on mit Google in den USA und UK und wir sind mittlerweile auch Partner von trivago, live in den USA, Kanada, UK, Irland und Neuseeland.

«Wir müssen diese Dinge langsam angehen und können nicht gleich Tausende Passagiere bewegen»

Wie weit sind Sie mit dem Verknüpfen und Aufschalten von Pauschalreisen?

Seit August sind wir mit Pauschalreisen live. Wir haben das zunächst auf bedfinder.com eingebunden, ausschliesslich für den Point-of-sale Grossbritannien. Dort haben wir den Buchungsablauf auf unserer eigenen Webseite aufgeschaltet. Seit August sind wir auch auf Kayak und seit September auf Momondo in Grossbritannien präsent. Das sind vorerst noch die einzigen Partner. Wir sind dran, die Distribution im Package-Bereich weiter zu streuen. Für uns ist dieser Anfang auf kleiner Flamme sehr wichtig, weil wir uns in einem neuen Markt bewegen. Wir müssen diese Dinge langsam angehen und können nicht gleich tausende von Passagieren bewegen. Die ganzen rechtlichen Abklärungen, Health & Safety-Prozesse, etwa die Kundengeldabsicherung ATOL in Grossbritannien, das ist alles sehr komplex und nicht einfach zu stemmen. Das war ein klares Learning. Mit Pauschalreisen in einen anderen Markt als No-Name einzutreten, ist nicht einfach. Jedes Land hat seine eigenen Bestimmungen.

Treffen die Pauschalbuchungen auch ein?

Wir machen schon täglich unsere Buchungen. Bei uns auf bedfinder.com wie auch via die Partner, das hält sich etwa die Waage. Der Traffic wird auf den Metasearch-Kanälen generiert und viele Kunden schwappen dann rüber zu uns, wenn sie unseren Namen gesehen haben. Wir haben aktuell für unsere Webseite keine Marketingmassnahmen am Laufen. Wir werden Adwords austesten, wenn wir sehen, dass sich das für uns rechnet. Wenn man das in einem Mass betreiben kann, dass man Geld verdienen kann, dann ja. Sonst nicht.

Wieso haben Sie sich bei den Pauschalreisen zunächst für Grossbritannien entschieden und nicht etwa für Deutschland oder die Schweiz?

Das Business in der Schweiz betreiben wir mit unserer Schwester Hotelplan Suisse ja schon gut. Da muss nun nicht bedfinder kommen, um dort auch ein grosses Geschäft zu machen. bedfinder ist da, um Wachstum im Ausland zu generieren. Und da hat sich Grossbritannien aufgedrängt. Zwar auch ein umkämpfter Markt, aber wohl weniger heftig als in Deutschland. Dazu agiert unser Team in Budapest bisher in Englisch. Um eine neue Landessprache aufzusetzen, braucht es ein gewisses Volumen. Andere Märkte wie zum Beispiel Spanien haben wir auch im Auge, allerdings warten wir hier noch ab. In den nächsten Wochen werden wir einen Test mit trivago in den Niederlanden, Skandinavien und Polen starten, wenngleich wir dort deklarieren, dass die Buchungsabwicklung in Englisch erfolgt. Der DACH-Markt, auch die Schweiz, wird aber folgen, ein konkretes Timing haben wir noch nicht.

2019?

Durchaus denkbar.

Was ist bei den Packages alles dabei?

Vorerst nur Flug und Hotel, ohne Transfer. Noch diesen Oktober lancieren wir die Möglichkeit, Transfers und Versicherungen über Partner zu buchen. Im Booking-Flow ist dies aber noch nicht integriert, weil wir vorerst – auch in der Zusammenarbeit mit unserem System-Lieferanten Peakwork – noch andere Prioritäten haben.

«Ein Las-Vegas-Arrangement ab London war das allererste Package, das bedfinder verkauft hat»

Wir gross ist mittlerweile Ihr Team?

In Glattbrugg sind wir sechs Personen, in Budapest 15. Inhouse können wir auf zahlreichen Support aus anderen Abteilungen zählen. Die Datenanalyse ist bei uns ein grosses Thema. Wir versuchen verstärkt auch im Nachgang einer Buchung, die Kunden an der Stange zu halten mit CRM-Lösungen und hierzu benötigen wir Leute, die die Direktmarketingmassnahmen vorantreiben können. Wichtig für uns ist auch, unseren Fokus auf das Produkt zu richten, sei es vermehrt Low-Cost-Carrier anzubinden oder dezidierte Bedbanks an Bord zu holen, die für gewisse Märkte einen Mehrwert bringen. Bisher haben wir schon an die 500'000 Contracts in unserem System, da brauchen wir nicht noch jeden Me-too-Anbieter. Aber manche gibts noch, die beispielsweise in Griechenland oder Asien noch speziellen Content haben.

500'000 Contracts mit Einzelhäusern?

Nein, wir arbeiten ausschliesslich mit Bedbanks, sprich Hotelprovidern. Da sind in den 500'000 natürlich Doubletten drin, da es Überschneidungen zwischen den Anbietern gibt. Nichtsdestotrotz ist der Vorteil, dass wir von all diesen Quellen die Verfügbarkeiten und die besten Preise haben. Und es gibt zahlreiche Anbieter, die Exklusivcontent haben.

Und welches war das allererste Package, das Bedfinder verkauft hat?

Das war ein Las-Vegas-Arrangement ab London, im August erfolgte die Buchung. An die grosse Glocke haben wir das nicht gehängt. Wir rollen aus und sagen nichts, weil wir in Ruhe testen wollen. Wir versuchen uns nach und nach zu verbessern. Es geht darum, am Produkt zu feilen. Auch unser Team in Budapest muss Schritt um Schritt geschult werden. Wir wollen das so machen wie hier in der Schweiz: mit einem guten, unkomplizierten Service für die Kunden. Damit können wir uns künftig auch abheben.