Reiseanbieter
«Vergrault den Kunden nicht!»
Das Internet bietet eine Fülle von Möglichkeiten für die Reisebranche – nicht nur beim Recherchieren und Buchen, sondern auch im Bereich Marketing. Zu diesem Thema versammelten sich am Swiss Travel Summit vier Branchenvertreter.
Auch im Onlinemarketing gilt es eine Balance zu finden zwischen Kundengewinnung und nicht zu nerviger Aufdringlichkeit durch «Zuspammen» der Angesprochenen. Laut Luca Graf von der Swiss kann man Letzteres vermeiden, indem man die einzelnen Kunden besser kennt. So könne man sie gezielter anwerben anstatt mit allen möglichen Dingen, die zu einer gebuchten Reise passen könnten. Michael Buller vom deutschen Verband Internet Reisevertrieb (VIR) ergänzte: «Man soll dem Kunden nicht das antun, was man selber nicht möchte.»
Zum Thema Onlinebewertungen meinte Andreas Nau vom Buchungsportal Expedia, dass Kunden besser schon während einer Reise und nicht erst danach die Leistungen bewerten sollten. «Sie erhalten Pushnachrichten aufs Smartphone und können sogleich mittels Smileys eine Bewertung abgeben.» Eine weitere Herausforderung im Onlinemarketing ist personeller Art: Pablo Castillo von der Hotelplan Group bemängelt, dass zu wenig Ausbildung in diesem Feld stattfindet. «Die richtigen Leute zu finden, ist schwieriger, als etwa das Online-Marketingbudget zu verwalten.»
Keine Angst vor dem Internet
Vorgängig zur Podiumsdiskussion hielt Michael Buller vom deutschen Verband Internet Reisevertrieb (VIR) ein Referat. Das böse Internet, die unheimlichen neuen Technologien: Eine solche Haltung mache ihn wütend, sagte er. Buller nahm kein Blatt vor den Mund und ermunterte die Zuhörenden, Mut gegenüber der Digitalisierung zu haben, die so oft verteufelt werde. Dazu gehöre auch der Mut, mal zu scheitern, anstatt risikofrei weiterzumachen wie bisher.
Buller wetterte auch gegen diverse Zeitungsschlagzeilen, gemäss denen das Internet in der Reisebranche auf dem absteigenden Ast sei. «Nein, im Gegenteil, das Online ist die Zukunft!», sagte der Deutsche und verwies auf die deutlichen Zahlen aus dem vorhergehenden Google-Referat. Immer wieder entlarvte er auch auf humorvolle Art, wie passiv bis ängstlich sich viele Leute nach wie vor verhalten, wenn es um digitale Innovationen geht. «Es ist mein tägliches Business, die Leute wachzurütteln», schloss Buller sein Referat ab.