Services

Kerosin gehört zu den wichtigsten Kostenfaktoren der Airlines und wird aktuell durch die Krise im Nahen Osten deutlich teurer. Bild: Swissport

Gute Frage Kann einem Flugzeug der Sprit ausgehen?

Steigende Kerosinpreise und angepasste Flugpläne aufgrund des Iran-Kriegs verunsichern derzeit viele Flugpassagiere. Aber wie realistisch ist die Gefahr, dass einem Passagierflugzeug tatsächlich der Treibstoff ausgeht? Travelnews klärt auf.

Der Iran-Krieg und der damit verbundene Konflikt rund um die strategisch wichtige Strasse von Hormus löst derzeit nicht nur geopolitische Spannungen aus, sondern beschäftigt auch die Luftfahrtbranche. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman verläuft ein wichtiger Teil des weltweiten Ölhandels – und damit auch die Versorgung der Luftfahrt mit Kerosin.

Die Unsicherheit an den Märkten hat die Treibstoffpreise deutlich steigen lassen. Einige Airlines haben bereits reagiert und Flugpläne ausgedünnt oder Anpassungen im Streckennetz vorgenommen, um Kosten zu senken. Gleichzeitig stellt sich für manche Reisende plötzlich eine grundsätzliche Frage: Kann einem Flugzeug eigentlich der Sprit ausgehen?

Die kurze Antwort lautet: Ja, theoretisch schon. In der Praxis ist das bei modernen Airlines jedoch extrem selten. Die Luftfahrt gehört zu den am strengsten regulierten Branchen überhaupt, gerade beim Thema Treibstoff.

Sicherheitsreserven sind gross

Vor jedem Flug berechnen Dispatcher und Cockpit-Crews den Kerosinbedarf sehr genau. Dabei geht es längst nicht nur um die eigentliche Flugstrecke. Hinzu kommen Reserven für schlechtes Wetter, Warteschleifen, Umleitungen oder einen möglichen Ausweichflughafen. Selbst zusätzliche Faktoren wie Gegenwind oder Verzögerungen am Boden fliessen in die Berechnungen ein.

Internationale Vorschriften schreiben Airlines verbindliche Mindestreserven vor. Ein Flugzeug startet also nie mit einer minimal kalkulierten Treibstoffmenge. Dass ein Flugzeugtank komplett leer ist, kommt deshalb nur in absoluten Ausnahmefällen vor. Meist spielen dabei mehrere Faktoren zusammen, etwa Fehlberechnungen, Missverständnisse oder technische Probleme.

Berühmt wurde etwa der sogenannte «Gimli Glider» von Air Canada aus dem Jahr 1983. Wegen eines Fehlers bei der Berechnung der Treibstoffmenge ging einer Boeing 767 mitten im Flug der Sprit aus. Die Piloten konnten die Maschine jedoch spektakulär ohne Triebwerke auf einem ehemaligen Militärflugplatz sicher landen.

Auch moderne Jets würden bei einem kompletten Triebwerksausfall nicht einfach vom Himmel fallen. Verkehrsflugzeuge können überraschend weit gleiten – ähnlich wie ein Segelflugzeug, nur deutlich schneller.

Statistisch gesehen ist Treibstoffmangel in der kommerziellen Luftfahrt heute äusserst selten. Studien zeigen, dass entsprechende Vorfälle vor allem in der privaten Kleinfliegerei vorkommen.

Für Passagiere bedeutet das: Selbst wenn Kerosin weltweit knapper und teurer wird, müssen sie nicht befürchten, dass ihrem Ferienflieger plötzlich über den Wolken der Sprit ausgeht. Wahrscheinlicher sind höhere Ticketpreise, längere Flugzeiten oder Anpassungen im Flugplan.

(RSU)