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Sie nahmen an der Travelnews-Trendumfrage teil, von links: Christian Granwehr (Reisebüro Buchs), David Léchot (Indalo Space), Gabi Auinger (Der Reisekoffer), Jonas Sulzberger (Sulzberger Reisen) und Valbone Hoxha (L'Atelier du Voyage). Bilder: HO/Adobe Stock

«Insgesamt ist das Reisejahr eher schwierig»

Gregor Waser

Nach dem ersten Jahresdrittel ziehen fünf Reisebüro-Profis Bilanz: Sie erklären, wo es harzt, welche Destinationen boomen und wie die Kundschaft auf die weltweite Lage reagiert.

Wie erfolgreich ein Reisejahr ausfällt, lässt sich spätestens nach vier Monaten sagen. «Wie läuft's?», wollte Travelnews von fünf Reisebüro-Geschäftsführern zwischen Schaffhausen und Lausanne in Erfahrung bringen.

Klar ist: Das Reisejahr ist seit dem 28. Februar geprägt von der Nahost-Eskalation und damit veränderten Reiseströmen, einer gewissen Zurückhaltung und alternativen Zielen. Das sagen die fünf Reisebüro-Profis:

Christian Granwehr, Reisebüro Buchs, Buchs SG

«Wir kämpfen aktuell mit der geopolitischen Lage. Der Nahe Osten fällt nicht nur als Ziel weg, viele Kunden meiden auch die Flugrouten via Emirate. Das führt zu einem Engpass bei alternativen Verbindungen: Die Preise steigen massiv, die Verfügbarkeiten schwinden. Viele Kunden vertagen ihre Reisepläne deshalb – leider.»

David Léchot, Indalo Space, Fribourg

«Trotz des Ausbruchs des Konflikts im Iran stellen wir mit Zufriedenheit fest, dass die Tourismussaison sowie die Buchungen für das laufende Jahr auf einem guten Niveau bleiben.Was unser Reiseveranstaltergeschäft betrifft, so verzeichnen die Reiseziele im Indischen Ozean wie Mauritius, La Réunion und die Seychellen trotz der Spannungen im Nahen Osten sehr gute Ergebnisse. Darüber hinaus verzeichnen wir trotz Stornierungen in Kuba einen Anstieg in der Karibik, insbesondere in Guadeloupe, Martinique und auf den ABC-Inseln. Gleichzeitig verzeichnet Französisch-Polynesien weiterhin gute Zahlen.»

Gabi Auinger, Der Reisekoffer, Winterthur

«Wir verzeichnen derzeit viele kurzfristige Buchungen, hauptsächlich in Europa, sei es nach Portugal, Griechenland, Irland oder Skandinavien, von Badeferien bis hin zu kompletten Rundreisen, und deutlich mehr als in den Vorjahren um diese Jahreszeit. Dazu kommen auch immer wieder schöne Langstrecken-Dossiers, aber weniger als in den letzten Jahren. Die stark gesunkene Nachfrage für die USA merken wir sehr – mehrere von uns sind auf die Destination spezialisiert. Dafür läuft Kanada ausserordentlich gut. Insgesamt ist das Jahr seit dem Ausbruch des Nahost-Konflikts eher schwierig. Das Vertrauen der Kunden in die Golf-Airlines ist geschwunden und Flugalternativen je nachdem schwierig oder teuer. Undwenn der Kerosin-Mangel in den Medien jeweils thematisiert wird, erklären uns Kunden, dass sie dieses Jahr mit dem Auto in Europa verreisen würden, weil sie Angst haben, irgendwo hängen zu bleiben, oder dass es in der Schweiz auch schön sei.»

Jonas Sulzberger, Reisebüro Sulzberger, Neuhausen SH

«Die Nachfrage in diesem Jahr ist harzig, Vor allem in Richtung USA, den Vereinigten Arabischen Emirate und Oman fehlen uns die Buchungen. Gut hingegen läuft es auf einigen anderen Langstrecken, etwa ins Südliche Afrika. Aber auch Spanien, Portugal und Nordeuropa laufen gut bei uns.»

Valbone Hoxha, L'Atelier du Voyage, Lausanne

«Ab dem 1. März kam es zu einem deutlichen Rückgang, der den ganzen Monat über anhielt und sich bis in die Osterferien hinein fortsetzte. Dann gingen nach und nach wieder mehr Anfragen ein. Bei unseren Fernreisezielen liegt derzeit Lateinamerika im Trend, allen voran Costa Rica. Danach folgen Mexiko und Argentinien. Im Gegensatz dazu ist es in Südostasien etwas ruhiger, auch wenn die Region langfristig ein sicherer Wert bleibt. Manche Kunden verschieben ihre grossen Pläne direkt auf 2027 und wählen dieses Jahr Ziele in der Nähe. In Europa ist Griechenland gut nachgefragt. Auch der Balkan ist gefragt: Er bietet jenen Tapetenwechsel, den viele Kunden suchen, die trotz der unsicheren Lage in Europa bleiben wollen. Was den Umsatz angeht, hoffen wir trotz des Buchungsrückgangs im März und April, das Gesamtjahr dennoch mit einem zufriedenstellenden Ergebnis abschliessen zu können.»