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Erstmals äussert sich Edelweiss-CCO Patrick Heymann zu den gestiegenen Ticketpreisen in der Business Class. Bilder: EDW / Linkedin

So rechtfertigt Edelweiss die Preisexplosion auf der Malediven-Strecke

Reto Suter

Nach scharfer Kritik aus der Reisebranche nimmt die Ferienfluggesellschaft Edelweiss erstmals Stellung zu den massiv gestiegenen Ticketpreisen auf der Strecke zwischen Zürich und Malé. Die Airline weist Abzocker-Vorwürfe zurück und begründet den happigen Preisanstieg mit der aussergewöhnlichen Marktsituation.

Die Kritik aus der Reisebranche ist deutlich. Martin «Tinu» Fiedler, Inhaber von Zentrum Reisen in Mels SG, wirft der Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss in einem offenen Brief vor, mit massiv erhöhten Business-Class-Preisen jede Verhältnismässigkeit zu verlieren.

Anstelle nachvollziehbarer Preisanpassungen habe die Airline die Tarife mehr als verdoppelt und damit ein Niveau erreicht, das selbst im Premiumbereich kaum zu rechtfertigen sei. Besonders stossend: Die Preise stünden in keinem Verhältnis mehr zu Produkt, Markt oder bisheriger Partnerschaft mit der Reisebranche. Konkret prangert er ein Business-Class-Ticket von Zürich nach Malé für 10'620 Franken an.

Fiedler spricht von einem Kipppunkt, an dem nicht mehr von Marktmechanismen, sondern von gezielter Abschöpfung gesprochen werden müsse. Sein Appell ist klar: Edelweiss müsse Transparenz schaffen und sich wieder auf eine faire, nachhaltige Zusammenarbeit besinnen – statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Mit seinen Worten traf er einen Nerv und erhielt entsprechend viel Zuspruch von anderen Reiseprofis.

Edelweiss sieht Markt als Treiber

Nun äussert sich die Edelweiss erstmals zu den Vorwürfen und bemüht sich, die Wogen zu glätten. Patrick Heymann, Chief Commercial Officer der Airline, weist zentrale Kritikpunkte zurück. «Wir haben auf der Malediven-Strecke keine strukturellen Preisanpassungen vorgenommen», sagt er in einem Online-Mediengespräch.

Auch die Kritik, man habe die Preise gezielt wegen des Iran-Kriegs erhöht, sei unbegründet. Tatsächlich habe die Edelweiss lediglich die sogenannte International Surcharge angepasst – konkret am 9. und 18. März 2026. Dabei handelt es sich um eine Taxe, die einen Teil der Treibstoffkosten abdeckt. Für Economy-Passagiere beträgt diese 50 Franken, für Business-Gäste 200 Franken pro Hin- und Rückflug.

Heymann sieht den Hauptgrund für die höheren Preise vor allem in der aktuellen Marktsituation. Viele Verbindungen über die Drehkreuze in der Golfregion seien weggefallen, wodurch sich das Angebot stark verknappt habe. «Wenn die Nachfrage zunimmt und gleichzeitig weniger Flüge verfügbar sind, steigen die Preise innerhalb der bestehenden Tarifstruktur automatisch», erklärt er.

Wie hoch die Preise maximal steigen können, lässt Heymann offen. Man befinde sich derzeit in einer «absoluten Ausnahmesituation», die sich entsprechend im Preisbild widerspiegle – sowohl auf der Strecke Zürich–Malé als auch in umgekehrter Richtung.

Preisunterschiede je nach Destination

Den Vorwurf, die Edelweiss entferne sich mit solchen Preisen vom Anspruch einer Ferienfluggesellschaft für alle, weist Heymann zurück. «Es handelt sich um einzelne Strecken, die von der aktuellen Lage besonders betroffen sind.» Über das Jahr hinweg fliege die Edelweiss mehr als 100 Destinationen an, betont er, und verweist auf preisgünstigere Alternativen, etwa in Nordamerika und Afrika.

Gleichzeitig gibt Heymann zu, dass auch andere Strecken von spürbaren Preissteigerungen betroffen sind. Besonders Verbindungen, die üblicherweise über die Golfregion führen, seien derzeit teurer, etwa auf die Seychellen oder nach Mauritius.

Eine Stichprobe zeigt: Die Preisniveaus liegen dort nahe an jenen der Malediven oder sogar darüber. So fand Travelnews für die Seychellen Business-Class-Tarife von rund 16’000 Franken während der Frühlingsferien, während Flüge nach Mauritius für knapp 10'000 Franken zu haben sind. Gleichzeitig gibt es Langstrecken-Destinationen mit deutlich moderateren Preisen. So sind Business-Class-Flüge nach Phuket aktuell für knapp 6000 Franken hin und zurück erhältlich.

Von einem angeschlagenen Vertrauensverhältnis zur Reisebranche will Heymann nichts wissen. Die Edelweiss agiere transparent, sagt er: «Alle unsere Preise sind öffentlich einsehbar und bekannt.» Direkte Rückmeldungen aus den Reisebüros zur Preisgestaltung habe die Airline nicht erhalten.

Die Fronten bleiben damit vorerst verhärtet. Während die Branche von überrissenen Preisen spricht, sieht die Edelweiss vor allem die Marktmechanismen am Werk. Klar ist: Die Diskussion über Fairness und Verhältnismässigkeit dürfte die Airline im Zuge des Iran-Kriegs weiter begleiten.