On The Move

Die Swiss gilt innerhalb der Lufthansa-Gruppe als stabiler Gewinnbringer – trotzdem droht ab 2026 ein Kompetenzverlust. Bild: TN

Lufthansa bindet Swiss noch stärker an

Die Lufthansa-Gruppe stellt ihre Konzernstruktur neu auf, zeigen interne Pläne. Die Zentrale in Frankfurt soll künftig deutlich mehr bestimmen – auch über die Swiss. Diese verteidigt ihre Eigenständigkeit.

Um frustrierte Passagiere zurückzugewinnen, setzte der Lufthansa-Konzern zuletzt auf zusätzliche Puffer im Flugplan. Das brachte mehr Pünktlichkeit und bessere Bewertungen – allerdings auf Kosten der Produktivität der Flotte. Während Konkurrenten wie IAG oder Air France-KLM im ersten Halbjahr ihre Gewinne ausbauen konnten, rutschten die Premium-Airlines der Lufthansa-Gruppe mit Ausnahme der Swiss in die roten Zahlen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zieht nun die Konsequenzen. Unter dem Projektnamen «Matrix Next Level» sollen ab Anfang 2026 wesentliche Kompetenzen an die Konzernzentrale wandern, schreibt das deutsche «Handelsblatt» (Abo). Geplant ist, dass in Frankfurt künftig über Netzplanung, Vertrieb und Vielfliegerprogramme entschieden wird. Für die einzelnen Airlines wie Lufthansa, Swiss, Austrian oder Brussels bliebe vor allem die Verantwortung fürs Produkt an Bord – etwa Kabine oder Service.

Kritik an der Zentralisierung

Die Pläne stossen auf Skepsis. Luftfahrtexperte Gerald Wissel warnt im «Handelsblatt»: «Es passt einfach nicht zusammen, dass der CEO einer Gruppen-Airline für Umsatz und Ergebnis zuständig ist, aber gleichzeitig nicht mehr alleine über Flotte, Flugplan und Preisgestaltung entscheiden darf.» Er sieht die Gefahr, dass die Tochtergesellschaften zu reinen «Produktionsplattformen» degradiert werden.

Besonders für die Swiss sind die Änderungen heikel. Die Airline gilt als stabiler Gewinnbringer der Gruppe – anders als viele Schwester-Airlines. In einer Stellungnahme betont die Swiss, man werde die neue Struktur aktiv mitgestalten: «Wichtig ist uns aber zu sagen, dass die Swiss als starke Airline bestehen bleibt. In Zukunft soll sie weiterhin Entscheide für ihr Angebot selbst fällen können.»

Zugleich erinnert die Swiss an die Vorteile der Zugehörigkeit: Dank Konzern-Synergien könne man jährlich rund eine Milliarde Franken investieren – ein Volumen, das allein kaum realisierbar wäre. Im September will die Lufthansa-Gruppe endgültig über die neue Aufgabenverteilung entscheiden. Dann zeigt sich, ob die Zentrale in Frankfurt ihre Machtpläne wie vorgesehen durchsetzt – und wie viel Unabhängigkeit der Swiss tatsächlich bleibt.

(TN)