On The Move

Sechs auf einen Streich: Sebastian Kickmaier (Mitte) hat mit Melissa Clausen (links oben), Remo Strub (links Mitte), Svena Wesemann (links unten), Beatrice Honegger (rechts oben), Yannick Stampfli (rechts Mitte) und Natalie Lack (rechts unten) ein halbes Dutzend Hotelplan-Mitarbeitende zu Knecht Reisen gelotst. Bilder: Knecht Reisen / Linkedin

Kommentar Ein starker Zug, der Wellen schlägt

Reto Suter

Der neue Knecht-CEO Sebastian Kickmaier hat schnell gehandelt – und mit sechs Zuzügen von Hotelplan ein deutliches Signal gesendet. Doch sein Coup hinterlässt nicht nur Lücken bei der ehemaligen Arbeitgeberin, sondern auch Fragen im eigenen Haus.

Es war absehbar, womit Sebastian Kickmaier als frischgebackener CEO von Knecht Reisen beginnen würde: mit dem Personal. Seit dem 1. Juli 2025 an der Spitze des Traditionsunternehmens, musste er rasch handeln. Denn am Hauptsitz in Windisch klaffen nach einer Welle von Abgängen grosse Lücken. Teils ist das Know-how bereits weg, teils stehen weitere Abgänge kurz bevor.

Die Gerüchteküche brodelte: Würde Kickmaier bei seiner früheren Arbeitgeberin Hotelplan Suisse wildern? Die Voraussetzungen waren günstig. Hotelplan steht mitten in der Übernahme durch die Dertour Group. Viele Mitarbeitende wissen nicht, was die Zukunft bringt – oder ob sie im neuen Konstrukt überhaupt noch Platz finden. Kickmaier hat seine Chance genutzt. Und wie.

Gleich sechs Branchenprofis, allesamt von Hotelplan Suisse, wechseln im Herbst zu Knecht Reisen. Ein starker Fang. Kickmaier dürfte mit Argumenten wie Planungssicherheit, attraktiven Aufgaben und womöglich auch besseren Konditionen überzeugt haben.

Ganz so einfach war es aber wohl nicht: Viele Hotelplan-Mitarbeitende sind loyal und mit Herzblut dabei. Dass sich gleich ein halbes Dutzend zum Wechsel entschied, zeigt: Kickmaier hat Überzeugungsarbeit geleistet. Und ein Zeichen gesetzt. Nur zwei Wochen nach Amtsantritt steht sein neues Team – mit geballter Erfahrung.

Schachzug mit Nebenwirkungen – und offenen Fragen

Doch der personelle Kraftakt hat auch Schattenseiten. Bei Hotelplan hinterlässt der Abgang der langjährigen Branchenprofis ein Loch. Besonders bitter: Unter den Wechselwilligen sind mehrere Urgesteine – zusammengenommen bringen sie weit über 50 Jahre Branchenerfahrung mit.

Nicht wenige von Kickmaiers früheren Weggefährten bei Hotelplan dürften angesichts der gezielten Abwerbe-Aktion die Stirn runzeln. Immerhin war der neue Knecht-CEO selbst rund 14 Jahre für die Migros-Reisetochter tätig – und hat sie erst vor weniger als einem Jahr verlassen.

Auch bei Dertour, der mutmasslich neuen Eigentümerin von Hotelplan, dürfte man sich die Augen reiben. Denn mehrere versierte Touristikerinnen und Touristiker, auf die man sich als künftige Verstärkung gefreut hatte, schlagen nun einen anderen Weg ein – bevor sie überhaupt Teil des erweiterten Konzerns werden konnten.

Bei Knecht Reisen intern bleibt es ebenfalls nicht ruhig: Mit den Neuzugängen von aussen verlieren bestehende Mitarbeitende Führungsfunktionen und werden zurückgestuft. Ob die Chemie zwischen dem bisherigen Team und den Neuen aus dem Kickmaier-Umfeld stimmt, muss sich zeigen.

Fest steht: Das Fundament für den Neustart ist gelegt. Nach turbulenten Monaten ist nun Stabilität gefragt – und ein gemeinsames Ziel: Das Vertrauen der Reisebüros zurückgewinnen und Knecht Reisen als starke Tour-Operating-Marke im Schweizer Markt neu positionieren.