Trips & Travellers
Steigende Kerosinkosten: So reagieren die Schweizer Reiseveranstalter
Reto SuterDer Iran-Krieg wirkt sich zunehmend auf die Flugpreise aus. Durch die gestörten Lieferketten rund um die Strasse von Hormus sind die Kerosinpreise seit Anfang März deutlich gestiegen. Weil Treibstoff bis zu einem Drittel der Kosten ausmacht, haben viele Airlines ihre Ticketpreise in den vergangenen Wochen angehoben.
Für Reisende, die jetzt buchen, ist das zwar unangenehm, weil ihr Flug teurer wird, aber immerhin nachvollziehbar. Richtig ärgerlich kann es für jene werden, die ihr Ticket bereits gekauft haben. Denn einige Airlines verlangen bei weiter steigenden Treibstoffkosten nachträglich Zuschläge.
Ein Beispiel dafür ist die spanische Fluggesellschaft Volotea. Die Airline hat eine neue Preisregel für alle Tickets eingeführt, die seit dem 16. März gekauft wurden. Sieben Tage vor Abflug überprüft Volotea demnach die Marktpreise für Treibstoff und kann je nach Entwicklung einen Zuschlag von bis zu 14 Euro erheben. Sinkt der Kerosinpreis, will die Airline den Passagieren im Gegenzug bis zu 14 Euro erstatten.
Wann Aufpreise zulässig sind
Simon Sommer, Mitgründer des Fluggastrechte-Portals Cancelled.ch, stellt gegenüber SRF klar: «Aus unserer Sicht ist ein solcher nachträglicher Aufpreis in der Regel nicht zulässig. Der Grund dafür ist, dass der Flugpreis ein wesentlicher Bestandteil des Beförderungsvertrages ist.»
Mit der Buchung und Bezahlung werde dieser Preis grundsätzlich verbindlich festgelegt. Nachträgliche Anpassungen – insbesondere einseitige Preiserhöhungen durch die Airline – seien normalerweise nicht vorgesehen, so Sommer.
«Damit eine Airline den Preis tatsächlich im Nachhinein anpassen dürfte, müsste dies ausdrücklich und transparent in den Vertragsbedingungen vorgesehen sein. Solche Klauseln sind im klassischen Verkauf von Flugtickets jedoch eher unüblich. Sie kommen höchstens bei einzelnen Airlines vor, die variable Preise anbieten, die an die Entwicklung der Kerosinpreise gekoppelt sind», erklärt der Insider.
Anders kann sich die Situation bei der Buchung eines Pauschalarrangements über einen Reiseveranstalter darstellen. «In solchen Fällen sind unter bestimmten Voraussetzungen Preisanpassungen möglich – allerdings nur, wenn diese bereits in den ursprünglichen Vertragsbedingungen klar vorgesehen waren», sagt Sommer.
Preise bleiben meist fix
Damit stellt sich die zentrale Frage: Geben Reiseveranstalter gestiegene Treibstoffkosten im Nachhinein an ihre Kundinnen und Kunden weiter? Travelnews hat dazu bei mehreren grossen Playern der Schweizer Reisebranche nachgefragt.
Sonja Ptassek, Sprecherin von TUI Suisse, sagt kurz und knapp: «Die Flugpreise bei bereits verkauften Pauschalreisen sind fixiert. Nachträgliche Belastungen sind in diesem Fall ausgeschlossen.»
Ähnlich tönt es bei Dertour Suisse. «Bei Pauschalreisen sind die Flugpreise in der Regel zum Zeitpunkt der Buchung fixiert», erklärt Kommunikationschef Stephan Kurmann und ergänzt: Nachträgliche Anpassungen seien nur in klar definierten Ausnahmefällen möglich und erfolgten zurückhaltend.
«Derzeit beobachten wir vereinzelt steigende Kosten auf Airline-Seite, diese führen aber nicht automatisch zu nachträglichen Zuschlägen für bereits gebuchte Reisen», sagt Kurmann.
Sollte es zu Anpassungen kommen, würden die Kundinnen und Kunden sowie die Vertriebspartner von Dertour Suisse frühzeitig informiert. «Dabei legen wir grossen Wert auf transparente Kommunikation und darauf, gemeinsam passende Lösungen zu finden.»
Knecht Reisen erhebt bis dato keine Treibstoffzuschläge auf eigene Tour-Operating-Arrangements. «Eine Weiterverrechnung erfolgt aktuell ausschliesslich dann, wenn Knecht Reisen als Vermittler auftritt und der jeweilige Reiseveranstalter respektive eine Airline einen Treibstoffzuschlag erhebt», so Matthias Reimann, Sprecher des Unternehmens.
Knecht Reisen prüft jeden Fall einzeln. Laut Reimann erfolgt eine mögliche Weiterbelastung transparent und jeweils individuell pro Dossier. Pauschale oder automatische Nachbelastungen ohne vorgängige Information schliesst der Reiseveranstalter aus.
Die Umfrage zeigt: Bei Pauschalreisen bleiben die Preise in der Regel stabil. Nachträgliche Zuschläge sind die Ausnahme. Reiseveranstalter setzen auf Transparenz und sind bei Preisanpassungen zurückhaltend.