Auf den Spuren von Filmhelden in ganz Europa

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Der Tourismus zu Filmschauplätzen ist - mal von Corona abgesehen - in voller Blüte. Inspirieren lassen kann man sich ganz klassisch mit einem Buch. Bild: AdobeStock

In Kürze erscheint das Buch «Location Tour» des Schweizers Roland Schäfli, welches an die schönsten Filmschauplätze in der Schweiz sowie in weiteren europäischen Ländern führt. Wir präsentieren erste Auszüge davon.

So genannter «Filmtourismus» ist in der Reisebranche ein immer wichtigerer Zweig. Das hat Travelnews bereits 2016 festgehalten; geändert hat sich seitdem daran kaum etwas. Orte, die uns aus Filmen bekannt sind, üben einfach eine spezielle Anziehungskraft aus. Und spätestens mit Netflix gibt es auch Orte, die nicht mehr nur in den USA oder den wichtigsten europäischen Metropolen liegen. Die Fans von Filmen und Serien wollen diese nicht mehr nur am Bildschirm erleben, sondern auch real in die geliebten Werke eintauchen, durch Präsenz am Drehort etwas von der filmischen Magie einfangen, oder einfach sagen können, dass sie auch dort waren.

Der Trend geht so weit, dass man im Filmtourismus nichts weniger als die Zukunft der Tourismusvermarktung sieht; am Beispiel der Erfolgsserie Game of Thrones zeigte sich, wie ganze Länder - in diesem Fall besonders Nordirland, Kroatien und Malta - vom Run auf die Drehorte profitieren und deren Tourismusbüros speziell massgeschneiderte Tourenprodukte auf die Beine stellten. Auch Reedereien machten mit. «Location Hunting» lautet die Pilgerreise zum Drehort im Fachjargon. Ein Problem dabei: Über einzelne Filme oder Serien findet man allerhand, in der Übersicht finden Filmfans allerdings noch relativ wenig. Bislang war der Film per se die Inspirationsquelle - was aber, wenn ein Kompendium erst den Anstoss gibt, um auf «Location Hunting» zu gehen? Dabei erfährt man vielleicht auch gleich mehr über die Drehorte und über passende filmische Anekdoten dazu.

Ab März beim Reiseknowhow-Verlag

Von dieser Prämisse ausgehend hat der Schweizer Roland Schäfli aus Gachnang TG ein Buch namens «Location Tour» geschrieben, welches im März im Reiseknowhow-Verlag erscheinen wird. Er versteht dieses als Reiseführer der etwas anderen Art: «Als Tourguide führt das Buch nicht nur zu den schönsten Filmdrehorten Europas, es lässt auch die Ereignisse während der Dreharbeiten lebendig werden.»

Mit über 350 vorgestellten Filmen, die in 17 Ländern Europas entstanden, ist es Schäfli zufolge das bislang umfangreichste Buch seiner Art. Präsentiert werden Drehorte in der Schweiz, in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Tschechien, den Niederlanden, Spanien, England, Schottland, Irland, Kroatien, Slowenien, Montenegro, Bosnien & Herzegowina, Malta und Griechenland. Platz hat es sowohl für berühmte und kontemporäre Filme als auch für weniger Bekanntes und ältere Filmklassiker. Übersichtskarten helfen bei der geografischen Orientierung.

Das Vorwort verfasst hat übrigens Stefan Zürcher - der Schweizer wirkte in den 70er-Jahren beim James-Bond-Film «Im Geheimdienst Ihrer Majestät», der auch Drehorte im Berner Lauterbrunnental umfasste, als Stuntman mit und war später als Location-Manager bei weiteren Bond-Filmen involviert, zuletzt bei «Spectre».

Ist das Timing für die Bucherscheinung mitten einer Pandemie nicht unglücklich? Schäfli sieht das pragmatisch. Viele beschrieben Schauplätze befinden sich ja in der Schweiz oder in den Nachbarländern, die man in der Regel einfach bereisen kann. Bei weiter entfernten Zielen mag es noch etwas länger dauern - aber viele Filme sind ja zeitlos, also sind es die Reisen dorthin gewissermassen auch.

Heidi in Bergün und Basel...

An dieser Stelle wollen wir Ihnen Auszüge aus dem Buch nicht vorenthalten. Dazu je ein Ausschnitt aus dem Kapitel zur Schweiz und eins aus dem Kapitel zu Kroatien.

Die Marke «Heidi»

«Ein Kuraufenthalt in Bad Ragaz und der Besuch im „Dörfli“ Maienfeld inspirierten Johanna Spyri zur Romanfigur des Waisenkinds,
das heutzutage gerne von zahlreichen Tourismusverbänden adoptiert werden würde. Auch als Filmstoff bot sich der Weltbesteller geradezu an, um aus dem Alpen-Szenario Profit zu schlagen. Obwohl die erste Verfilmung von 1937, mit Kinderstar Shirley Temple in der Titelrolle, noch vor aufgemalten Kulissen im Hollywood-Studio entstand. Es sollte bis 1952 dauern, dass der Impuls für eine Verfilmung aus der Schweiz selbst kam: Die in Finanznöte geratene Praesens-Film suchte nach einem schnell realisierbaren Projekt: Volksnah und billig sollte es sein. Natürlich – Heidi! Maienfeld hatte sich seit den Erzählungen von Johanna Spyri bereits zu stark verändert, darum wich man nach Bergün aus.

Ein Rundwanderweg führt von Stuls zum Drehort Falein, hoch über Filisur, gesäumt mit Schautafeln, die Wissenswertes zu den
Heidi-Filmen erzählen. Die „Heidihütte“ kann von außen besichtigt werden. Frankfurt stand als Drehort nicht zur Verfügung, weil die Trümmer des Weltkriegs das Bild verstellten – man behalf sich mit Basel als Ersatz. Der Erfolg von „Heidi“ zog zwei Jahre darauf die Fortsetzung Heidi und Peter nach sich – und damit den ersten Schweizer Farbfilm (die Sturmsequenz mit der Überschwemmung des „Dörfli“ entstand in den Münchner Bavaria-Studios).»

Zweimal Roswell

«Als RTL ankündigte, „Winnetou“ für einen Fernseh-Dreiteiler „an den Originalschauplätzen“ neu zu verfilmen, waren damit keineswegs amerikanische gemeint. Nahe der kroatischen Ortschaft Fužine, auf dem Feld Spicunak, wurde im komplett gerodeten Tal mit 300 Kubikmetern Holz die Eisenbahnerstadt Roswell errichtet – ein mögliches neues Ausflugsziel der Fans. Die Bretterbuden wurden vorausschauend für mögliche weitere Produktionen stehen gelassen.

Das Roswell des ersten „Winnetou“-Spielfilms liegt an der Straße D59 (in Richtung Kistanje) bei Zečevo. In dieser Ödnis ließ Old Shatterhand den Zug (tatsächlich eine Lok der jugoslawischen Staatsbahn) direkt in den Saloon dampfen. Wodurch der Euro-Western in Sachen Aufwand und Action endgültig nicht mehr hinter Hollywood-Produktionen zurückstehen musste.»

(JCR)