Per Tram und Bus auf City-Tour im echten Leben

Von Andreas Güntert
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Runde Sache: Coole Stadtrundfahrt in Zürich. Bilder: Internaut

Städte per Touri-Bus erfahren? Kann man machen. Ebenso reizvoll: Eine coole Stadtrundfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Jede City hat eine szenische ÖV-Route. Wir finden sie.

Er sagte: «4», ich sagte «8». Bezüglich Zahlen waren sich der Mann und ich also nicht ganz einig. Aber in der Sache stimmten der Züri-Tram-Profi und der Internaut hundert Prozent überein.

Die Sache ist die: Eine coole Stadtrundfahrt muss nicht im Touristenbus stattfinden. Genau so gut und genau so eindrücklich geht das auch im öffentlichen Verkehrsmittel.

Himmelblick beim Bahnhof Hardbrücke. Ich würde jetzt mal behaupten: Aus dieser Optik sieht man Zürich nicht auf offizieller Stadtrundfahrt .

Wenn nicht sogar besser: Abseits der Stosszeiten sind meist viele Plätze frei in den City-Trams und -Bussen, im Passagierraum bekommt man den Sound der lokalen Bevölkerung mit.

Und man fährt nicht nur eine Postkartenkulisse ab, sondern erhält auch Ansichten der Stadt, die nicht schon tausendfach auf Instagram geposted worden sind.

Die ganze Stadt durchs Fenster erleben. Und als Zugabe im Bus drin

Der Internaut kennt Menschen, deren grösstes Londoner Vergnügen es ist, sich einfach in einen Bus zu setzen. Egal welche Richtung, egal welche Route: Hauptsache dass London vorm Fenster vorbeizieht. Und dass im Bus drin London herrscht.

Ohne die Kakophonie mitreisender Reisegruppen, ohne schnarrende Stimme des Reiseleiters im Billigst-Kopfhörer oder über einen scheppernden Lautsprecher. Im öffentlichen Verkehr erlebt man jede Stadt im Takt ihrer Menschen. Und ihrer Busse, Trams und S-Bahnen. Und das zum meist sehr freundlichen ÖV-Preis der Locals.

Coole Stadtrundfahrt: die Kult-ÖV-Linien dieser Welt

Natürlich gibt es Beispiele für szenische ÖV-Routen, die längst Allgemeingut geworden sind. Etwa in Lissabon: Hier hat die Tram-Linie 28 Kult-Charakter. Oder Budapest: Mit dem Tram Nummer 2 der Donau entlangzuckeln, ist, wie die halbe Welt weiss, Meditation pur.

Oder in New York: Die Fähre zwischen der Südspitze von Manhattan und Staten Island ist fast schon ein Must für Touristen. Wobei man auf diesen bestbekannten Linien mitunter Gefahr läuft, ein Tourist mehr unter einer Vielzahl von Touristen zu sein.

Zu New York übrigens habe ich mir einen Alternativ-Tipp beim Insider und Localike New York-Gründer Andreas Leuzinger geholt, der für den Internauten mal eine Starke Strecke aus dem Big Apple beigesteuert hat. Eine Stadt, in der auch die U-Bahn manchmal tolle Ausblicke erlaubt.

Szenische Alternativ-Routen in New York und Rom

Andreas ruft uns über den Atlantik dies zu: «Die Subway-Linie 7 verkehrt in Queens auch oberirisch und man hat von da einerseits ein schöner Ausblick auf die Skyline, aber auch über Queens.»

Alternative: «Die Linie F verkehrt in Teilen Brooklyn ebenfalls oberirdisch und bietet eine tolle Aussicht über Brooklyn und die Skyline.»

Aus Rom wiederum erreicht mich ein Tipp von der Schwester-Organisation Localike Roma. Ursula Prügger empfiehlt die Buslinie 115 und schreibt: «Die kleinen Elektrobusse fahren seit kurzem wieder diese besondere Panoramaroute. Startpunkt beispielsweise bei der Haltestelle Paola, am Corso Vittorio Emanuele gegenüber der Hausnummer 341, kurz vor der Brücke Ponte Vittorio Emanuele II.

Herrliche Ausblicke bieten sich bei der Fahrt auf den Gianicolo mit Halt an der Aussichtsterrasse P.le Garibaldi und Abfahrt nach Trastevere.»

4 oder 8? Es kann auch heissen: 4 und 8

Aber zurück nach Zurigo. Welches ist denn nun die Parade-Linie in Zürich, der Home-Base des Internauten?

Du erinnerst Dich: «Tram Nummer 4» sagte Christian Diener, den ich kürzlich im Tram kennen lernte. Der ÖV-Profi vom Tram Museum Zürich hat natürlich ein paar Punkte auf seiner Seite.

Klare Wahl: «Nummer 4», sagt Christian Diener vom Tram Museum Zürich.

Immerhin fährt «s Vieri», wie die Zürcher sagen, vom Seefeld her dem malerischen Limmatquai entlang, um sich dann über den Hauptbahnhof den Weg ins szenige Züri-West zu bahnen.

Der Internaut hingegen würde eher auf Nummero 8 setzen. Vom Bellevue her über die Quaibrücke und via Paradeplatz bis hin zur Hardbrücke mit dem majestätisch grünlich schimmernden Prime Tower – das ist für mich das totale Züri-Erlebnis.

Nummer 8 – sag ichs doch! Zwischenhalt am Escher-Wyss-Platz Zürich.

Wobei: Man kann die beiden Routen natürlich auch kombinieren. Immerhin treffen sich Linie 4 und 8 einmal am Bellevue beim See – und dann wieder am Escher-Wyss-Platz in Züri-West.

Besonders kostspielig ist das für einmal nicht in der sonst so teuren Stadt Zürich, wo man gut daran tut, ein paar Züri-Spar-Tipps zu kennen.

Wer sich auf die zwei zentralen Tarif-Zonen beschränkt, kann mit einer Tageskarte unbeschränkt oft rumzuckeln – und das für 8.80 Franken, also gerade einmal schlappe acht Euro.

Coole Stadtrundfahrt: So findest Du die szenischen City-Routen

Jetzt kann es natürlich sein, dass Du demnächst weder in Zürich, Lissabon, Budapest, New York oder Rom unterwegs bist. Sondern ganz woanders. Es hat ja jede und jeder seine ganz persönliche Bucket List.

Aber egal, wo Dein nächstes Ziel liegt: Mit etwas Vorab-Recherche lässt sich bestimmt eine ÖV-Route finden, die mitten ins Herz Deiner Wahl-Stadt hineinführt.

Ich habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, Google von meinem Wunsch zu erzählen. Etwa mit den Wörtern «scenic bus ride» oder «scenic tram ride» und der gewünschten Stadt. Das hat mir – auch in Verbindung mit dem Wort «public transportation» schon zu einigen coolen Stadtrundfahrten verholfen.

Wenn man die gleiche Suche mit dem ähnlichen Wort «panoramic» beginnt, tauchen hingegen oft die offiziellen Stadtrundfahrten auf. Gegen die ich selbstverständlich rein gar nichts habe. Wirklich nicht.

Aber eine rundere Sache find ichs im öffentlichen Bus oder Tram halt schon. Und wenn Du online vorab gar keine szenische ÖV-Route ausfindig machen kannst: Versuchs Offline. Frag die Einheimischen.