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Schloss Fuschl im Salzburger Land: Das Luxushotel beherbergt eine umfangreiche Sammlung Alter Meister und verbindet historischen Charme mit hochkarätiger Kunst. Bild: Facebook / Rosewood Schloss Fuschl

De Luxe Kunst im Hotel: Schlafen zwischen Picasso und Dalí

Christian Haas

In exklusiven Hotels wird teure Kunst bewohnbar – nicht abgeschirmt hinter Glas und zu festen Öffnungszeiten, sondern direkt und rund um die Uhr. Mitunter sogar über dem eigenen Bett. Diese Beispiele machen Lust, mal in diesen besonderen Unterkünften abzusteigen.

Im One Aldwych, dem mitten im Londoner Theaterviertel gelegenen und in einem edwardianischen Gebäude aus dem Jahr 1907 untergebrachten Luxushotel, begrüsst ein bunter Pappmaché-Hund die Gäste am Empfang. Er stammt von der bekannten Künstlerin Justine Smith und hört auf den Namen Spencer.

Unweit davon entfernt sitzt «The Oarsman», die eindrucksvolle Holzskulptur eines Ruderers des Bildhauers André Wallace. Über seinen hoch in die Luft ragenden, überdimensionierten Rudern schweben die floralen Skulpturen von Londons berühmtesten Floristen Stephen Woodham, der Blumen kopfüber gedeihen lässt.

Wohin man blickt, ist Kunst das grosse Thema, über das gesamte Fünf-Sterne-Haus verteilt sich eine permanente Ausstellung zeitgenössischer Werke, von den Fluren bis zu den Zimmern. Selbst der Lift fungiert als Bühne für Licht-Kunst im schrillen Stil der Pop-Art aus den 60er-Jahren.

Das Besondere: Die über 400 Kunstwerke werden nicht als Investment verstanden, sondern als Augenschmaus für die Gäste und als besonderes Kennzeichen des Boutiquehotels. Das Credo des Hotelgründers Gordon Campbell Gray: «Nichts wirkt so langweilig wie Standardisiertes, und nichts veraltet so schnell wie Design-Trends.» Kunst hingegen ist zeitlos.

Das sehen auch andere Hoteliers so und setzen vermehrt auf Kunst als Mittel der Differenzierung im Wettbewerb. Und stellen Originale arrivierter oder talentierter Künstler aus. Manche beherbergen sogar eigene Galerien, viele bieten Raum für Ausstellungen oder arrangieren Gemälde, Skulpturen und Videoinstallationen an Fassaden, im Foyer, in Restaurants oder in den Zimmern.

Von Dalí bis Bueghel

Ein schillerndes Beispiel ist das Palasthotel und Nationaldenkmal Le Negresco in Nizza. Das Belle-Époque-Haus zieren insgesamt rund 6000 Kunstwerke von der Renaissance bis zur Gegenwart. Im Innenbereich des lebenden Kunstmuseums werden Werke von Raymond Moretti (farbenfrohe Teppiche), Salvador Dalí (surrealistische Gemälde) und Niki de Saint Phalle (üppige Skulpturen) auf beeindruckende Weise mit auserlesenen Antiquitäten und historischen Gemälden kombiniert. Praktisch: Wer auf den Geschmack kommt, besucht einfach das nahe Musée Matisse oder das Musée National Marc Chagall.

Wie in einem Museum fühlen sich auch die Gäste des zur Rosewood-Gruppe gehörenden Schloss Fuschl im Salzburger Land. Mehrere hundert Gemälde Alter Meister des 16. bis 19. Jahrhunderts werden in exklusiven Zimmern und Suiten präsentiert, zum Teil auch in öffentlichen Bereichen.

Höhepunkte der Sammlung sind das Gemeinschaftswerk von Joos de Momper d. Jüngeren und Jan Brueghel d. Älteren, «Frühling: Landschaft mit eleganter Gesellschaft auf einer Allee» sowie Jean François de Troys «Allegorie des Geschmackssinnes». Ach ja, und in der Lobby des selbsternannten «Wohnmuseums» grüsst eine markantes zeitgenössisches Werk von Georg Baselitz.

Fife Arms: Die Pilgerstätte schlechthin

Als wahre Pilgerstätte für Kunstsinnige gilt das Fife Arms in den schottischen Highlands. Sage und schreibe rund 16‘000 (!) Kunstwerke machen das Luxushotel zum lebenden Museum, für dessen Studium allein man sich mehrere Tage einbuchen könnte. Bereits in der Lobby intoniert ein selbstspielendes Steinway-Klavier Melodien, während gegenüber Picassos Porträt von Marie-Thérèse Walter hängt.

Und so geht es munter weiter. Hier ein Original-Brueghel im Speisesaal, dort eine Hirschzeichnung von Queen Victoria oder ein Geweih-Kronleuchter von Richard Jackson. Ausserdem werden hier unter dem Motto «Artists in residence» regelmässig Künstler eingeladen, vor Ort zu malen, zu fotografieren, zu dichten oder zu schreiben.

In die Riege «Hotel als respektive mit eigenem Museum» fällt, als einziges in Mexiko, auch das Solaz Resort im angesagten Los Cabos. Dort erwarten Gäste zahlreiche kunstvolle Installationen und Originalwerke, die stark von der Kultur, Landschaft und Geschichte der Baja-Halbinsel inspiriert sind.

Besonders viele davon stammen von César López-Negrete, darunter grosse geometrische Skulpturen, handgefertigte Möbel und mehr als 400 Kunstwerke. Zudem beherbergt das Resort die indigene Galerie «El Gabinete Del Barco», in welcher regionale Artefakte von Harpunen bis hin zu historischen Karten sowie ein 13 Meter langes Grauwalskelett ausgestellt sind.

Blumen im Fokus

Natur in der Kunst – das ist auch das grosse Thema im südafrikanischen Grootbos Resort. Im dortigen Florilegium, dem weltweit bedeutendsten nach den Royal Botanic Gardens in London, erwartet (Hotel-)Gäste eine einzigartige Sammlung von mehr als 120 Kunstwerken, die seltene, gefährdete und charakteristische Pflanzen der Cape Floral Kingdom-Region in detailreichen Illustrationen zeigen, oft zusammen mit ihren Bestäubern und dazugehörigen Insekten.

Initiator und Hotelbesitzer Michael Lutzeyer findet: «Kunst eignet sich bestens, um ökologische Zusammenhänge darzustellen.» Diese internationale Zusammenarbeit von über 40 Künstlern wird in der Hannarie Wenhold Botanical Art Gallery präsentiert, die externe Besucher nur nach Voranmeldung, Hausgäste jedoch immer besuchen können.

Eher mit «Kunst-Kunst» beschäftigt sich das Waldorf Astoria Rome Cavalieri in der italienischen Hauptstadt, es beherbergt eine der grossartigsten privaten Kunstsammlungen überhaupt. Schon die Lobby ist ein Schaulaufen der Kunstgeschichte: Die hier hängenden Tiepolo-Gemälde wären in so manchem Museum das Highlight, im Cavalieri sind sie nur eines von etlichen Hochkarätern. Insgesamt umfasst die Sammlung mehr als 1000 Kunstwerke, von Beauvais-Wandteppichen über Warhol-Bilder bis hin zu Statuen und antiken Möbelstücken. Kurz: Das Luxushotel ist ein Gesamtkunstwerk.

Eine Sonderstellung inne hat das QT Sydney. Die skurrile Mischung aus historischen Gebäudeelementen, Installationen, Kunstwerken und Designmöbeln, die sowohl von der Kaufhaus- als auch der Theatervergangenheit der Häuser inspiriert sind, ist hier jedenfalls einzigartig.

Da treffen LED-Wände auf restaurierte Art-déco- und Barockdetails und dramatische Spotlights auf goldverzierte Vitrinen. Plus: Gäste erhalten exklusiven Zugang zu Events und Privatführungen im Museum of Contemporary Art.

Von Künstlern gestaltete Schlüsselkarte

Die Verknüpfung zu Kunsttempeln vor Ort gelingt auch Le Méridien besonders gut. In vielen Niederlassungen rund um den Globus ist unter dem Motto «Unlock Art» die, nicht selten von Künstler gestaltete, Zimmerschlüsselkarte zugleich die Eintrittskarte zu renommierten Museen vor Ort, etwa in Brüssel in den Palast der Schönen Künste oder in München zum MUCA, Deutschlands erstem Museum für urbane und zeitgenössische Kunst.

München ist ohnehin ein Vorzeigehaus. Von plastischen Installationen in der Lobby, tageszeitabhängigen Fahrstuhl-Inszenierungen bis hin zu Kombinationen aus Licht, Klang und Duft wurde unter der Leitung des Kunstkurators von Le Méridien, Jérôme Sans, ein hochkünstlerisches Gesamtambiente geschaffen. Dazu gehören auch Espressotassen in der Bar, die das Künstlerpaar Bayder und Demir für Espresso-König Andrea Illy und seine Kunstsammlung entwarf.

Von Grund auf von Künstlern gestaltet ist das Arte Luise Kunsthotel. 50 Kreative haben in den 50 Zimmern des Hotels in Berlin-Mitte ihre raumbezogenen Konzepte umgesetzt und Refugien geschaffen, die dem Gast als Einstimmung auf die nahegelegenen Museen und Galerien dienen können oder aber auch der Inspiration oder Besinnung.

Konsequent ist jeweils das gesamte Zimmer Gegenstand des künstlerischen Konzeptes, inklusive Möblierung und sonstiger Ausstattung. Vorab werden Gäste in der Lobby mit Skulpturen und Installationen empfangen und finden im Treppenhaus einen philosophischen Parcours. Sogar die Raucherlounge ist künstlerisch akzentuiert.

Um Kunst in Hotels zu erleben, müssen Sie die Schweiz aber nicht verlassen. Hier lesen Sie mehr zu Schweizer Hotels mit starkem Kunstbezug.