Karriere
Studierende der HFT Luzern vertiefen Tourismuskompetenzen in Griechenland
Auch in diesem Jahr – und damit bereits zum vierten Mal in Folge – führte der Study Trip Europa der HFT Höheren Fachschule Tourismus Luzern des BZLU Bildungszentrum Luzern nach Griechenland. Die Studierenden des diesjährigen Lehrgangs tauchten während einer intensiven Seminarwoche nicht nur in Geschichte, Wirtschaft und Kultur ein, sondern setzten sich vor Ort vertieft mit zentralen Fragestellungen des modernen Tourismus auseinander.
Griechenland: Erfolgsmodell mit globaler Strahlkraft
Mit zuletzt knapp 36 Millionen einreisenden Besuchern aus dem Ausland – bei weiterhin steigender Tendenz – zählt Griechenland zu den meistbesuchten Destinationen Europas und gehört auch weltweit zu den bedeutenden Tourismusmärkten. Der Sektor ist eine tragende Säule der Volkswirtschaft und steht exemplarisch für die Chancen und Herausforderungen moderner Destinationen.
Diese Dynamik wurde im Seminarprogramm unmittelbar erlebbar: Prominente Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Tourismusbranche aus den Bereichen Destinationsmanagement, Hospitality, Hotellerie, Fähren, Luftfahrt und Marketing gaben in Fachinputs Einblicke in ihre Strategien und Herausforderungen.
Die Studierenden nutzten diese Gelegenheiten intensiv – mit engagierten Diskussionen, gezielten Fragen und vertieften Q&A-Sessions, die einen direkten Transfer zwischen Theorie und Praxis ermöglichten.
Zwischen Metropole und Peloponnes: Lernen im Kontrast
Ein besonderer Mehrwert lag im direkten Vergleich unterschiedlicher touristischer Räume. Neben der Trend-Metropole Athen mit einem Jahr für Jahr wachsenden und immer beliebter werdenden Gastronomie- und Unterhaltungsangebot führte das Programm auch in die ehemalige griechische Hauptstadt Nafplio auf dem Peloponnes.
Die Stadt mit rund 15'000 Einwohnern gilt als eine der schönsten Griechenlands und beeindruckt mit ihrer venezianisch geprägten Altstadt, historischen Festungsanlagen und einer authentischen Atmosphäre abseits grosser Touristenströme. Nafplio steht exemplarisch für jene «Hidden Gems», die im internationalen Markt zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Gerade dieser Perspektivenwechsel – von urbaner Grossdestination zu pittoreskem Küstenort – ermöglichte den Studierenden ein vertieftes Verständnis für die Vielfalt touristischer Angebotsformen.
Sonne, Regen – und echte Erlebnisse
Auch atmosphärisch zeigte sich die Reise facettenreich: Während die ersten Tage in Athen von frühlingshaftem Sonnenschein geprägt waren, präsentierte sich das Wetter auf dem Peloponnes wechselhaft.
Die Studierenden liessen sich davon nicht bremsen, erkundeten Nafplio auch bei Regen und entdeckten gerade darin den besonderen Charme der Destination. Einzelne nutzten die Gelegenheit sogar für ein zugegebenermassen noch kühles, dafür umso erfrischenderes Bad im Meer.
Gemeinsame Abendessen boten zudem die Möglichkeit, die Vielfalt der griechischen Küche intensiv kennenzulernen – ein Erlebnis, das ebenso zur touristischen Gesamtwahrnehmung beitrug.
Nachhaltigkeit, Diversifikation und neue Strategien
Im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung standen zentrale Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit, Besucherlenkung und die gezielte Diversifikation des Angebots.
Diskutiert wurde, wie Griechenland aktiv daran arbeitet, die touristische Saison gezielt über die Sommermonate hinaus auf Frühling, Herbst und die Nebensaison auszuweiten, neue Zielgruppen zu erschliessen und alternative Regionen abseits des einseitigen Griechenland-Images – geprägt von blauem Meer, Sonne, Strand und den bekannten weiss getünchten Häusern als klassischem Postkartenmotiv – zu positionieren. Auch weniger bekannte Berg- und Naturregionen mit Garantie für authentische Reiseerlebnisse rückten verstärkt in den Fokus – insbesondere für Märkte wie die Schweiz.
Gleichzeitig blieb der Umgang mit Overtourism an Hotspots wie Santorini oder Mykonos eine zentrale Herausforderung und ein wichtiger Lerngegenstand.
Athen Airport: Drehscheibe und exklusiver Blick hinter die Kulissen
Ein besonderer Höhepunkt des Programms war der Besuch am modernen internationalen Flughafen von Athen, der dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert und sich als zentrale Drehscheibe im südosteuropäischen Luftverkehr etabliert hat. Entsprechend erfuhren die Studierenden unter anderem, dass Athen zu den wachstumsstärksten Flughäfen Europas zählt und im Vergleich zum Vorkrisenniveau besonders deutlich zulegen konnte.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Flughafen auch im Bereich Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnimmt und im europäischen Vergleich zu den fortgeschrittenen Flughäfen in der Umsetzung von CO₂-Reduktions- und Net-Zero-Strategien gehört – ein Ziel, das branchenweit meist erst bis 2050 erreicht werden soll.
Nach fachlichen Inputs zur Entwicklung des Flughafens sowie Informationen zur Strategie der griechischen Fluggesellschaft Sky Express erhielten die Studierenden vertiefte Einblicke in zentrale Zusammenhänge des Luftverkehrs.
Sky Express wurde 2025 von der European Regions Airline Association (ERA) als «Airline of the Year» ausgezeichnet und erhielt zudem den «Regional Connectivity Airline Award». In den vergangenen Jahren hat sich die griechische Fluggesellschaft als dynamisch wachsender Anbieter im regionalen und europäischen Luftverkehr etabliert.
Als besonderer Höhepunkt folgte ein exklusiver Blick hinter die Kulissen: Der Zugang zum Kontrollturm – normalerweise nicht öffentlich zugänglich – ermöglichte einen direkten Austausch mit Flugverkehrsleitern.
Die Offenheit und die Möglichkeit zum persönlichen Dialog machten diesen Programmpunkt zu einem für die Studierenden unvergesslichen Erlebnis.
Lernen, erleben, zusammenwachsen
Neben der fachlichen Tiefe zeigte sich einmal mehr die Bedeutung des gemeinsamen Erlebens. Der intensive Austausch, gemeinsame Aktivitäten und informelle Begegnungen stärkten den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe nachhaltig.
Gerade die Kombination aus anspruchsvollem Studium, praxisnahen Einblicken und bewusst eingeplanten Freizeitmomenten erwies sich dabei als besonders wirkungsvoll: Lernen, Erleben und Spass gingen nahtlos ineinander über – eine Verbindung, die nicht nur den Teamgeist förderte, sondern auch den nachhaltigen Lernerfolg unterstützte.
In einer Zeit, in der vergleichbare Formate aus Kostengründen seltener werden, bleibt dieser Ansatz ein bewusst gesetztes Zeichen: Praxisnahe, internationale Lernsettings sind ein integraler Bestandteil der Bildungsphilosophie des BZLU in Luzern – mit dem Ziel, Menschen nicht nur fachlich auszubilden, sondern sie ganzheitlich zum Lernen und Wachsen zu inspirieren sowie vom Wissen zum Können zu bringen.
Ein Format mit Zukunft
Unter der Leitung von Seminarleiterin Sarah Rüedi, BZLU-Direktor Patrick Rüedi, Berater, Dozent und Coach Thomas P. Illes sowie in Zusammenarbeit mit den branchenweit bekannten Tourismuspersönlichkeiten Pythagoras Nagos und Dimitra Vlachou des Griechenland-Veranstalters Hospitality Stories gelang es auch in der vierten Durchführung, ein Lernformat zu schaffen, das Theorie, Praxis und persönliche Entwicklung auf überzeugende Weise verbindet.
Oder anders gesagt: Wer Tourismus verstehen will, muss ihn dort erleben, wo er passiert.