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Der Schweizer Historiker und Autor Matthias Wipf hat mit «Das Beret des Comandante» einen packenden Roman geschrieben. Bild: HO

Dieser historische Kuba-Roman gehört ins Reisegepäck

Kuba, Krisen und ein Schweizer Diplomat: Der Schweizer Autor Matthias Wipf macht mit dem Roman «Das Beret des Comandante» Geschichte greifbar – und spricht mit Travelnews über sein Werk.

Die Karibikinsel blickt auch auf eine hochdramatische Geschichte zurück. Mitten im kalten Krieg, im Oktober 1962, stand die Welt während der Kuba-Krise am Rande eines Atomkriegs. Eine weitgehend unbekannte Schlüsselrolle spielte dabei ein Schweizer: Botschafter Emil Stadelhofer. Als offizieller Schutzmachtvertreter der USA in Havanna wurde er zum lebenswichtigen Bindeglied – zum «Briefträger zwischen den Welten» – zwischen John F. Kennedy und Fidel Castro.

In seinem frisch erschienenen historischen Roman «Das Beret des Comandante» erweckt der Schweizer Historiker und Autor Matthias Wipf diese nervenzerreissenden Tage akribisch recherchiert und literarisch packend zum Leben. Es ist ein Buch, das Geschichte greifbar macht – und sich dank seiner fesselnden Erzählweise perfekt als anspruchsvolle Ferienlektüre für den Strand, die Badi oder die nächste Flugreise eignet.

Im Interview mit Travelnews spricht Matthias Wipf darüber, warum ihn die Geschichte auf einer eigenen Kuba-Reise vor 30 Jahren packte, wo die historische Wahrheit aufhört und die Fiktion beginnt, und wie sich die Situation auf der Sehnsuchtsinsel seither verändert hat.

Herr Wipf, was hat Sie dazu bewegt, die Ereignisse um Emil Stadelhofer nicht als Sachbuch, sondern als historischer Roman zu erzählen?

Matthias Wipf: In der Tat hatte ich lange vor, eine klassische Biografie zu schreiben. Allerdings ist es mir seit jeher ein grosses Anliegen, auch Leute für Geschichte zu begeistern, die wohl nie ein Fachbuch lesen würden. Und in einem Historischen Roman ist es möglich, zu unterhalten und gleichzeitig Wissen – in diesem Fall über die Kubakrise oder Diplomatie und Neutralitätspolitik – zu transportieren. Und erste Fotos von Freunden und Bekannten, welche den Roman in der Badi, auf dem Campingplatz oder am Strand lesen, zeigen, dass mir dies offenbar gelungen ist (lacht). Auch meine Firmen- und Jubiläumsgeschichten, die ich sonst verfasse, oder meine historischen Podcasts verfolgen immer dieses eine Ziel: ein breites Publikum für Geschichte zu begeistern – durch spannende Anekdoten und «Geschichten zur Geschichte», wie ich gerne sage.

Wo endet die belegbare Historie, wo beginnt die literarische Freiheit?

Das geht sanft ineinander über – aber es gilt immer die Maxime, dass die historische Wahrheit, die ich akribisch recherchiert habe, nicht verfälscht werden darf. Im Nachwort habe ich zudem klar deklariert, wo die literarische Freiheit zum Zug gekommen ist. Man sollte, so finde ich, dieses Nachwort allerdings nicht zuerst lesen, sondern sich überraschen lassen (lacht). Einfacher gesagt: literarische Freiheit beginnt dort, wo die Quellen schweigen. Sie ist ein Mittel, um zusätzliche Informationen, vor allem aber auch Gefühle wie etwa Angst oder Selbstzweifel, zu transportieren.

Was hat sich aus Ihrer Sicht auf Kuba seit Ihrem ersten Besuch verändert?

Ich war 1996, also vor genau dreissig Jahren, das erste Mal auf Kuba. Als junger Student in einer Sprachschule in Havanna.

Seither war ich noch einige weitere Male dort – und jedes Mal war die Situation noch angespannter. Die aktuelle Mangellage und politische Unzufriedenheit ist dramatisch. Eigentlich wollte ich Anfang diesen Jahres erneut nach Kuba reisen, um vor Drucklegung des Romans nochmals die Atmosphäre zu spüren – aber es haben mir alle davon abgeraten. Nun hoffe ich einfach, dass ich dann vielleicht mal zu einer Lesung nach Kuba reisen kann. Zum Beispiel auf der Botschaft, beim aktuellen Schweizer Botschafter Stefano Vescovi, dem Nach-Nachfolger Emil Stadelhofers, mit dem ich bereits in Kontakt bin. Wenn ich von Freunden auf Kuba höre, dass sich inzwischen offenbar ein Grossteil der Kubanerinnen und Kubaner aktuell ein Eingreifen der USA, einen erzwungenen Regime Change, wünscht, dann macht einen das schon sehr nachdenklich.

Sehen Sie Parallelen zwischen der damaligen Geschehnissen auf Kuba und der heutigen Krise?

Auch heute weiss man nie, was einen am nächsten Tag erwartet. In diesem Sinne also: Ja. Hingegen droht heute nicht ein Nuklearkrieg – das war im Herbst 1962 ganz anders. Dort hing der Weltfrieden wirklich an einem seidenen Fädeli. Und Botschafter Emil Stadelhofer war – als sogenannter «Briefträger», wie es im diplomatischen Jargon hiess – damals mittendrin. Er überbrachte Botschaften der USA direkt an Fidel Castro.

Was hat Sie an Emil Stadelhofer am meisten fasziniert?

Schon 1996, bei meinem ersten Besuch, habe ich Fotografien gesehen, auf denen Botschafter Stadelhofer und Fidel Castro – ziemlich vertraut wirkend – beieinander sassen und Zigarre rauchten. Das hat mich sofort fasziniert! Auch die Tatsache, dass Stadelhofer seither fast in Vergessenheit geraten ist. Ich habe dann in verschiedenen Archiven recherchiert – auch mit Sonderbewilligung in den diplomatischen Dokumenten des EDA oder in der Nationalbibliothek José Marti auf Kuba. Zudem habe ich mit der Witwe Stadelhofers, mit seiner Tochter und mit zahlreichen Jugendfreunden gesprochen. So hat sich mein Bild von ihm über die Jahre stetig komplettiert.

«Das Beret des Comandante», CHF 28.- zzgl. Portokosten, kann hier bestellt werden.

(GWA)