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Auch im Reisebüro wird die Sommerhitze zur Herausforderung – besonders in Büros ohne Klimaanlage. Bild: Adobe Stock / KI

Klimaanlagen und Nebelduschen: So geht die Reisebranche mit der Hitze um

Marilin Leuthard

Ob in der Reiseberatung, im Backoffice oder auf dem Vorfeld am Flughafen Zürich: Travelnews hat bei vier Unternehmen nachgefragt, wie sie ihre Mitarbeitenden bei diesen Temperaturen unterstützen.

Bei der aktuellen Hitzewelle kann es im Büro schnell ungemütlich werden. Man schwitzt unaufhörlich, eine Klimaanlage gibt es nicht und der Ventilator macht kaum mehr, als die heisse Luft im Raum umzuwälzen. Die Gedanken schweifen im Fünf-Minuten-Takt ab – zu einem erfrischenden Sprung ins kalte Nass oder vielleicht doch gleich zur Buchung einer Reise nach Grönland?

Aber was, wenn man nicht im Büro, sondern draussen an der prallen Sonne arbeiten muss? Etwa auf dem Vorfeld des Flughafens Zürich? Die Koffer müssen umgeladen, das Flugzeug beladen und betankt werden. Unverzichtbare Arbeiten, ohne die kein Flugzeug mehr abheben könnte.

Die Temperaturen verlangen Arbeitnehmenden derzeit einiges ab. Travelnews hat bei verschiedenen Schweizer Unternehmen aus der Reiseindustrie nachgefragt, wie sie ihre Mitarbeitenden an Hitzetagen unterstützen. Werden Kleiderregeln gelockert? Stehen den Mitarbeitenden zusätzliche Getränke oder Verpflegungsmöglichkeiten zur Verfügung? Welche Massnahmen werden ergriffen, um die Angestellten zu schützen?

«Als globales Unternehmen verfügen wir über ein umfassendes Hitzeschutzkonzept. Die Massnahmen werden laufend an die Wetterlage und die operative Situation angepasst», sagt Angela Barbera Campagna, Sprecherin von Swissport, auf Anfrage. Auch Dertour Suisse, TUI Suisse und Knecht Reisen erklären, welche Hitzeschutz-Massnahmen sie momentan ergreifen.

Hitzetaugliche Arbeitskleidung

Gerade bei einem Job mit Kundenkontakt ist ein gepflegtes Auftreten von grosser Bedeutung. Eine generelle Lockerung der Richtlinien gebe es deshalb auch an besonders heissen Tagen nicht, sagt Stephan Kurmann, Kommunikationschef von Dertour Suisse. «Für unsere Reiseberaterinnen und Reiseberater in den Filialen gelten Dresscode-Richtlinien, die ein gepflegtes und professionelles Erscheinungsbild sicherstellen.»

Laut Kurmann besteht aber durchaus ein gewisser Spielraum: «Je nach Anlass und Jahreszeit sind beispielsweise Stoffhosen, Jeans oder Culottes sowie Röcke und Kleider in angemessener Länge möglich. Für Mitarbeiterinnen sind zudem gepflegte offene Schuhe zulässig, während unsere Mitarbeiter geschlossene Schuhe tragen», so Kurmann. Für die Mitarbeitenden im Backoffice würden hingegen keine spezifischen Kleidervorschriften gelten.

Im Sommer ist bei TUI eine «jahreszeitengerechte» Kleidung erlaubt, sofern der Auftritt einen angemessenen Business-Anspruch erfüllt. Bild TUI Suisse

TUI verfolgt bezüglich der Arbeitskleidung einen «Come as you are»-Ansatz. «Wir möchten, dass sich unsere Mitarbeitenden wohlfühlen und sich gleichzeitig professionell gegenüber Kundinnen und Kunden präsentieren», sagt Tobias Heck, Geschäftsleitungsmitglied von TUI Suisse. Daher sei insbesondere in den Sommermonaten eine «jahreszeitengerechte» Kleidung erlaubt. Hosen und Röcke sollen knielang, Oberteile dürfen locker und sommerlich sein. «Gleichzeitig sollen diese aber nicht zu freizügig sein und keine politischen oder provokativen Botschaften tragen», so Heck.

Bei den Mitarbeitenden von Swissport kommen sämtliche Massnahmen zum Zug, die die Sicherheits- und Schutzvorschriften zulassen. «Wir fördern das Tragen leichter Sommerbekleidung wie Shorts und T-Shirts, wo dies zugelassen ist», erklärt Barbera Campagna. Die Arbeitskleidung werde zudem laufend weiterentwickelt. «Aktuell testen wir Kühlwesten und UV-Schutzärmel und prüfen, ob wir diese zukünftig zur Verfügung stellen können.» Zudem werden den Mitarbeitenden Sonnenhüte mit Nackenschutz und UV-Schutzbrillen sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor zur Verfügung gestellt.

50 Grad auf dem Flughafen-Vorfeld

Herrscht offiziell 35 Grad Aussentemperatur, kann das Thermometer auf dem Vorfeld des Flughafens auch mal auf eine Temperatur von über 50 Grad ansteigen. Trotzdem muss der Betrieb reibungslos vonstattengehen. Da kann man von einem klimatisierten Büro nur träumen.

Um dennoch für ein wenig Abkühlung zu sorgen, ergreift Swissport verschiedene Massnahmen, um die Arbeitenden vor der enormen Hitze zu schützen. Dazu gehören unter anderem die Bereitstellung von Trinkwasser direkt auf dem Vorfeld, das Verteilen von isotonischen Getränken und Elektrolyten, zusätzliche Möglichkeiten zur Abkühlung an Nebelduschen oder Kühlwasserstationen sowie die Abgabe von Kühltüchern.

«Wo es betrieblich möglich ist, werden Enteisungsfahrzeuge temporär umfunktioniert, um auf den Fahrwegen des Vorfelds einen feinen Wassernebel zu versprühen und dadurch die Umgebungstemperatur in den Arbeitsbereichen rund um die Flugzeuge zu senken», sagt Swissport-Sprecherin Angela Barbera Campagna.

Swissport setzt auf strenge Hitzeschutzmassnahmen für die Mitarbeitenden auf dem Vorfeld. Bild: Swissport

Dertour setzt bei diesem Wetter auf seine klimatisierten Büros. Auch die meisten Filialen würden über eine Klimaanlage verfügen. «Wo dies nicht der Fall ist, suchen wir pragmatische Lösungen, um unseren Mitarbeitenden ein angenehmes Arbeitsumfeld zu ermöglichen», sagt Kommunikationschef Stephan Kurmann. An den Bürostandorten in Altstetten und Glattbrugg gibt es laut Kurmann Mitarbeitende, die an besonders heissen Tagen bewusst häufiger ins Büro kommen, weil dort angenehmere Arbeitsbedingungen herrschen als zuhause im Homeoffice.

Ähnlich sieht es auch bei Knecht Reisen aus. Da die bauliche Infrastruktur in einzelnen Filialen voneinander abweicht, werden Ventilatoren eingesetzt. «Wir suchen gemeinsam mit den Filialleitungen und den Mitarbeitenden die individuell am besten passenden Lösungen», so Sprecher Matthias Reimann. Zu allfälligen Lockerungen der Kleidervorschriften aufgrund der Hitze äussert sich Knecht Reisen nicht.

Gesundheit geht vor

Bei Dertour arbeiten die Mitarbeitenden mit Jahresarbeitszeit und haben deshalb eine gewisse Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeiten. Kurmann betont aber: «Unsere Reisebüros haben fixe Öffnungszeiten, und wir möchten unseren Kundinnen und Kunden auch an heissen Sommertagen den gewohnten Service bieten.»

Um den Arbeitsalltag ein wenig erträglicher zu gestalten, stehen an den Standorten in Altstetten und Glattbrugg sowie den Filialen Wasserspender und Kaffee zur Verfügung, in Glattbrugg werden zudem regelmässig frische Früchte angeboten. Auch bei Knecht Reisen profitieren die Angestellten in den Filialen und am Hauptsitz von frischen Getränken.

TUI bietet neben flexiblen Arbeitszeitmodellen mit Gleitzeit, Teilzeit und Homeoffice auch Sabbaticals sowie die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. «So können Mitarbeitende ihre Arbeitszeiten und Arbeitsorte flexibel gestalten und sommerliche Tage bestmöglich nutzen», erklärt Heck.

«Die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden stehen für Swissport jederzeit über operativen oder zeitlichen Anforderungen», stellt Sprecherin Barbera Campagna klar. Die Angestellten würden ausdrücklich dazu angehalten, gesundheitliche Beschwerden sofort operativen Führungskräften zu melden.

«Wenn sich eine Person aufgrund der Hitze unwohl fühlt, wird sie umgehend aus dem operativen Einsatz genommen, an einen kühlen Ort begleitet und bei Bedarf medizinisch betreut.» Ein gesundheitlicher Notfall wie ein Hitzschlag ist Barbera Campagna nicht bekannt. «Unsere Teams sind geschult, Anzeichen eines Hitzeschlags oder anderer hitzebedingter Beschwerden frühzeitig zu erkennen.»