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Zehn Euro halten niemanden davon ab, den Markusplatz zu besuchen. Jetzt will Venedigs Bürgermeister den Preis verfünffachen. Bild: Fotolia

Bis zu 50 Euro für den Markusplatz?

Venedig plant drastische Erhöhung der Eintrittsgebühr, weil die bisherigen Mini-Gebühren den Massentourismus kaum bremsen. Doch gegen die Pläne regt sich bereits heftiger Widerstand.

Wer in Zukunft die historische Altstadt von Venedig für einen Tagesausflug besuchen möchte, muss wohl deutlich tiefer in die Tasche greifen. Der frisch gewählte Bürgermeister Simone Venturini plant eine radikale Reform der umstrittenen Eintrittsgebühr. An Tagen mit besonders hohem Besucherandrang soll der Ticketpreis für Kurzzeitbesucher auf bis zu 50 Euro steigen.

Hintergrund des Vorstosses ist die offensichtliche Wirkungslosigkeit des aktuellen Modells, das sich derzeit im letzten Testjahr befindet. In der laufenden Saison verlangt die Stadt an 60 ausgewählten Tagen im April, Mai, Juni und Juli eine Gebühr. Wer mindestens drei Tage im Voraus bucht, zahlt fünf Euro, für Last-Minute-Entschlossene werden zehn Euro fällig. Die Einnahmen sollen eigentlich dazu dienen, die Belastungen des Massentourismus für Einwohner und lokale Unternehmer abzufedern.

Zahlen der Stadtverwaltung zeigen nun jedoch, dass gut die Hälfte der Tagesausflügler klaglos den höheren Last-Minute-Tarif bezahlt. Die Abschreckungswirkung der Preisdifferenz tendiert somit gegen null – zehn Euro halten niemanden vom Rialto-Besuch ab. Mit einer deutlich grösseren Preisspanne will Venturini, der als ehemaliger Tourismusassessor die Gebühr vor zwei Jahren selbst mitkonzipiert hatte, die Touristenströme zu Stosszeiten nun endlich spürbar steuern.

Ausweitung auf das ganze Jahr im Gespräch

Neben der Preiserhöhung prüft die Stadtverwaltung auch eine zeitliche Ausweitung der Massnahme. Statt wie bisher nur an ausgewählten Tagen der Hochsaison, könnten die Kontrollen künftig auf weitere Stosszeiten wie den weltberühmten Karneval oder sogar auf das gesamte Jahr ausgedehnt werden.

Ganz so einfach kann der neue Bürgermeister sein Vorhaben allerdings nicht umsetzen. Zwar basiert die Gebühr auf einer kommunalen Regelung, die absolute Obergrenze ist jedoch im italienischen Nationalgesetz verankert. Venturini muss deshalb erst in Rom anklopfen und die Regierung von der Gesetzesänderung überzeugen.

In Venedig selbst sorgt der Vorstoss für heftige Diskussionen. Kritiker werfen der Stadtspitze vor, das Problem falsch anzugehen. Der ehemalige Bürgermeister Massimo Cacciari sparte nicht mit deutlichen Worten und nannte die Gebühr eine «Barbarei». Er warnt vor einer fatalen Signalwirkung: Venedig laufe Gefahr, sich immer mehr in ein reines Freiluftmuseum zu verwandeln, statt eine lebendige Stadt zu bleiben.

Auch juristischer Gegenwind droht. Der Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli gab im «Corriere della Sera» zu bedenken, dass ein Betrag von 50 Euro nicht mehr als blosser «Zugangsbeitrag» verbucht werden könne. Bei dieser Grössenordnung handele es sich de facto um eine rechtlich hochgradig bedenkliche Beschränkung der freien Beweglichkeit.

Ob und wann die 50-Euro-Grenze kommt, hängt nun vom Verhandlungsgeschick des Bürgermeisters in Rom ab. Klar ist: Das Experiment Venedig wird weltweit aufmerksam beobachtet – als Blaupause für den Kampf gegen den globalen Overtourism.

(TN)