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Koloniales Erbe und tropisches Klima: Historische Stadtviertel zählen zu den Argumenten, mit denen Panama bei Schweizer Reisenden zunehmend punktet. Bild: Adobe Stock

Der neue Liebling der Schweizer in Mittelamerika

Reto Suter

Panama galt lange als beliebte Ergänzung zu Costa Rica. Nun rückt das Land zunehmend selbst ins Zentrum des Interesses. Eine Umfrage von Travelnews bei Schweizer Lateinamerika-Spezialisten zeigt, weshalb Panama derzeit so stark gefragt ist.

Costa Rica ist seit Jahren die unangefochtene Nummer eins in Mittelamerika bei Schweizer Reisenden. Jährlich zieht es zwischen 20’000 und 30’000 Gäste aus der Schweiz ins Land zwischen Pazifik und Karibik.

In der Region zeichnet sich allerdings eine neue Entwicklung ab: Panama gewinnt an Profil. Nicht mehr nur als Ergänzung zu Costa Rica, sondern zunehmend auch als eigenständiges Reiseziel. Mehrere Schweizer Lateinamerika-Spezialisten bestätigen gegenüber Travelnews eine deutlich steigende Nachfrage.

Vom Nachbarn zur Alternative

Latin America Tours beobachtet den Trend bereits seit einiger Zeit. «Die Nachfrage nach Panama entwickelt sich bei uns seit rund zwei Jahren ausgesprochen positiv, und die Buchungszahlen steigen kontinuierlich an», sagt Geschäftsführerin Alessandra Schnyder. Gegenüber 2024 erzielte der Lateinamerika-Veranstalter 2025 ein Umsatzplus von rund 30 Prozent. Für 2026 liegt das Geschäft bereits jetzt rund 40 Prozent über dem Niveau von 2024, obwohl das Jahr noch nicht abgeschlossen ist.

Schnyder nennt mehrere Gründe für die Entwicklung. Einerseits hätten viele Kundinnen und Kunden Costa Rica bereits bereist und wollten nun ein neues Land in Mittelamerika entdecken. Andererseits spiele auch die Preisentwicklung eine Rolle. Costa Rica gilt inzwischen als eines der teuersten Reiseziele der Region (Travelnews berichtete).

Ähnliche Beobachtungen macht Dorado Latin Tours. Dort hat sich die Nachfrage nach Panama im laufenden Jahr gegenüber 2024 und 2025 verdoppelt. «Diese Entwicklung freut uns sehr, denn Panama verfügt aus unserer Sicht über grosses touristisches Potenzial», sagt Geschäftsführerin Gabriela Stauffer.

Panama profitiere unter anderem vom anhaltenden Boom in Costa Rica. «Beliebte Hotels und Nationalparks sind dort häufig lange im Voraus ausgebucht. In Panama ist die Situation vielerorts entspannter. Das ermöglicht mehr Flexibilität bei der Reiseplanung und auch kurzfristigere Buchungen», erklärt Stauffer.

Die Skyline von Panama-Stadt gilt als einer der markantesten Kontraste zu klassischen Mittelamerika-Reisezielen. Bild: Adobe Stock

Besonders eindrücklich entwickelte sich die Nachfrage bei Brasa Reisen. Dort schnellten die Panama-Buchungen im vergangenen Jahr gegenüber 2024 um 290 Prozent nach oben. Für 2026 liegen noch keine abschliessenden Zahlen vor. Geschäftsführer Reto Kindlimann rechnet jedoch mit einem Niveau ähnlich wie im Vorjahr.

Interessant: Auch Costa Rica entwickelte sich bei Brasa Reisen in den vergangenen drei Jahren sehr positiv. «Es scheint allgemein ein Boom in die Region zu geben», sagt Kindlimann. Beide Länder profitierten von guten Flugverbindungen aus Europa.

Bei Latin America Tours zeigt sich dagegen eine leichte Verschiebung. Costa Rica bleibe zwar eines der beliebtesten Reiseziele Mittelamerikas und verfüge weiterhin über eine treue Fangemeinde. Gleichzeitig beobachte man aber, dass ein Teil der Kundschaft bewusst nach weniger bekannten und preislich attraktiveren Alternativen suche. «Davon profitiert Panama ganz besonders», sagt Alessandra Schnyder.

Mehr Freiheit bei der Reiseplanung

Für die drei angefragten Schweizer Lateinamerika-Profis steht fest: Panama ist touristisch mehr als nur die kleine Schwester von Costa Rica. Reto Kindlimann von Brasa Reisen hebt die Kombination aus Natur, Stadt und Kultur hervor: «Panama eignet sich für Naturinteressierte ähnlich wie Costa Rica, bietet aber zusätzlich mit Panama-Stadt einen starken urbanen Kontrast sowie Begegnungen mit indigener Kultur.»

Auch Gabriela Stauffer von Dorado Latin Tours sieht ein klares Profil: Panama eigne sich besonders für Menschen, die gerne individuell reisen, Costa Rica bereits kennen oder bewusst eine weniger touristische Destination in Mittelamerika suchen.

Alessandra Schnyder von Latin America Tours wiederum verweist auf die Regionen abseits der bekannten Routen. «Je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt, desto authentischer werden Begegnungen und Landschaften.» Viele Orte seien touristisch noch nicht vollständig erschlossen, was zu einer entspannten Atmosphäre beitrage.

Hinzu komme eine kulturelle Vielfalt, die aus ihrer Sicht über jene Costa Ricas hinausgehe: koloniales Erbe, afrokaribische Einflüsse, indigene Gemeinschaften und die Geschichte rund um den Panamakanal. «Lange, oft nahezu menschenleere Strände, eine beeindruckende Natur, überschaubare Fahrdistanzen und zahlreiche Aktivitäten machen das Land für unterschiedlichste Zielgruppen attraktiv», so Schnyder.

Die entscheidende Frage wird nun sein, ob Panama den wachsenden Zuspruch langfristig steuern kann – ohne jene Entwicklung zu durchlaufen, die Costa Rica in Teilen bereits erlebt. Noch punktet Panama mit mehr Flexibilität bei der Wahl der Unterkünfte, moderateren Preisen und einem Gefühl des Entdeckens.

Bleibt das Angebot mit dem Wachstum im Gleichgewicht, könnte sich das Land dauerhaft als zweite grosse Mittelamerika-Destination der Schweizerinnen und Schweizer etablieren und nicht nur als Alternative zu Costa Rica.