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Flüge 68 Prozent teurer? Ein fragwürdiger Preisvergleich
Gemäss dem Comparis-Freizeit-Preisindex ist das Fliegen in den letzten fünf Jahren um 68 Prozent teurer geworden. Die Preise seien regelrecht explodiert.
Als Haupttreiber für die steigenden Flugpreise nennt der Vergleichsdienst die hohen Treibstoff-, Personal- und Wartungskosten sowie anhaltende Lieferprobleme bei neuen Flugzeugen. Das wirke sich vor allem bei den Langstrecken aus, zudem reduzieren Airlines auf wenig rentablen Strecken gezielt ihre Kapazität.
Zweifellos ist das Fliegen aus den genannten Gründen teurer geworden. Doch in diesem Ausmass?
Völlig dynamische Flugpreisgestaltung
Travelnews hat mit einem Schweizer Flugticket-Spezialisten gesprochen. Nick Gerber, Flugeinkäufer bei Globetrotter Travel Service, findet, der Vergleich mit dem Jahr 2021 sei schwierig zu ziehen. Denn im zweiten Corona-Jahr 2021 habe die Flugwelt noch völlig anders und ausserordentlich getickt. «Viele Langstreckenflüge fanden überhaupt noch nicht statt wegen reduzierter Airline-Kapazitäten. Australien-Flüge etwa wurden mehrheitlich erst ab 2022 wieder aufgenommen. Sinnvoll wäre gewesen, wenn man das Jahr 2019 zum Vergleich hinzugezogen hätte, das letzte Normaljahr vor Corona». Insofern funktioniere ein Vergleich 2026/2021 nur bedingt.
Überhaupt sind Flugpreise generell nicht mehr so einfach über längere Zeiträume hinweg vergleichbar, wie dies in den 1990er- und vielleicht noch in den 2000er-Jahren möglich war, als gedruckte Preislisten vorlagen. Die Flugpreisgestaltung ist heute völlig dynamisch und tagesaktuell analog dem Börsenhandel. Von Zürich nach Berlin und zurück kostet der Flug heute 95 Franken, in wenigen Tagen dann vielleicht 395 Franken.
Wie soll man also «die Flugpreise» miteinander vergleichen? Nähere Angaben gehen aus dem Comparis-Press-Release nicht hervor, einzig dass eine Zusammenarbeit mit dem KOF-Institut der ETH Zürich stattgefunden habe. Wir zweifeln die Flugpreis-Steigerung ja nicht an. Doch wie kommt die Zahl «68 Prozent» zustande?
Wurden die weltweiten Flugpreise der Jahre 2021 und 2026 verglichen? Oder nur die Flüge ab der Schweiz? Von Low-Cost- und Linien-Airlines? Auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken? Unser Mail an Comparis mit diesen Fragen blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.
Variable Kosten müssen abgedeckt sein
Und was sagt die Swiss zu den vermeintlich um 68 Prozent gestiegenen Flugpreisen? Swiss-Sprecherin Nicole Meier sagt, dies lasse sich nicht pauschal beantworten, hält aber fest: «Unsere Preise richten sich primär nach Angebot und Nachfrage. Wir legen Wert darauf, dass der Preis eines Tickets mindestens die variablen Kosten eines Flugs pro Passagier abdeckt. Dazu gehören unter anderem die Kosten für Treibstoff, die in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen sind».
Dennoch habe die Swiss ihre Preise aufgrund der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten nicht generell erhöht. «Entscheidend ist letztlich, dass die Gesamtrechnung einer Route aufgeht. Das bedeutet, dass wir neben den laufenden Kosten auch unsere Fixkosten decken. Zudem wollen wir gezielt in das Kundenerlebnis und in ein möglichst nachhaltiges Fliegen investieren. Fliegen soll bezahlbar bleiben – das ist unser Anspruch». Auf manchen Strecken seien die Durchschnittspreise gestiegen, auf anderen wiederum seien sie gefallen.