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Kommentar Kurzarbeit ist kein Scheitern
Reto SuterSeit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar hat sich in vielen Schweizer Reisebüros etwas verändert. Nicht überall dramatisch, aber flächendeckend spürbar. Die Anfragen wurden weniger, die Neubuchungen zögerlicher, die Dynamik aus dem starken Jahresstart wich einer abwartenden Haltung. 21 Schweizer Reisebüros haben deshalb Kurzarbeit beantragt.
Natürlich trifft die aktuelle Lage einzelne Anbieter stärker als andere. Reisebüros mit Fokus auf Destinationen in der Golfregion spüren die Auswirkungen besonders heftig. Aber Gespräche mit Reiseprofis in den vergangenen Wochen zeigen: Die Zurückhaltung geht weit über einzelne Segmente hinaus.
Auch Anbieter mit Fokus auf Afrika, Lateinamerika oder anderen Fernreisen ausserhalb der Krisenregion berichten von einem deutlich schwierigeren Geschäftsumfeld, obwohl diese Reiseziele auf dem Papier eigentlich profitieren müssten.
Es greift zu kurz, die Verantwortung bei den Unternehmen zu suchen. Reisebüros haben weder den Krieg ausgelöst noch die Unsicherheit an den Märkten geschaffen. Sie können ihr Sortiment anpassen, stärker beraten oder neue Schwerpunkte setzen, aber sie können geopolitische Entwicklungen nicht kontrollieren.
Kurzarbeit darf kein Tabu sein
Umso erstaunlicher ist, wie zurückhaltend viele Betriebe mit dem Thema Kurzarbeit umgehen. Dass Unternehmen nicht öffentlich darüber sprechen wollen, ist nachvollziehbar. Anders als während der Pandemie betrifft die aktuelle Situation nicht alle gleichermassen. Niemand möchte als schwach wahrgenommen werden.
Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Kurzarbeit ist kein Zeichen von Versagen. Sie ist ein Instrument, das Unternehmen ermöglicht, in ausserordentlichen Situationen Verantwortung zu übernehmen – gegenüber Mitarbeitenden und gegenüber der eigenen Zukunft. Wer Kurzarbeit prüft oder beantragt, handelt nicht panisch. Er handelt vorausschauend.
Gleichzeitig ist sie kein Allheilmittel und ersetzt keine strategischen Entscheide. Wo strukturelle Probleme bestehen oder Anpassungen nötig sind, kann Kurzarbeit diese nicht dauerhaft lösen. Für einen vorübergehenden, extern ausgelösten Nachfrageeinbruch kann sie aber ein sinnvolles Mittel sein.
Natürlich ist der administrative Aufwand beträchtlich. Nicht jedes Reisebüro fährt mit Kurzarbeit am Ende besser. Für manche ist eine direkte Kostenreduktion sinnvoller. Aber die Bürokratie allein darf kein Argument sein, ein bestehendes Instrument gar nicht erst zu prüfen.
Denn eines ist klar: Niemand weiss heute, wie lange die Verunsicherung anhält. Wer deutlich weniger Arbeit hat und die Voraussetzungen erfüllt, sollte sich nicht scheuen, einen Antrag einzureichen. Kurzarbeit macht ein Reisebüro nicht zum Problemfall. Sondern im besten Fall widerstandsfähiger für die Zeit danach.