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Das Tourismusmekka Ayia Napa im Südosten Zyperns weist aktuell viele leere Hotelbetten auf. Bild: Adobe Stock

Zypern bangt um Tourismussaison wegen Nahost-Konflikt

Gregor Waser

Für März und April sind die Zypern-Buchungen massiv eingebrochen. Zyperns Touristiker hoffen auf eine rasche Entspannung im Nahen Osten, um zumindest die Sommersaison noch zu retten.

Die zyprische Tourismusbranche steht unter Druck: Für die Monate März und April sind die Buchungen um rund 40 Prozent zurückgegangen. Auslöser sind die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten – und deren mediale Wahrnehmung.

Anfang März schlug eine iranische Drohne auf dem britischen Militärstützpunkt Akrotiri im Süden der Insel ein und verursachte geringfügige Schäden. Internationale Medien berichteten daraufhin ausführlich über eine mögliche Gefährdungslage. In der Folge passten mehrere Länder ihre Reisehinweise an.

Obwohl sich die Situation vor Ort ruhig präsentiert, reagierten Reisende prompt: Die Nachfrage brach kurzfristig ein.

Branche spürt deutliche Zurückhaltung

«Die Buchungen für März und April sind um fast 40 Prozent zurückgegangen», sagt Christos Angelides vom zyprischen Hotelverband zu «Reuters». Mit jedem weiteren Tag ohne Entspannung im Nahost-Konflikt wachse die Unsicherheit.

Noch vergangene Woche war beim Fremdenverkehrsamt Zypern in Winterthur eine gewisse Normalität auszumachen. Theodoros Moisidis sagte zu Travelnews: «Die Lage in Zypern ist derzeit normal und ruhig und es liegt auch kein Reisehinweis oder eine Reisewarnung des EDA vor. Eine gewisse Zurückhaltung bei den Buchungen ist in diesen Tagen spürbar, die Leute warten noch ab, was Ferienbuchungen in diesem Jahr betrifft. Es ist zu hoffen, dass die Eskalation im Nahen Osten bald zu einem Ende kommt.»

Einmal mehr zeigt sich, dass die internationale Tourismusindustrie äusserst sensibel auf mögliche Gefahrensituationen reagiert. Zypern liegt nur 160 Kilometer vom Libanon.

Buchungen nahe bei Null

Travelnews hat beim Badeferien-Spezialisten ITS Coop Travel nachgefragt, wie es um die Buchungen für das östliche Mittelmeer steht. Geschäftsführer Andi Restle sagt: «Die Buchungseingänge für Zypern liegen nahe bei Null. Auch für die Türkei und Ägypten verzeichnen wir nur sehr wenige Buchungen. Die Abweichungen dieser drei Ferienziele gegenüber dem Vorjahr sind signifikant.»

Griechenland laufe ok, aber auch hier sei es in den letzten drei Wochen eher ruhig geworden. «Auf den Sommer hin, ist es schwierig Prognosen zu machen, solange der Krieg andauert», hält Restle fest, «aber der Konflikt dürfte wohl nicht von heute auf morgen aufhören. Die Hoffnung besteht, dass wir im Mai und Juni noch kurzfristige Buchungen verzeichnen werden. Der schöne Vorsprung gegenüber dem Vorjahr, den wir noch bis Ende Februar hatten, ist nun jedenfalls weg.»

Auch Retailer bestätigen diese Einschätzung. Aufs Oster- und Frühlingsgeschäft angesprochen, sagt Christa Bühlmann, Co-Geschäftsführerin Heggli Reisen weltweit: «Weniger gefragt sind Ägypten, Zypern und die Türkei.» Und Tinu Fiedler, Inhaber von Zentrum Reisen nennt als aktuelle Gewinner Spanien, Portugal und Nordeuropa: «Zu den Verlieren zählen wir aktuell den Indischen Ozean, Zypern sowie die Südtürkei und teilweise Griechenland.»

Regierung reagiert mit Unterstützungspaket

Um die drohenden wirtschaftlichen Folgen abzufedern, hat die Regierung Zyperns nun ein Hilfspaket in Höhe von 200 Millionen Euro angekündigt. Ziel ist es, den Tourismussektor kurzfristig zu stabilisieren.

Geplant ist unter anderem, im April bis zu 30 Prozent der Löhne von Beschäftigten in Hotels und Beherbergungsbetrieben zu übernehmen. Damit sollen Betriebe unterstützt werden, die aufgrund der schwachen Nachfrage ihre Saison später starten würden.

Zudem sind Massnahmen zur Sicherung von Flugverbindungen vorgesehen, um wichtige Quellmärkte weiterhin anzubinden. Der Tourismussektor ist für Zypern zentral: Rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden direkt oder indirekt durch den Tourismus erwirtschaftet.

Hoffnung auf späte Erholung

Für die kommenden Wochen wird die Entwicklung der geopolitischen Lage entscheidend sein. Sollte sich die Situation im Nahen Osten bald entspannen, könnte Zypern noch von kurzfristigen Buchungen profitieren.

Ein zusätzlicher Faktor: Die Preise in klassischen Alternativdestinationen wie Spanien und Portugal ziehen aufgrund der hohen Nachfrage deutlich an. Zypern könnte dadurch für preisbewusste Reisende wieder attraktiver werden.

Noch ist die Saison nicht verloren – doch die Zeit drängt.